Design und Konstruktion
Der Rumpf der 590 ist eine voluminöse Form aus einem Sandwichkern mit Balsaholz und einer Vinyl-Ester-Oberfläche, während das Hauptschott vakuuminfundiert ist – ein Konstruktionsweg, der das Gewicht niedrig hält, ohne die Steifigkeit zu opfern, die eine 22,9 Tonnen schwere Yacht vor Anker benötigt. Der Ballast besteht aus 5,9 Tonnen Eisen, was 26 Prozent der Gesamtverdrängung ausmacht, und wird auf einem 2,53 Meter langen Bulbkiel mit einer flacheren Alternative von 2,18 Metern getragen. Das Decks-Layout wird von der Werft als revolutionär beschrieben, da es Komfort und Leistung perfekt verbindet. Die Plicht ist sowohl die größte ihrer Klasse als auch so geformt, dass sie sich einhand leicht bedienen lässt. Hanse hat zudem großen Wert auf Schallschutz gelegt: Eine optionale Isoliermatte im technischen Tunnel achtern dämpft den Generatorraum, und die Crewkabine im Vorschiff ist akustisch von der Eignersuite isoliert. (1)
Rigg und Handhabung
Berret-Racoupeau stattete die 590 mit einem 7/8-Slup-Rigg mit Mastfurlung und einem einfachen, lattlosen Rollgroßsegel von 81 Quadratmetern aus, kombiniert mit einer 100-prozentigen Genua von 60 Quadratmetern. Alle Fallen, das Unterliekstrecker und die Schoten laufen zu zwei Pedestalen ganz achtern. Die Großschot und die Fockschot befinden sich auf zentralen Winschen neben dem Steuerstand, während die Fallwinschen am Heck des Sülls angebracht sind; die Winschen lassen sich von der Steuerposition per Knopfdruck bedienen. Testsegler stellten fest, dass das zentrale Spatenruder sehr direkt steuert und ein feines Feedback gibt; das System benötigt 1,75 Umdrehungen vom Anker bis zum Anker. Bei leichter Trimmänderung lief sie im Test knapp über fünf Knoten am Wind und erreichte unter Gennaker bei fünf bis sieben Knoten Wind 5,3 Knoten – respektabel, da das Rollgroßsegel zehn Quadratmeter weniger Fläche hat als ein klassisches Rigg. Ein 150 PS Yanmar treibt sie mit einer Fahrtengeschwindigkeit von knapp über neun Knoten an. (1)
Unterbringung
Unter Deck ist der niedrige Innenraum um eine zentrale Pantry-Insel herum organisiert, auf die sich Isabelle Racoupeau konzentriert hat, um den Durchgangsverkehr zu erleichtern. Sie trennt die L-förmige Pantry an Backbord vom Salon und beherbergt einen per Knopfdruck hebbaren Fernsehanker. Der Salon selbst ist mit Fenstern in voller Höhe und natürlichem Licht gefüllt, wobei ein optionales Sofa anstelle der Navigationsecke Platz findet. Die Aufteilungen reichen von drei bis fünf Kabinen; die Eignerkoje kann achtern oder vorn liegen oder gegen zwei Doppelkojen ausgetauscht werden, und eine Technik- oder Wäschekabine steht zur Verfügung. Die Achterkabinen wirken riesig, gerade weil die Beibootgarage nicht mehr so stört wie beim Vorgängermodell. Im Vorschiff stehen Optionen wie eine Skipperkabine mit eigenem Lukenzugang oder eine Eignerkabine mit einer Mittelkoje und einer Nasszelle über die gesamte Breite des Rumpfes. Am Heck liegt ein 3,10 Meter langes Beiboot auf einer elektrischen Winsch, und die Plicht bietet eine Sofagruppe um zwei Tische sowie nach vorn gerichtete Sitze neben den Steuerrädern. (2)
Deck und Ausrüstung
An Deck überdeckt das optionale, das Cockpit überspannende Hardtop mit einer Fläche von 18 Quadratmetern – fast doppelt so viel wie das T-Top des Vorgängers – einen GFK-Bügel im Vorschiff und Edelstahlstützen im Heck. Ein öffnbares Textilpaneel im Heck bietet Sicht auf das Rigg und Platz für Solarpaneele vor Anker. Vollständige Push-Button-Kontrollen reichen bis zur hydraulischen Badeplattform und dem einziehbaren Niedergang, zum absenkbaren Cockpit und den Salontischen sowie zu den elektrischen Schiebeluken des Niedergangs. Drei wassergekühlte Klimaanlagen verfügen jeweils über ihre eigene Kondenswasserpumpe. Zudem sorgen Bug- und Heckschrauber mit variabler, verriegelbarer Leistung dafür, dass man sich auch in engen Häfen auf einem Boot dieser Größe sicher bewegen kann. (1)
Besitzer-Hinweise
Hanse gibt für dieses Modell eine jährliche Baukapazität von 20 bis 25 Rümpfen an. Das Showboot hat gezeigt, dass die Auswahl fast aller Optionen den Basispreis um mehr als das Doppelte erhöht. Die Individualisierung reicht von einer extra großen Pantry über eine zusätzliche Gästekabine bis hin zu einem privaten Ankleidezimmer. Daher sind zwei Eignerboote aufgrund der verbauten Systeme und des Layouts höchstwahrscheinlich nicht identisch. (2)
Das Fazit
Die Hanse 590 ist ein echtes Flaggschiff der neuen Generation: ein voluminöser, hervorragend isolierter Rumpf, umgeben von einem flexiblen Innenraum mit drei bis fünf Kabinen und einem Knopfdruck-Deck, das den Eignerbetrieb einer 58-Fuß-Yacht absolut machbar macht. Sie tauscht absolute Segelfläche gegen einfache Rollbarkeit ein und setzt auf Strahlruder sowie elektrische Systeme, um ihr Gewicht auszugleichen. Das Ergebnis ist eine edle, geräumige Plattform für Küste und Offshore mit CE-Kategorie A-Zertifizierung.
Vorteile
- Voluminöser Sandwich-Rumpf mit Balsakern, vakuuminfundierten Schotten und hervorragender akustischer Isolierung
- Die größte Plicht der Klasse mit optionaler 18 m² Hardtop und vollständiger Einhand-Segelbedienung
- Drei- bis fünf-Kabinen-Layouts inklusive Eignerkabine im Vorschiff oder Achterschiff sowie unaufdringlicher Beibootgarage
- Hydraulische Plattform, Gangway, Tische und Schiebetüren per Knopfdruck erleichtern das Handling an der Grenze des Einhand-Bereichs
Nachteile
- Das einfache Rollgroßsegel geht im Vergleich zu einem Festrigg an Segelfläche ein, was die Leistung bei leichtem Wind einschränkt
- Die fast vollständige Optionenliste erhöht den Basispreis um über 50 %; die Komplexität bedeutet mehr Systeme, die gewartet werden müssen
- Mit 22,9 t und 17,6 m liegt das Boot genau an der praktischen Grenze für einen privaten Eigner ohne Crew




