Design und Konstruktion
Humphreys' Vorgabe für die 655 sah luxuriöse Annehmlichkeiten gepaart mit erstklassiger Leistung vor, wobei letztere nicht nur durch die Rumpfgeometrie, sondern auch durch den großzügigen Einsatz von Kohlefaser und Kevlar im gesamten Boot verfolgt wurde. Die Rumpflinien selbst – fein vorn, sauber achtern – arbeiten zusammen mit dem tiefen Kiel und dem leistungsstarken Ruderblatt, um dem Boot sowohl Kursstabilität als auch einen kraftvollen Segelplan zu verleihen. Ein praktisch flaches Decksdurchgang von achtern ins Cockpit erleichtert den Wechsel zwischen der Arbeitsdecke und dem Schutz unter Deck – ein Detail, das wichtig ist, wenn sich die Crew bewegt oder bei Seegang an Bord kommt. In der Zeitschrift Cruising World fasste Jurymitglied Roger Hellyar-Brook die komplexen Systeme mit einem einzigen Wort zusammen: „Bombproof“ – eine fachliche Einschätzung der Technik und keine Marketingaussage. (1)
Rigg und Handhabung
Die 655 ist mit einem leistungsstarken Kutterrigg ausgestattet, und die beiden Steuerstände teilen nicht nur die Aufgaben beim Rudern oder Steuern. Die Tester von Cruising World stellten fest, dass die Doppelsteuerung als Kontrollzentrum fungiert, das das Setzen, Bergen und Trimmen aller Segel per Knopfdruck ermöglicht – eine enorme Erleichterung für kleine Crews auf einer 67-Fuß-Yacht. Bei 10 Knoten Wind und flachem Wasser lief das Boot 5 bis 8 Knoten Geschwindigkeit – eine respektable Leistung für eine schwer gebaute Fahrtenyacht. Breite Seitendecks und 30-Zoll-Lukepfosten, die als extrem stabil beschrieben werden, runden ein Decks-Layout ab, das für sicheres Bewegen auf See konzipiert ist. (2)
Unterbringung
Unter Deck nutzt die 655 ihre Breite von 18 Fuß 5 Zoll optimal aus. Der Salon ist ein offener Wohnbereich mit einer U-förmigen Pantry an Backbord sowie reichlich Arbeitsflächen und Stauraum, der von der Werft als geräumig und modern beschrieben wird. Achtern öffnet sich eine große Eignersuite – weit mehr als nur eine Kabine – auf einen eigenen privaten Zugang zum Deck, während drei Gästekabinen für die Trennung von Eignern und Besuchern sorgen. Die vordere Plicht ist dank der doppelten Steuerstandsaufteilung, die den Rudergänger genau dort platziert, wo er gebraucht wird, geräumig, sicher und frei von Hindernissen. Hochwertiger Innenausbau und eine gut konzipierte Pantry unterstreichen das Gefühl eines Bootes, das gleichermaßen für das Leben im Hafen und für Bedingungen auf See geeignet ist.
Sicherheit und Ausrüstung
Die 655 war bei den Tests von Cruising World mit allem ausgestattet, was man für eine Weltumsegelung benötigt – bis hin zu Leesegeln. Zwei Rettungsinseln liegen an Deck, schwere Padeye-Leinen für Jacklines sind von vorn nach achtern und in der Plicht verlegt, und ein spezieller Signalraketenkasten zentralisiert die Notfallausrüstung. Die manuellen Bilgenpumpen sind leicht zugänglich – ein Detail, das oft übersehen wird, bis es kritisch wird. Dies handelt sich nicht um Nachrüstungen durch Eigner, sondern um serienmäßige Ausstattung der geprüften Yacht.
Das Fazit
Die Oyster 655 ist ein in limitierter Stückzahl gebautes Humphreys-Design, das einen leistungsorientierten Rumpf mit einem voll ausgestatteten Hochsee-Innenraum verbindet. Die Konstruktion aus Kohlefaser und Kevlar, die per Knopfdruck bedienbaren Segel über zwei Steuerstände und eine komplette Ausrüstung für Welttörns machen sie zu einer ernsthaften Blauwasser-Yacht mit dem Volumen und der Verarbeitungsqualität einer Luxus-Fahrtenyacht.
Vorteile
- Feiner Vorschiffseintritt, sauberer Rumpfverlauf mit tiefem KG-Kiel und schlankem Ruder für schnelles, angenehmes Segeln
- Umfangreiche Carbon- und Kevlar-Bauweise mit „Bombproof“-Systemen nach Einschätzung der Jury
- Knopfbedienung aller Segel von den beiden Steuerständen erleichtert das Segeln mit kleiner Crew
- Salon über die gesamte Breite, Eignersuite achtern mit privatem Deckzugang, drei Gästekabinen
- Komplette Sicherheitsausrüstung für Weltumsegelungen: zwei Rettungsinseln, Paddelboje-Paten, Signalrakete-Aufbewahrung, Handpumpen
Nachteile
- Nur 17 gebaut, was die Unterstützung durch die Flotte und vergleichbare Boote beim Wiederverkauf einschränkt
- Streitige Verdrängungswerte in verschiedenen Quellen (82.673 lb vs. 85.980 lb) lassen das exakte Gewicht unbestätigt







