Design und Konstruktion
Das markanteste strukturelle Merkmal der Oceanis 45 ist ein ausgeprägter Knickspant – eine feine, schräge Kante fast auf halber Höhe des Freibords, die sich über die gesamte Länge des Rumpfes erstreckt. Dieser Knickspant sorgt für mehr Stabilität und vergrößert den Innenraum; theoretisch hilft er auch bei mehr Wind zur Stabilität. Der GFK-Rumpf mit massivem Kern ist in Polyester eingegossen und umschließt ein internes Gitter, das mit dem Hauptträger laminiert und angeschweißt ist. Dieses Gitter bildet die Basis für den angehängten Kiel, den Mastfuß, die Püttinge und den Motor. Eine monolithische innere Bodengruppe verstärkt den Rumpf, während das Deck resinfrei und mit einem Balsaholzkern gefertigt ist. Die Rumpf-Deck-Verbindung ist verklebt und verschraubt, und der gusseiserne Ballastkiel ist mit Edelstahl-Bolzen und Gegenplatten befestigt. Das einzelne Spatenruder dreht sich an einer GFK-Ruderpinne. (2)
Rigg und Handhabung
Ihr 9/10-Rigg trägt einen Aluminiummast mit Doppel-Salingen und einer unregelmäßigen, aus Edelstahl gefertigten stehenden Takelage. Ein zentraler Großsegelbügel neigt sich über dem Niedergang nach achtern und bildet die Basis für die Großschot, wodurch ein Traveller überflüssig wird; der starre Baumniederholer erfüllt nun diesen Zweck und sorgt gleichzeitig für gute Schotwinkel bis zum Ende des Baums. Durch das Verlegen der Sparglieder weiter nach achtern ergibt sich ein besser ausgewogenes Rigg mit leicht zu bedienenden 108-prozentigen Overlapping-Vorsegeln. Alle Arbeitsleinen laufen nach achtern, wobei die Fockschoten zu selbstholenden Winschen auf den Cockpitseitenführungen und andere Leinen zu einem Paar Winschen auf dem Kajütdach führen. Probefahrer fanden das Handling im Bereich der Chesapeake Bay bei konstanten Winden um die 15 Knoten hervorragend. Bei Böen um die 20 Knoten lief sie hoch am Wind fast 8 Knoten mit Großsegel und Fock, die auf etwa 90 Prozent Rollbereich eingestellt waren, und erreichte unter Vollzeug auf einem raumen Kurs 9,3 Knoten. Unter Motor lief der 54 PS starke Yanmar-Diesel mit Saildrive rückwärts und in engen Häfen mit einem herkömmlichen Bugstrahlruder hervorragend kursstabil.
Unterbringung
Unter Deck verbindet der 45-Grad-Niedergang – komfortabel und sanft geneigt – die geräumige Plicht mit einem hellen Innenraum, der maximalen Stauraum bietet und in hellem Eichen- oder Mahagoni-Furnier ausgeführt ist. Es gibt vier Layouts: zwei moderate Pläne und zwei Charterkonfigurationen. Eigner können in den moderaten Versionen zwischen einer Doppel- oder Dreikabine wählen, jeweils mit zwei Nasszellen; die Charterausgaben sind entweder als Boot mit vier Kabinen und zwei Nasszellen oder als Version mit drei Kabinen und drei Nasszellen aufgeteilt. Der Zwei-Kabinen-Plan ersetzt die Backbord-Achterkabine durch eine geräumige Pantry und einen riesigen Stauraum achtern der Pantry, der vom Cockpit aus zugänglich ist. Die Vorschiffskabine beansprucht ein Drittel des Innenraums mit einer Doppelkoje auf einer Insel und eigener Nasszelle. Die Achterkabinen verfügen über vollwertige Doppelkojen, die nicht durch Motorraum eingeschränkt werden. Der Salon nutzt einen verschiebbaren Navigationstisch entlang eines Backbordsitzes, ergänzt durch eine umlaufende Sitzecke an Steuerbord. Da kein Traveller vorhanden war, konnten die Niedergangsstufen im 45-Grad-Winkel statt einer Leiter realisiert werden. Zu beachten ist, dass die getesteten Layouts keinen echten Navigationstisch unter Deck hatten.
Cockpit und Decksausrüstung
Die riesige Plicht ist durch einen großen festen Tisch mit klappbaren Flügeln und zwei isolierte Kabinen geteilt, ergänzt durch eine optionale Kühlbox mit Eisbox und ein Multifunktions-Navigationsdisplay am Heckende. Zwei Steuerstände mit langen Sitzbänken hinter den Steuerrädern bieten zusätzlichen Sitzkomfort für das Crew-Mitglied im Rigg. Der elektrisch gesteuerte, über die gesamte Breite des Bootes gefaltete Spiegel bildet eine teakholzfarbene Badeplattform, die fast bündig mit dem Wasser abschließt, inklusive einer abnehmbaren Edelstahl-Badeleiter. Ein B&G-Elektronikpaket, Decksluken auf Decksniveau und ein Touchscreen mit Außenbeleuchtung runden die Ausstattung ab.
Bekannte Schwachstellen
Beim Segeln hoch am Wind verlor das Einzelruder bei einer moderaten Böe während der Tests die Wirkung, und das sehr breite Heck veranlasste den Tester zu der Vermutung, dass Doppelruder helfen würden. Bei stärkerem Wind ist frühzeitiges Reffen erforderlich, um das Ruder effektiv zu halten. Der Dock & Go drehbare Saildrive und Joystick sind ein optionales System, das einen Bugstrahlruder für das Anlegen kombiniert. (1)
Das Fazit
Die Oceanis 45 ist eine durchdacht konstruierte Fahrtenyacht, deren Knickspant-Rumpf, das am Geräteträger geführte Großschot und die flexible Innenraumaufteilung sowohl den Familien- als auch den Charterbetrieb mit hervorragenden Leistungen im gesamten Windbereich abdecken.
Vorteile
- Knickspant verbessert die Stabilität und das Innenraumvolumen
- Vier verschiedene Innenraumaufteilungen von zwei bis vier Kabinen
- Elektrisch betriebener Badeplattform-Heckspiegel über die gesamte Bootsbreite
- Ausgeglichenes 7/8-Rigg, leicht vom Steuerstand aus zu bedienen
- Preisträchtiger Familien-Fahrtenyacht-Entwurf aus dem Jahr 2012
Nachteile
- Das einzelne Spatenruder kann hoch am Wind bei Böen an Leistung verlieren
- Keine echte Navigationsecke unter Deck in den getesteten Layouts
- Der breite Heckspiegel deutet auf die Notwendigkeit von Doppelrudern hin





