Design und Konstruktion
Soto Acebal übernahm die Aufsicht bei den Wasserlinien, Rumpflinien und dem Segelplan und entwarf eine moderne Rumpfgeometrie mit einer durch einen kleinen Knick im Vorschiff getragenen Auftriebskraft, die sich bis zu den Überwasserschäften hinabschleift, sowie einem extrem runden Heck, das Platz für zwei am Spiegel befestigte Ruderblätter bietet. Deck und Rumpf werden aus weiblichen Formen gegossen; die Werft baut das Sandwich aus geschlossenzelligem PVC, wobei die Innenschicht resinfestiert und die Struktur mit Vinylesterharz auf Epoxidbasis sowie einseitig angeordneten Längsträgern laminiert wird. Die Schaumdichte im Bugbereich des Rumpfbodens erreicht eine Dicke von 35 mm und liegt bei 130 kg pro Kubikmeter, um den Anprall von Wellen abzufangen. Solaris verklebt Möbel, Schotten und Püttinge strukturell ein, und der Bau hält die Holzarbeiten im Rahmen der maritimen Tradition. (1)
Rigg und Handhabung
Der Aluminiummast und der Aluminiumbaum tragen 250 m² Segelfläche auf einem 100%-Vorliek-Dreieck mit einem 138 m² Großsegel und einer 102 m² 90%-Genua. Das stehende Gut besteht aus Rod-Rigging. Die Großschot führt zu einem zentralen Punkt, der über eine elektrische Steuersäule bedient wird. Das Deck präsentiert sich als klare Bugpartie, die nur durch den Selbstwendefock-Schiene unterbrochen wird. Zwei unabhängige Steueranlagen bieten Redundanz; ihre Achsen sind über eine Verbindungsstange gekoppelt, sodass entweder eine Radsteuerung beide Ruder antreibt. Eine große Plicht erstreckt sich über die gesamte Breite mit einer außen liegenden Einstiegsluke an Steuerbord, wodurch der Tisch in der Backskiste frei bleibt; dieser Tisch lässt sich nach achtern klappen, um eine Sonnenliege zu bilden. Der Motorraum befindet sich unter dem Salonboden, ist über einen versiegelten, mit Neopren ausgekleideten Deckel zugänglich und mit einer 45-mm-Akustikbarriere abgedichtet. Die Bodenbretter des Salons lassen sich für volle Zugänglichkeit zum Motorheizungssystem anheben, und die klappbaren Heckstufen bieten einen schnellen sekundären Einstieg.
Unterbringung
Das Raised-Saloon-Layout lässt sich in drei Innenraumvarianten umsetzen. Jede Variante bietet einen riesigen Esstisch mit einer Sofakombination und Tisch an Backbord, einer länglichen Gegenbank an Steuerbord sowie einen nach vorn gerichteten Kartentisch mit Stauraum. Lorenzo Argento beschränkte den Einsatz von Rot-Eichenholz und setzte mehr weiße Flächen ein, um die Formen zu mildern und Helligkeit zu schaffen. Der Salon und die Bänke sind mit flachen, abgerundeten Paneele verkleidet; einige dekorative Paneele lassen sich über Knöpfe auf der horizontalen Ebene öffnen. Freie Bereiche werden zu Schränken, und alle Ecken sind abgerundet. Der erste Entwurf platziert eine Eignerkabine im Vorschiff mit Inselbett, Schreibtisch und eigener Dusche, gefolgt von einer Doppelkabine und Nasszelle achtern, einer L-förmigen Pantry an Backbord und einer Doppelkoje an Steuerbord. Die Crewkabine mit eigener Nasszelle befindet sich vor der achteren Pantry. Der zweite Entwurf verkleinert die Eignerkabine, um zwei Doppelkojen achtern zu gewinnen, wobei die Steuerbordkoje mit Kojenbetten ausgestattet ist. Der dritte Entwurf platziert die Crewkabine vor der Eignerkabine und verlegt die Pantry unter den Mastfuß. Bei den ersten drei gebauten Rümpfen befanden sich Eignerkabine und Pantry im Vorschiff sowie die Crewkabine achtern, die über ihren eigenen Lukenaufgang erreichbar war. Eine klappbare Brücke aus der achteren Beibootgarage bildet eine Terrasse, und die Garage selbst nimmt ein 4-Meter-Beiboot auf.
Bekannte Schwachstellen
Die Dichte des Bugschwamms ist speziell für die Schlagfestigkeit gegen Wellen erhöht, eine bewusste Konstruktion der Rumpfbodenverkleidung. Die Motorluke verfügt über Neopren-Dichtungen und eine 45-mm-Barriere, deren vollständige Beschreibung im Quellenmaterial abgeschnitten ist, sodass die genauen Verschlussdetails nicht belegt werden können.
Das Fazit
Die Solaris 74 RS ist eine durch und durch moderne Hochsee-Fahrtenyacht, die den Leistungsträger von Soto Acebal mit dem ruhigen, hellen Innenraum von Argento und einer wirklich cleveren Raumaufteilung verbindet. Doppelruder, ein aufgeräumtes Vordeck und eine zentrale Großschot machen sie zu einer ernsthaften Langstrecken-Einheit, während die Semi-Custom-Layouts es dem Eigner ermöglichen, zwischen Gästezahl und Eignerpersönlichkeit abzuwägen, ohne auf den gemeinsamen Salon oder den Zugang zur Technik zu verzichten.
Vorteile
- RINA Class A Oceanic-Zertifizierung mit einer Verdrängung von 40,6 t und 10,5 t Ballast für Hochseetauglichkeit
- Zwei unabhängige Steueranlagen, die für höhere Ausfallsicherheit gekoppelt sind
- Drei Semi-Custom-Layouts mit Crewkabine und vollem Zugang zum Maschinenraum über den Bodenbretter-Salon
- Große Beibootgarage im Heck mit Brücke zur Terrasse und Platz für ein 4-Meter-Beiboot
Nachteile
- Die Konstruktionsdokumentation zu einigen Details ist unvollständig, sodass genaue Maße für die Rumpfform nicht angegeben sind
- Der optionale geringe Tiefgang von 2,90 m opfert das Ballastprofil des Standard-Flossenkiels mit 3,50 m


