Design und Konstruktion
Der Rumpf wird von der Werft als überdimensionierte Laminat-Harzstruktur beschrieben, die durch eine Kombination aus Längsverstärkern und Spanten für extreme Haltbarkeit verstärkt ist, während unter der Wasserlinie für den Unterwasserschiffsbereich ein massives Laminat mit Vinylester-Außenhaut verwendet wird. Die GFK-Injektionskonstruktion mit kohlefaserverstärkten Längsverstärkern ist im Inneren sichtbar, und die gesamte akustische Sandwichisolierung ist verklebt statt vernietet – ein Detail, das dafür sorgt, dass der Yanmar Saildrive im Betrieb nahezu lautlos arbeitet. Ein tiefer Kielschuh dient gleichzeitig als Wassertank für Brauchwasser, was das Gewicht in einem sonst nutzlosen Volumen konzentriert. Der serienmäßige L-förmige Kiel hat einen Tiefgang von 2,26 Metern (7 Fuß 5 Zoll), wobei eine Flachkiel-Option mit 1,83 Metern Tiefgang erhältlich ist. Der Bleiballast von 6.639 kg (14.650 Pfund) sitzt tief in einem Rumpf, dessen negativer Deckssprung eine großzügige Stehhöhe im Salon ermöglicht, ohne das Kajütdach vor den Mast zu drücken. (1)
Rigg und Handhabung
Standardmäßig ist ein Aluminiummast mit elektrischem Mastfurlungssystem verbaut, obwohl Eigner auch ein Seldén-Carbon-Rigg mit hydraulischer Furlung sowie ein vollständiges Hydraulikpaket für Großschot, Baumniederholer, Unterliekstrecker, Achterstag und Backstagen-Anker wählen können. Zwei Steuerräder bieten sicheren Halt und freie Sichtlinien, während die Steuerstände das Setzen und Einrollen der Segel per Knopfdruck ermöglichen; die Lewmar EVO Primärantriebe befinden sich direkt außen auf erhöhten Stufen im Griffbereich des Rudergängers. Ein robuster, fester Bugspriet integriert die Ankerrolle und hält den Spinnaker-Geschützbaum frei vom Vorstag, während vorbereitete Preven-Tauen an jeder Seite des Baums auf ein durchdachtes Segeln mit kleiner Crew hindeuten. Unter Motor trieb der 110 PS starke Yanmar Saildrive das Boot in Tests mit über 9 Knoten voran und lässt sich dank optionaler Doppelruderanlagen bei Hafenmanövern gut kontrollieren. (1)
Unterbringung
Die 495 ist eine Yacht mit halb erhöhtem Salon, deren öffnende Kajütaufbaufenster eine tropische Brise durch die Kabine ziehen lassen. Die U-förmige Pantry liegt zwei Stufen tiefer an Backbord und verfügt über zwei mittschiffs positionierte Spülbecken für eine effiziente Entwässerung. Der Salontisch lässt sich auf Bett-Höhe absenken, um zusätzliche Schlafplätze zu schaffen. Eine tiefer liegende Navigationsecke mit ausklappbarem Sichtschutz und CZone-Monitoring befindet sich achtern davon, gefolgt von einem Gefrierschrank und zwei breit öffnenden Türen gegenüber einer gut durchdachten Motorraumgestaltung. Vor dem Salon teilt sich eine kompakte Pullman-Kabine die Nasszelle mit einer hellen Doppelkoje für Gäste, während die Eignerkabine achtern eine Stehhöhe von 1,93 m bietet, ein Sofa, mit Zeder ausgekleidete Schränke, Fluchtluken und die für Oyster typischen vertikalen Bullaugen für einen Blick auf das Meer. Das Kajütdach ist so zum Sitzen hin abgeschrägt, dass es sich beim Rückenlehnen nach achtern in einen Rückenpolster verwandelt.
Bekannte Schwachstellen
In einem Artikel für Yachting World stellten Tester fest, dass bei einer Reise ein Leck an einer beschädigten Hautbeschläge-Dichtung in der Backskiste vorübergehend den Anker stoppte. Die Reaktion der Werft bestand darin, dass alle nachfolgenden Rümpfe an dieser Stelle mit einem Bronze- oder TruDesign-Hautbeschlag versehen würden – ein wertvolles Detail für jeden Gutachter. Derselbe Test betonte zudem, dass die Kajütaufbaufenster des Salons zu hoch positioniert sind, um beim Stehen hindurchzusehen, und die Rumpfluken beim Sitzen zu niedrig liegen. (2)
Refits und Eignerschaft
Ab Werft ausgelieferte Annehmlichkeiten reduzieren die Notwendigkeit für Eigner-Modifikationen: serienmäßig werden mitgelieferte Logoplatten und Gläser mit integriertem Stauraum, Atmosphäre-Beleuchtung, ein versenkbarer Fernseher und eine automatische Kassetten-Badplattform angeboten, die sich nach achtern als Badeplattform mit einer stabilen Leiter und einer Dusche am Spiegel auszieht. Der Panda-Generator befindet sich in einem schalldichten Raum, und ein 8-kW-Generator ist über seine eigene Tür achtern des zentral montierten Motors zugänglich. Von den frühen Verkäufen gingen nur zwei von fünfzehn an bestehende Oyster-Eigner, was unterstreicht, wie viele Käufer neu im Markenuniversum sind.
Das Fazit
Die Oyster 495 ist eine akribisch durchdachte kleine Fahrtenyacht, die die Infrastruktur eines großen Bootes – zentrale Tanks und Batterien, hydraulische Riggbedienung per Knopfdruck, leisen Antrieb und eine echte Achterkabine – auf ein von zwei Personen zu segelndes 52-Fuß-Boot überträgt. Sie ist mit etwas mehr Gewicht und geringerer Segelfläche als einige Konkurrenten ausgestattet, und die Sichtlinien im Salon werden durch die Fensterplatzierung eingeschränkt. Doch als erste Konzeption unter neuer Leitung bietet sie eine klare Begründung für das moderne Oyster-Philosophie.
Vorteile
- Eigenbauserie aus Hythe mit infundierter Struktur und verklebter Schalldämmung für ein leises Laufverhalten
- Zweimann-Rigg und Steuerung mit hydraulischen Optionen und vorbereiteten Pretern
- Zentralisierter Gewichtsverteilung durch den Kielschuh für die Brauchwasserversorgung und Tanks unter den Bodenbrettern
- Längsschiffs geöffneter Backskoj und breiter Motorzugang für einfache Wartung
Nachteile
- Die Kajütaufbaufenster sind zu hoch positioniert, um beim Stehen nach draußen zu sehen; die Rumpffenster sind im Sitzen zu niedrig
- Frühe Rümpfe anfällig für Risse im Laminat der Backskiste (später behoben)
- Etwas schwerer und weniger leistungsstark als einige Konkurrenzmodelle







