Design und Konstruktion
Die Rumpfform der 4.3 ist ein Musterbeispiel für widersprüchliche Geometrie. Der Konstrukteur ließ die Rümpfe knapp über der Wasserlinie zu ausgeprägten Knickspanten ausbauen, sodass die Unterwassersektionen schmal und effizient bleiben, was die Leistung sichert, während das Überwasserschiff aufgebläht wird, um enormes Wohnvolumen zu schaffen. Es gibt hier keine Steckschwerter; das Boot nutzt traditionelle Feste Kiele – ein bewusster Kompromiss zwischen Leistung, Kosten, Robustheit und dem Schutz von Ruder und Propeller. In diesen Stummelkielen sind zudem die Fäkalientanks untergebracht, eine interessante Lösung für Gewässer mit restriktiven Entleerungsregeln. (2)
In der Konstruktion wich die Werft von früheren Praktiken von Catana ab. Carbon wird nicht in jedem Bereich verwendet, und es gibt keine tragenden Steckschwerter als Anker. Die Rümpfe und die Aufbauten werden im Vakuuminfusionsverfahren hergestellt, um ein leichtes, aber steifes Laminat zu erhalten. Oberhalb der Wasserlinie befindet sich ein Balsakern, unterhalb ein Sandwich aus PVC-Schaum und Polyesterharz, das mit einem speziellen osmosehemmenden Gelcoat versehen ist. Die Decksstruktur besteht aus Sperrholz und monolithischem Harz, die Schotten sind aus verklebtem oder laminiertem Sperrholz gefertigt, und der Rumpf ist in drei Teilen – Boden, Innenhalbrahmen und Nase – geformt, die für mehr Steifigkeit miteinander verbunden sind. Ein festes Vordeck ersetzt das Trampolin, und Nase sowie Cockpit verschmelzen zu einem einzigen riesigen Raum. (1)
Rigg und Handhabung
Das Rigg ist schlank und weiter achtern positioniert als üblich, was trotz des Einsatzes einer selbstwendenden Solent-Fock eine gute Segelfläche ermöglicht. Der Mast ist auf der 40-Prozent-Marke gesteppt, was Platz für diese große Solent-Fock schafft. Da ein Flybridge jedoch einen hohen Baum und ein kleines Großsegel erforderte, wird die Fock unter Segeln zu einer wichtigen Leistungsträgerin. Vom erhöhten Steuerstand aus, der einen klaren Blick über das Wasser bietet, wird die gesamte Segelbedienung vom Steuerstand aus vorgenommen. (1)
Unter Segeln fanden Testsegler den 4.3 agiler als die meisten Katamarane dieser Größe, mit einem Wendekreis von unter einer Bootslänge und ungewöhnlich guter Ruderkontrolle im Rückwärtsgang vor dem Anker. Das Motoren aus Annapolis bei über 8 Knoten Wind mit 2.500 U/min lieferte eine Geräuschpegel im Salon von 75 dBA. Bei leichtem Wind – echter Wind von 6 bis 7 Knoten – lieferten Großsegel und asymmetrisches Reacher nur knapp über 5 Knoten. Der Rezensent bewertete das Boot eher als Küstenkreuzer denn als hochseetauglichen Ankerkreuzer. (2)
Unterbringung
Unter Deck und an Deck wirkt das Boot wie ein einziger, durchgehender Wohnraum. Die kombinierte Salonsitz- und Cockpitzone bietet eine erstaunliche Raumhöhe, und der hintere Teil des Kajütaufbaus lässt sich nach oben klappen und unter dem Dach selbst platzsparend verstauen. Ein herausnehmbares Schott an der Achterseite des Salons hebt sich elektrisch in den Decksaufbau, um den Raum vor Anker weiter zu öffnen. Das Vorschiff des Salons ist komplett verglast, mit einem großen zentralen Fenster, das über pneumatische Hebevorrichtungen hoch- und runtergezogen werden kann, was die Kommunikation mit der vorderen Plicht erleichtert und für hervorragende Belüftung vor Anker sorgt. (1)
Die Pantry befindet sich am vorderen Ende des Salons und profitiert von dem offenen vorderen Panel; ein Tester bemerkte eine ungewöhnliche Aufteilung mit Kochfeld und Spüle im Vorschiff sowie einem für Haushalte geeigneten Kühlschrank und Mikrowelle an Steuerbord und achtern. Ein L-förmiger Kartentisch blickt nach vorn. Die Drei-Kabinen-Version bringt Eigner in eine Kabine über dem Backbord-Rumpf, die einem Rezensenten an eine kompakte Stadtwohnung erinnerte, während auch eine vier Kabinen umfassende Charterversion angeboten wurde. Eine in den Kajütaufbau eingelassene Nut dient als sicheres Handlauf entlang der Seitendecks, und Loungematten nehmen das Vorschiffsluv ein. (1)
Bekannte Schwachstellen
Das Testboot zeigte ein unpräzises und etwas sprödes Rudergefühl, das am Wind zunahm. Unter Last rutschte die Pinne so aus, dass der Tester den Kurs nicht mehr stabil halten konnte. Die Solent-Fock benötigte eine Spritze auf ihrer Vorliekseite, um richtig zu trimmen, was die Höhe am Wind einschränkte. Zudem waren die Winschen der Fockschoten falsch montiert und schwer bedienbar. Dies wurden als Mängel des jeweiligen Testbootes berichtet und nicht als Schwachstelle der gesamten Flotte. (2)
Refits und Eignerschaft
Der mechanische Zugang ist ein echter Vorteil. Zwei Kubota-Dieselmotoren sind an ihren vorderen Enden mit Saildrives gekoppelt, was einen hervorragenden Wartungszugang für die Motoren ermöglicht. Das Testboot trug zudem eine Generatoreinheit auf einem Gestell im Steuerbordrumpf sowie einen großen Wassermacher, der an derselben Stelle im Backbordrumpf vor Anker gehen sollte. Eine klappbare Achterplattform lässt das Beiboot ordentlich verstauen und öffnet sich vor Anker zu einer völlig freien Fläche zum Seegang. (2)
Das Fazit
Der Bali 4.3 ist als volumenoptimierter Fahrtenkreuzer mit cleverer struktureller Integration und hervorragendem Motorzugang ein Erfolg. Doch das Rudergefühl und bestimmte Details des Riggs bei frühen Testexemplaren erfordern einen genauen Blick. Das Boot tauscht seine Langstreckentauglichkeit gegen Wohnraum und unkomplizierte Systeme ein.
Vorteile
- Schmale, effiziente Rumpfsektionen unter gerundeten Knickspanten bewahren die Leistung bei enormem Innenraumvolumen
- Vakuuminfundiertes Laminat mit dreiteiligem Formrumpf für hohe Steifigkeit
- Hervorragender Wartungszugang zum Motor durch die vordere Positionierung des Saildrives
- Selbstwendende Solent-Rigg und erhöhter Steuerstand machen das Segeln mit kleiner Crew praktisch
- Klappbare Achterplattform und fester Vordeckskomfort erweitern den Wohnraum vor Anker
Nachteile
- Das Rudergefühl war auf dem Testboot unter Last spröde und spürbar unruhig
- Kleines Großsegel und hoher Baum begrenzen die Balance des Segelplans
- Die Solent-Fock benötigte ein Wurfleinen für das Wendemanöver, und die Winschen waren beim Testexemplar falsch installiert
- Der Rezensent klassifizierte das Boot als Küstenkreuzer, nicht als Langfahrtsegler



