Design und Konstruktion
Die Abmessungen der 323 zeugen von einer breiten Fahrtenyacht mit hohen Bordwänden, einem moderaten Rigg, einer mittschiffs liegenden Großschot und minimalem Beschlag. Mit einer Länge über alles von 32 Fuß 10 Zoll, einer Breite von 10 Fuß 5 Zoll und einer Wasserlinienlänge von 29 Fuß 2 Zoll wirkt das Boot substanziell, bringt jedoch eine Verdrängung von 8.460 lb auf die Waage und verfügt über einen Eisenballast von 2.178 lb – ein Ballast-Verdrängungs-Verhältnis von 25,7 %, das die Lasten an den Beschlägen überschaubar hält. Der Standardkiel ist ein eiserner Bulbkiel mit 5 Fuß 11 Zoll Tiefgang, optional ist ein flacher Flossenkiel mit 4 Fuß 9 Zoll Tiefe erhältlich; das gleiche Ruder wird mit beiden Kieloptionen ausgestattet. Beneteaus Entscheidung, bei den Motoren auf Wellenantriebe zu setzen, ist unter Großserienwerften ungewöhnlich. Ein Wellenlog ist in den Rumpf eingegossen, wodurch gerade genug Wellenstrecke für eine Anode und einen Leinenkutter frei bleibt. Die Stabilitätskurve der Version mit flachem Flossenkiel erreicht ihr maximales aufrichtendes Moment bei 50° Krängung mit einem Kenterwinkel von 118°, was ihr die CE-Zertifizierung der Kategorie B einbringt. (2)
Rigg und Seeverhalten
Auf dem Wasser zeigt sich der vom Figaro abgeleitete Rumpf als lebhaft. Bei 12 bis 16 Knoten scheinbarem Wind mit einer moderaten Dünung im Atlantik erzielten Testsegler eine respektable Geschwindigkeit von 5,5 Knoten am Wind und gingen durchschnittlich mit etwa 80° Winkel über Backbord. Vor dem Wind surfte das Boot und hielt über lange Strecken 7 Knoten, während das Ruder sie auf Kurs hielt, bis die Fußreling bei etwa 35° Krängung das Wasser berührte. Das Standard-Großschotsystem nutzte an der Testyacht tote Augen anstelle eines Travellers, und die 4:1-Kickerführung erwies sich als völlig unzureichend, um das Twisten des Großsegels auf Backbordbug zu kontrollieren. Ein Großschot-Traveller war eine Option, die von den meisten Eignern gewählt wurde, und das Einleinen-Reffsystem näht Blöcke in die Achterliek ein, bietet jedoch nur zwei Reffen. Die Genuvollständ steht am Mast, und fünf Spinlock XAS-Klemmen auf dem Backbordkajütaufbau handhaben die Großschot, die Furlung der Fock, zwei Reffleinen und die Großfall vor einem Lewmar 30 Selbstfäller. (2)
Unterbringung
Unter Deck bietet die 323 dank genialer Innenraumkonstruktionen erstaunliche Wohn- und Stauraummöglichkeiten. Das herkömmliche Layout platziert die Seekojen auf beiden Seiten im Salon, wobei die Kojie an Steuerbord gleichzeitig als Sitzplatz am nach achtern gerichteten Navigationstisch dient. Tester bemerkten eine riesige Nasszelle gegenüber, deren Seeventile jedoch in der Schublade unter dem Spülbecken, nahe dem Rand, montiert sind. An Deck befindet sich an Steuerbord ein wahrhaftiger Backskisten-Kokpitkoffer, dessen Warmwassertank im vorderen Bereich unter einem Bodenfalschdeck platziert ist. Teakholzbezogene Cockpitsitze sorgen für optische Erleichterung, und ein Goiot-Ruderanlage ermöglicht es, das Rad um 90° um seine vertikale Achse zu drehen, um den Durchgang freizugeben; eine Radsteuerung wird optional angeboten. (1)
Bekannte Schwachstellen
Eine praktische Inspektion zeigt einige Details, die genauer unter die Lupe genommen werden sollten. Das Gitter, das durch die innere Form geprägt wurde, nutzt Lüftungsöffnungen, die leichte Bedenken aufkommen ließen. Der Zugang zur Bilge ist aufgrund von eng sitzenden Bodenbrettern schwierig, deren unversiegelte Endfurnier sich verfärben und verklemmen kann. Weitere unversiegelte Endfurnierstücke finden sich im Innenausbau um den Motor herum, wo Wasser aus der Achterdichtung, dem Kraftstofffilter und dem Wasserschlauchfilter sammeln kann. Der Motorzugang ist im Allgemeinen gut, obwohl die geformte Motorabdeckung ein unhandliches Stück ist, das man verschieben muss, und kein Griff zum Anheben vorhanden ist. Im Achterkajüta sitzt der Kraftstofffilter direkt darunter mit einer Gebläsedurchführung, und die Batterieschalter sind am vorderen Ende der Koje montiert, wo Bilgenwasser hin und her schwappt. (2)
Das Fazit
Die Oceanis 323 ist ein sicheres und sehr gut ausgestattetes Boot mit konkurrenzfähiger Stabilität und Leistung sowohl vor dem Wind als auch auf raumen Kursen dank ihres großen Kiels. Ihre Figaro-Besatzung verleiht der Fahrtenyacht eine unerwartete Lebendigkeit auf raumen Kursen, doch der moderate Segelplan und das ranke Rigg erfordern eine aufmerksame Trimmarbeit. Der Innenraum ist für die Länge her wirklich geräumig, aber ein Käufer sollte ein Budget für das Abdichten von Endsperrholz und den Umzug von empfindlicher Elektrik einplanen. (1)
Vorteile
- Regatta-optimierter Rumpf mit unveränderten Unterwasserschnitten für bewährtes Seeverhalten
- Surft problemlos raumschots und hält bei moderaten Bedingungen 7 Knoten
- Die geniale Innenaufteilung schafft reichlich Wohn- und Stauraum
- Die Wellenanlage mit eingegossener Wellenlog vereinfacht die Wartung der Antriebskette
Nachteile
- Standardmäßiges totes Großschot und schwacher Baumniederholer erschweren die Kontrolle über das Großsegel
- Nur zwei Reffen und eine bescheidene Segelfläche am Wind begrenzen den Revierbereich bei leichtem Wind und schwerem Wetter
- Undichte Endgrat-Arbeiten im Innenausbau und Batterieschalter an der Bilgeseite bergen Risiken für Wasserschäden









