Design und Konstruktion
Die 575 trägt die Breite weit nach achtern, um eine große Plicht und geräumige Kabinen im Achterschiff zu ermöglichen. Sie verfügt über einen moderaten Hecküberhang und einen schön geneigten Vorsteven. Unter der Wasserlinie ist sie mit einem Skeg-aufgehängten Ruder ausgestattet, das ein Rezensent als sehr lang und schmal beschrieb, mit einer verlängerten Buchtung am Skeg-Wurzelteil. Der Standardkiel ist Oysters High Performance Bulb mit 2,71 Metern Tiefgang (8 Fuß 9 Zoll), während eine Flachkiel-Option diesen auf 2,03 Meter (6 Fuß 8 Zoll) reduziert. Das Modell wurde auch mit einem flacheren Festkiel von 2,06 Metern sowie mit einem Schwert-und-Zwillingsruder-Setup angeboten, das den Tiefgang von 3,82 Metern auf 1,65 Meter verringert. Die Kompositbauweise aus Carbon- und Kevlar-Laminaten, die mit der Oyster 655 und 54 geteilt wird, sorgt für ein relativ geringes Gewicht für ein reines Fahrtenboot – ein Verdrängungs-Längen-Verhältnis (D/L) von 202 nach Messungen eines Testers, wobei auch ein flaches Wert von 190 genannt wird – und trägt zu einem agilen, leichten Seeverhalten bei. Ein erhöhter Salon-Kajütaufbau bringt reichlich Licht unter Deck, und Konstruktionsfortschritte haben das Volumen erhöht, ohne dass eine tiefe V-Bucht für das Seegangverhalten aufgegeben werden musste. (2)
Rigg und Handhabung
Das Standard-Rigg ist ein Großsegel mit Volllatten, wobei das Mastfurlung-System als Option angeboten wird. Zudem sind Doppel- oder nicht überlappende Vorsegelpläne erhältlich. Der Traveller der Großschot liegt an Deck direkt achtern der beiden Steuerstände. Unter Segeln verhielt sie sich in der Welle gutmütig; bei einer Stärke von 3 Beaufort zeigte sie das agile Tempo der 54. Mit einer 135-prozentigen Genua konnte sie hoch am Wind bei fast 50 Grad knapp sieben Knoten laufen, wobei das Stagsegel bei zunehmendem Wind eine weitere Geschwindigkeitsstufe bot. Auf raumen Kursen läuft sie problemlos im Neun-Knoten-Bereich. Ein Rezensent schrieb in der Yachting World, dass die Ruderpinne aufgrund der langen Steuerungsverbindung und der doppelten Autopilot-Hämmer nicht besonders feinfühlig sei, obwohl bei Windstärken im mittleren Bereich eine beruhigende Leichtwindluvgierigkeit einsetzte. Da alle Antriebskomponenten leicht zugänglich sind, lässt sie sich auch von einem Paar problemlos handhaben.
Unterbringung
Das Mittelcockpit-Layout bietet luxuriöse Achterkabinen, einen großen Durchgang oder eine U-förmige Pantry und einen weitläufigen Salon, der für Privatsphäre tief positioniert ist, aber durch die Decksscheiben des Kajütaufbaus belichtet wird. Die Eignerkabine achtern verfügt über eine außenliegende Doppelkoje mit eigener Nasszelle und Dusche sowie einen Schreibtisch an Steuerbord, der sich als Stauraum oder Sitzplatz nutzen lässt. Im Vorschiff befinden sich zwei kleinere Kabinen mit oberer und unterer Koje; die vordere Kabine teilt sich die Nasszelle mit der Kabine mit gestapelten Kojen, während die Kabine neben dem Motor dieselbe vordere Nasszelle nutzt und den Zugang zum Motor ermöglicht. Die Pantry an Backbord des Motors bietet einen breiten Durchgang, der groß genug für den Beidurchgang zweier Personen ist, aber schmal genug, um sich abstützen zu können. Die Navigationsecke neben dem Niedergang bietet reichlich Platz für Instrumente. Eine spätere Überarbeitung des Innenraums erweiterte die vordere Gästekabine mit direktem Zugang zur Nasszelle, hob den Kartentisch auf Salonspiegelhöhe, fügte eine maßgefertigte Niedergangstreppe hinzu und führte die Seascape-Fenster von Oyster, kunstvoll geformte Deckenverkleidungen, verbesserte Türen, maßgeschneiderte Luftzufuhröffnungen für die Klimaanlage und Akzentbeleuchtung im Salon ein. Weiße Eiche ist das Standardholz, obwohl auf dem Testboot On Liberty amerikanische Kirsche zu sehen war. Eine Wachkoje-Kabine achtern dient gleichzeitig als Werkstatt oder Crewbereich mit Option auf eine ausziehbare Kojie.
Bekannte Schwachstellen
Die Achterkabinen vermitteln zwar ein herrschaftliches Gefühl, leiten jedoch Lärm von Steg, Motor und Deck weiter, der einen Schlafenden wecken kann – dies wurde von Yachting World als Hauptproblem der Achterkabinen bezeichnet. Der Niedergang ist steil, die Seekoje in der Pilotenposition ist eng und das Standardformat bietet keinen eigenen Stauraum für nasse Kleidung. Die Rückenlehnen der Plichtbänke wurden von demselben Rezensenten als zu niedrig und ohne zusätzliche Polsterung empfunden. Das Doppelsofa im Salon an Steuerbord hat eine fragwürdige Nutzung und der aufklappbare Fernseher ist von dieser Seite aus nicht einsehbar.
Refits und Eignerschaft
Die überarbeitete 575 wurde mit Standardausstattung aufgerüstet, um unter anderem Formula-Spargen, einen Volvo D3-Motor und Raymarine i70-Instrumente zu bieten – Änderungen, die auf die Rückmeldungen der Eigner aus weltweiten Reisen aufbauen. Die begehbare Maschinenraum ermöglicht uneingeschränkten Zugang zum VW 150 TDI, der doppelt mit Schaumstoff und hochdichtem Gummi isoliert ist, und der Generator befindet sich unter den Niedergangsstufen. Ein zweiter Kraftstofftank im vorderen Boden erhöht die Kapazität auf 1.400 Liter, wobei der Haupttank mit drei Inspektionsluken ausgestattet ist. Die Wartungselemente des Wassermachers sind an der Navigationsecke gruppiert, und die Seewassermanifolde für Motor und Generator können so gekoppelt werden, dass ein Blockierungsproblem nicht den Motor lahmlegen muss.
Das Fazit
Die Oyster 575 ist eine durchdacht weiterentwickelte Humphreys-Konstruktion, die ein für Paare optimiertes Handling mit dem Volumen und den Verarbeitungsstandards einer luxuriösen Blauwasser-Yacht und Charterplattform verbindet. Ihre Kompositbauweise und die Rumpflinien sorgen für ein schnelles, gutmütiges Seeverhalten, während das spätere Interieur-Refresh den Salon und die Vorschiffskabinen modernisierte, ohne die bewährte Mittelcockpit-Plattform zu stören.
Vorteile
- Schnelle, leichte Bewegungen dank der Rumpflinien von Humphreys und der Carbon-Kevlar-Kompositbauweise
- Für ein Paar leicht zu handhaben mit Motorisierungssystemen und Durchgangslayout für zwei Steuerstände
- Geräumige Eignerkabine achtern und flexible Aufteilung als Crew- oder Werkstattbereich
- Begehbare Maschinenraum und gruppierte Wartungspunkte erleichtern die Eignerarbeit
Nachteile
- Lärm aus Motor, Deck und Hafen im Achterkajütaufbau
- Steiler Niedergang und kleine Wachkoje
- Kein eigener feuchter Stauraum; niedrige Rückenlehnen der Cockpitsitze







