Design und Konstruktion
Die 420 ist überwiegend aus massivem GFK gebaut, mit einem geneigten Vorsteven und einem offenen, negativen Spiegel, der eine Badeplattform und eine klappbare Leiter als Anker beherbergt – ein Layout, das auf den gemütlichen Segelsport im Warmen ausgerichtet ist, ohne das Format einer Mittelcockpityacht aufzugeben. Der Rumpf ist ein Einrumpfboot mit durchgehender GFK-Konstruktion, Flossenkiel und dem bereits erwähnten intern montierten Spatenruder. Was den Decksplan auszeichnet, ist der Travellerschiene-Bügel für die Großschot aus Edelstahl, der die Last der Großschot vom Kajütdach nimmt und den breiten Arbeitsbereich des Mittelcockpits frei hält. Das Boot wurde von Anfang an als Freizeit-Fahrtenyacht konzipiert, und die strukturellen Entscheidungen – massives Glasfaser unter Deck, die großzügige Breite, der offene Spiegel – lassen sich als bewusste Abkehr von reiner Performance zugunsten von Wohnkomfort an Bord und Zugang zum Beiboot lesen. (1)
Rigg und Segelhandling
Die entscheidende Rigg-Konfiguration ist die fraktionierte B&R-Slup, eine Variante des Bermudadrucks, die Hunter übernahm, um die Mast-und-Kajüte-Struktur zu vereinfachen und die Segelkontrollgeometrie nach achtern zu verlagern. Zur Werftausstattung gehörten standardmäßig eine 110 % Rollgenua und vier zweistufige selbstholende Winschen, kombiniert mit eloxierten Spargen und dem oben erwähnten Travellerschuh. Für Käufer, die von Anfang an mehr Vielseitigkeit wünschten, bot die Werft als Optionen für das innere Vorstag für ein Kutter-Rigg und einen Spinnaker an. Der fraktionierte B&R-Slup-Plan mit seinen zurückgepfeilten Salingen und fehlenden Achterstag setzt stark auf den Travellerschuh und die Sicherheit der Riggterminals, da die Stabilität des Riggs weniger von einer herkömmlichen Backstagen-Anordnung abhängt als vielmehr von dieser hinteren Struktur. (1)
Unterbringung
Unter Deck bietet das Mittelcockpit-Layout separate Vorschiff- und Achterkabinen sowie einen Salontisch, der sich zur zusätzlichen Schlafplattform umbauen lässt. Die versiegelte Teak-und-Esche-Bodenbretter ist ab Werft serienmäßig, ebenso eine vollständig geschlossene Nasszelle mit Dusche. Die Pantry ist für ausgedehnte Törns ausgestattet: ein kardanisch aufgehängter dreiflammiger LPG-Herd mit Backofen und Dunstabzugshaube, zwei Spülen, eine Mikrowelle und eine komplette Satzung an Geschirr inklusive maßgeschneiderter Stauräume. Zur Serienausstattung gehörten zudem eine heiße und kalte Dusche am Heck sowie ein UKW-Funkgerät, ein Knotenmeter, ein Echolot und ein AM/FM-Radio mit CD-Player und sechs Lautsprechern im Innenraum. Das Wohnkonzept liest sich eher wie das einer bereit zum Segeln geeigneten Fahrtenyacht für Küste und Hochsee als wie das eines puristischen Regatta-/Fahrtenbootes.
Werft-Optionen und Ausstattungsebenen
Neben den Standardausstattungen führte Hunter Klimaanlage, ein Bimini, das kutterartige innere Vorstag, einen Spinnaker, eine elektrische Ankerwinde sowie Waschmaschine und Trockner als Werft-Optionen auf. Doppelte Ankerrollen waren serienmäßig, ebenso wie ein integriertes Solarpaneel – ungewöhnlich für die damalige Zeit und ein wertvoller Vorsprung bei der Autarkie im Bereich Verbrauchsmaterialien. Die Optionenliste zeigt, dass die 420 an Paare und Familien vermarktet wurde, die sich auch auf See mit den Komfortannehmlichkeiten des Landstroms an Bord begnügten: Klimatisierung, eine geschlossene Wäscherei und Ledersitze waren direkt ab Werft erhältlich.
Das Fazit
Die Hunter 420 ist eine konsequent auf ihr Ziel ausgelegte Mittelcockpit-Fahrtenyacht, die etwas Rigg-Konventionellheit gegen Wohnkomfort und einfache Handhabung eintauscht. Die B&R-Slup mit 7/8-Rigg, der Travellerschuh und die Rollfock machen das Segeln mit kleiner Crew realistisch, während der offene Spiegel und die privaten Doppelkabinen an beiden Enden für ausgedehnte Törns geeignet sind. Die integrierten Solarpaneele und die umfangreiche Ausstattungsliste ab Werft bedeuten, dass viele Boote fast bereit zum Segeln sind. Der Kompromiss liegt in einem Rigg, das stark von seinem Heckbügel und den Terminals abhängt, sowie in einer komfortorientierten Ausstattung, die nicht diejenigen ansprechen wird, die eine minimalistische Blauwasser-Yacht suchen.
Vorteile
- Mittelcockpit-Layout mit separaten Vorschiff- und Achterkabine sowie einer umbaubaren Sofakoje im Salon
- 7/8-Slup mit B&R-Antrieb, Edelstahl-Genua-Träger und serienmäßiger Rollgenua 110 % für einfaches Handling mit kleiner Crew
- Offener Heckspiegel mit Badeplattform und klappbarer Leiter für Beiboot und Zugang zum Wasser
- Ab Werft integriertes Solarpaneel, versiegelte Teak-und-Esche-Bodenbretter und eine voll ausgestattete Pantry mit kardanisch aufgehängtem dreiflammigem Herd und Mikrowelle
Nachteile
- Die Einfachheit des B&R-Slup-Riggs belastet strukturell den Travellerschuh im Achterschiff und die Wantendurchführungen stärker als ein herkömmliches Achterstag
- Komfortorientierte Werftoptionen (Klimaanlage, Waschmaschine/Trockner, Ledersitze) spiegeln eine eher auf Fahrten ausgerichtete Auslegung wider, die sich weniger für minimalistische Langstreckentörns eignet




