Design und Konstruktion
Der Rumpf besteht aus einem massiven Polyesterlaminat mit einer internen Bodengruppe, die einlaminiert ist, um den Boden und die innere Struktur zu verstärken und zu tragen. Oberhalb davon ist das Deck mit Balsaholzkern sowohl laminiert als auch mechanisch am Rumpf befestigt, wobei die Verbindung durch eine Teak-Fußreling über die gesamte Länge des Decks verläuft. Der Kiel ist aus Gusseisen mit einer geformten Bulbkiel-Bombe und wurde sowohl in flachem als auch tiefem Tiefgang angeboten, während das Ruder ein großes, einzelnes Profil mit hoher Streckung aufweist. Das Achterschiff wird durch einen attraktiven negativen Spiegel und ein Achterdeck geprägt, das einen Beibootsschuppen mit einer elektrischen klappbaren Heckklappe und einer Badeplattform umschließt; zwei Luken in diesem Achterdeck bieten Zugang zum Beiboot und dienen gleichzeitig als praktischer Stauraum für Fender und Festmacher. (1)
Rigg und Handhabung
Ein Seldén-Aluminiummast mit drei Salingen wird von unregelmäßigen Rod-Wanten und Stagen getragen. Das Testboot ist mit einem 9/10-Rigg ausgestattet, das auf dem Mast gefurte Segel mit Incidences-Laminat sowie einen Facnor-Drahtfurler am Bug besitzt. Der markante Beneteau-Plichtbügel dient als Führung für die Großschot und stützt das hintere Ende der Sprayhood; Handläufe erleichtern den Vorschiffsbewegungen der Crew. Die Genuaschienen und Püttinge liegen innen nahe am Kajütaufbau. Ein Edelstahl-Bugspriet mit „Delfin-Nase“ verfügt über ein Tack-Eye für einen Code Zero oder asymmetrischen Spinnaker. Die Segelhandhabung ist zentralisiert: Die primären elektrischen Harken 70ST-Winschen haben ihre Bedienelemente direkt außen neben den Steuersesseln. Die Leinen laufen durch das Cockpit umlaufende Süll zu Fallstoppern und weiter zu den sekundären Harken 46ST-Winschen. Die Großschot läuft auf die sekundäre Winsch an Steuerbord. Trotz des flachen Kiels und des Rollgroßsegels im Mast lief das Boot bei einer Windgeschwindigkeit von 6 Knoten mit 12 bis 14 Knoten scheinbarem Wind und etwa 35 Grad Abfangwinkel am Wind sehr agil. Bei einem Abfang von 50 bis 60 Grad schnellte die Bootsgeschwindigkeit auf 8,6 Knoten hoch. Das große, hocheffiziente Ruder brachte sie auf jeder Wende souverän durch das Windauge. (1)
Unterbringung
Unter Deck präsentierte das Testboot den optionalen, hochglänzenden Alpi-Innenausbau, bei dem große Stufen und mit Leder bezogene Handläufe den Einstieg ins Salon erleichtern. Die J-förmige Pantry an Backbord verfügt über zwei Edelstahlspülen und reichlich Arbeitsfläche; ein Gasherd ist serienmäßig, während eine voll elektrische Pantry mit einem Force 10 Elektroherd, einem Sharp Mikrowellenherd und einer Electrolux Geschirrspülmaschine erhältlich ist. Eine große Achterkabine hinter der Pantry verfügt über eine eigene Nasszelle mit Dusche, und die Steuerbord-Achterkabine bietet eine „Scheren“-Koje, die sich zwischen einer Doppelkoje und zwei Einzelkojen umbauen lässt, sowie einen kombinierten Schreibtisch und Schminktisch. Steuerbord neben dem Niedergang befindet sich ein 4 Fuß 6 Zoll großer Kartentisch, vor dem sich die Bänke der Dinette und der Inselplatz vervielfachen, wodurch sich die Sitzplätze erhöhen lassen; der Tisch selbst ist durch einen an einer Kette befestigten Zugmechanismus drehbar. Gegenüber schließt sich ein optisch weicher, aber bequemer Salonsofa an, das mit einem elektrischen, ausziehbaren Weinkühlschrank kombiniert werden kann. Im Vorschiff platziert die Eignerkabine die Nasszelle mit Dusche an Steuerbord und einen Schreibtisch/Schminktisch an Backbord um eine 5 Fuß 9 Zoll große Inselbett-Koje mit gepolsterten Kopfteilen und einer gut dimensionierten Garderobe inklusive Schuhschrank. Alle drei Nasszellen verfügen über separate Duschbereiche, und eine optionale Crewkabine im Vorschiff ist über eine Luke im Vordeck zu erreichen.
Plicht und Decks-Ausrüstung
Die ebene, verlängerte Plicht vermittelt ein großzügiges Gefühl, mit L-förmigen Steuersitzen und jeweils einem Stufe vor den Steuerrädern auf die Seitendecks; unter diesen Stufen befinden sich große Taukisten für Fallen und Reffleinen. Ein Paar Edelstahlräder ist über ein Goiot-System mit dem Ruder verbunden, Instrumententafeln darüber beherbergen einen standardmäßigen B&G Zeus 7-Zoll-Kartenplotter mit Wind-, Geschwindigkeits- und Tiefenmessung, und die rechteckige Instrumententafel sowie die Konsole am Steuerstand tragen die Kontrollen für Motor und Bugstrahlruder. Eine ordentliche elektrische Aluminium-Jalousie ersetzt die Spiegel am Niedergang, und eine Kombination aus Ankerrolle/Bugspriet hält den Ankerhaken frei von dem Vorsteven. Ein Teakdeck in der Plicht ist serienmäßig, Teak an Deck und im Kajütaufbau sind optional.
Motorleistung und Segeleigenschaften unter Motor
Der 140 PS starke Volkswagen-Diesel mit Wellenantrieb und einem dreiflügeligen Max Prop trieb das Testboot im flachen Hafenrevier bei 1.500 U/min auf 6,4 Knoten und bei 2.000 U/min auf 7,8 Knoten. Unter den modellierten Motordaten ist auch ein Volvo Penta D3 mit 150 PS aufgeführt, was die typische Diesel-Ausstattung der Modellreihe widerspiegelt. In jedem Fall sind der Direktantrieb und die beträchtliche Leistung für eine Yacht dieser Verdrängung beim Anlegen und Motoren bei Flaute ideal. (1)
Das Fazit
Die Oceanis 60 ist eine durch und durch moderne Flaggschiff-Fahrtenyacht: Eine Weiterentwicklung der 58, die einen massiv gelaminierten Rumpf und ein Deck mit Balsaholzkern um eine bemerkenswert offene Aufteilung mit drei Kabinen mit separaten Duschen, einer optionalen voll elektrischen Pantry sowie einer cleveren Konstruktion für Niedergang und Beibootgarage schließt. Ihr Innenliegerigg und die zentralen elektrischen Winschen machen sie leicht zu handhaben, und die erzielten Leistungen bei leichtem Wind und unter Motor rechtfertigen das Label „Flaggschiff“.
Vorteile
- Solider Polyester-Rumpf mit laminiertem internen Hilfsrahmen für hohe Steifigkeit
- Buchtende Garage mit elektrisch klappbarem Heckspiegel und Badeplattform
- Innenschäne als Püttinge und Großschot am Cockpitbügel für einfaches Segeln mit kleiner Crew
- Drei Kabinen mit jeweils eigener Nasszelle mit separater Dusche; flexible Scherenkoje
- Gute Geschwindigkeit bei leichtem Wind und mittleren Windwinkeln unter dem 7/8-Rigg
Nachteile
- Der tiefe oder flache Gusseisen-Bulbkiel schränkt das Segeln in flachen Gewässern im Vergleich zu Schwertboot-Rivalen ein
- Die vollelektrische Pantry und der hochglänzende Innenraum sind Optionen, keine Standardausstattung
- Das Cockpitbügel und die Abhängigkeit vom Sprayhood beeinflussen die Ergonomie beim Vortrieb





