Design und Konstruktion
Bénéteau hat die Evasion 36 um einen vollen, flachen Rumpf mit einem Flügelkiel mit geringem Tiefgang herum konstruiert – eine Kombination, die das Boot für eine 36-Fuß-Yacht komfortabel flachwassertauglich macht. Der Rumpf selbst wurde massiv gebaut, während das Deck ein Sandwich mit einem Balsaholzkern ist – ein Material, das auf keinen Fall feucht werden darf, da Wasser im Kern sehr schnell zum Verrotten führt. Jedes Exemplar verließ die Werft serienmäßig mit diesem Flügelkiel und einem Rollgroßsegel. Mit einer Verdrängung von 5.500 kg und 2,1 Tonnen Eisenballast (ca. 38 Prozent ihres Gewichts) liegt sie als Fahrtenyacht dieser Größe sehr stabil auf dem Wasser, und die Wasserlinie von 9,7 Metern ermöglicht eine theoretische Rumpfgeschwindigkeit von 7,6 Knoten.
Rigg und Handhabung
Das Rigg ist ein Masttoppslup mit zwei Salingen und einer Rollgroßsegel-Anlage als Standard, die in den damaligen Tests als gut handhabbar und mit wenig Riggtrimm beschrieben wurde. Die Segelform wird über einen Traveller, eine Fußstütze und Genuarails geregelt, und das Testboot war mit großen Winschen ausgestattet. Auf dem Wasser konnte sie bei 16 Knoten Wind auf glatter See ohne Strömung einen Wendewinkel von knapp unter 95 Grad erreichen und lief mit 5,9 Knoten Fahrt – eine respektable Leistung für eine Fahrtenyacht mit flachem Kiel bei viel Wind. Eine bekannte Refit-Verbesserung bei einem geprüften Boot bestand darin, dass die Großschot vom Kajütaufbau ins Cockpit verlegt wurde, was die Arbeit am Steuer erleichterte. Das Rudern hingegen erntete Kritik: Das Ruder ist sehr steif. (2)
Unterbringung
Die Aufteilung im Steuerhaus bringt Pantry, Dinette sowie die Steuer- und Navigationsecke unter dem Kajütaufbau zusammen, wobei an beiden Enden jeweils eine Doppelkoje vorhanden ist. Die innenliegende Steuerposition ermöglicht es dem Rudergänger, das Cockpit zu verlassen und vom Salon aus zu steuern, wo ein kleiner Navigationstisch Teil dieser Innensteuerzentrale bildet; das Innenrad ist über ein Hydrauliksystem mit dem Ruderquadranten verbunden. Die Pantry befindet sich an Steuerbord, der große, gemütliche Salonsofa an Backbord mit zwei beweglichen Stühlen, und fast alle Fenster sind öffnbar – ein echter Vorteil für Belüftung und Licht, obwohl an den vielen Oberstrukturfenstern Leckagen möglich sind. Ein besonderes Highlight ist die Nasszelle, auf die sowohl vom Salon als auch von der Vorschiffskabine zugegangen werden kann, obwohl ihre Türen mit einer Breite von 1,60 Metern bei einer Höhe von 40 Zentimetern recht schmal sind und die Stehhöhe dort bei 1,72 Metern liegt. Die Vorschiffskoje ist großzügig mit 2,04 Metern Länge und 1,70 Metern Schulterbreite ausgelegt, verjüngt sich am Fußende auf 71 Zentimeter, wird jedoch durch einen strukturellen Bodenwulst in Kniehöhe überspannt, der nur 33 Zentimeter hoch ist, und die Belüftung erfolgt lediglich über eine Decksluke. Die Achterkoje spiegelt die Maße der Vorschiffskoje ohne Verjüngung wider, wobei die nutzbare Mindesthöhe bei 48 Zentimetern liegt, ebenfalls nur über kleine Luken belüftet wird. Die Stehhöhe im Salon beträgt 1,90 Meter – nach heutigen Maßstäben nicht gerade großzügig – und das Backbordsalonsofa ist mit 1,80 Metern eher kurz geraten, um als Seebett zu dienen.
Bekannte Schwachstellen
Das gravierendste strukturelle Problem liegt unter der Wasserlinie: Die Kielbolzen wurden mit korrodierenden Scheiben verbaut, und die Bolzen selbst wurden direkt in den Kiel eingeschlagen, was einen Austausch fast unmöglich macht. An Deck sind die vielen Fenster im Aufbau ein potenzieller Leckpfad, und das Rudergefühl wird als steif beschrieben. Die Tür zum Nassraum ist für eine komfortable Nutzung zu schmal, und das Boot wurde bei der Inspektion mit einem Abzug in Bezug auf die Einhandtauglichkeit bewertet – die Übergänge zwischen Innen- und Außensteuerung sowie die Bedienung des Riggs sind nicht ideal für Einhandsegler. (2)
Refits und Eignerschaft
Neben der bereits erwähnten Verlegung der Großschot mussten spätere Eigner mit der hydraulischen Steuerung im Innenraum umgehen, da diese für Wartungsarbeiten oder den Umzug an einen anderen Platz entfernt werden muss, obwohl sie die Steuerung aus der Plicht überflüssig macht. Die großen Werfttanks – 459 Liter Frischwasser und 170 Liter Diesel – bieten eine hohe Autonomie auf Langstrecke. Der Zugang zur Badeplattform, das reichlich vorhandene Stauraumangebot und der Ausblick vom Deckssalon sind dauerhafte Pluspunkte. Mit etwa 50 gebauten Einheiten bleibt sie eine seltene, kleine Serie dieses Konzepts als Fahrtenyacht mit Steuerhaus.
Das Fazit
Die Evasion 36 ist eine markante Fahrtenyacht mit Flachkiel und Radsteuerstand, die die klassische Formensprache von Océan mit einem geschlossenen Steuerhaus-Layout verbindet, das in dieser Größenklasse selten ist. Die Innenraumgestaltung ist für ihre Epoche wirklich innovativ, doch der Zustand der Kielbolzen und die Neigung zu Undichtigkeiten an den Fenstern erfordern ein sorgfältiges Gutachten.
Vorteile
- Flacher Flügelkiel mit 1,45 m Tiefgang, fester Rumpf und solide Basis der Océanis-Bauweise
- Innensteuerstand und Navigationsecke mit öffnenden Fenstern im gesamten Boot
- Großzügige Doppelkojen als Doppelkabinen und große Werft-Wassertank- sowie Kraftstofftanks
- Überschaubares Rollgroßsegel-Rigg mit gutem Wendewinkel bei Starkwind
Nachteile
- Die Kielbolzen verwenden rostende Unterlegscheiben und sind praktisch unersetzlich
- Steifes Rudergefühl und leckanfällige Fenster der Aufbauten
- Schmale Tür des Nassraums und kurze Seekoje im Salon
- Eingeschränkte Einhandtauglichkeit und redundante hydraulische Steuerung unter Deck









