Design und Konstruktion
Farrs Beteiligung brachte eine spürbare Veränderung hin zu struktureller Integrität. Schotten sind direkt mit Rumpf und Deck laminiert, und robuste Handläufe sind im gesamten Boot reichlich installiert. Der Rumpf verfügt über einen klappbaren Spiegel, der elektronisch in eine große Badeplattform abgesenkt werden kann, kombiniert mit Doppelrudern, die das Kurslaufen in der Welle erleichtern. Ein flaches, niedriges Kajütdach bietet dem Steuermann freie Sicht nach vorn und einfachen Zugang zum Seitendeck, ergänzt durch aufklappbare Bodenplatten für sicheren Halt. Das hohe Freibord und die vielen Fenster sorgen für ein helles, luftiges Interieur, auch wenn der Stil unverkennbar modern und weniger klassisch ist. (1)
Rigg und Handhabung
Auf dem Testboot waren die Segel vom Eigner für den Blauwasser-Einsatz spezifiziert: ein im Mast gefahrenes Großsegel mit vertikalen Salingen und einer 107-Prozent-Genua, das aus Elvströms Epex-Aramid-Membran statt aus Standard-Dacron gefertigt ist. Dies verleiht dem Masttopprigg dank der guten Vorliekspannung durch den Selden-Mastanker eine beeindruckende Achterlieksrundung und Form. Am Wind bei einer Stärke von 4 Böenstärken mit 5 Beaufort, begleitet von einer Welle von 1,5 bis 2 Metern, erreichte sie früh Geschwindigkeiten von fast 7 Knoten bei 40 bis 45 Grad zum wahren Wind und hielt konstante Geschwindigkeit ohne hartes Einsetzen in die Wellen. Bei 30 Grad Abfall und 15 Knoten Wind erreichte sie eine Marschgeschwindigkeit von 8,5 Knoten; auf einem Kurs von 130 Grad wahrer Wind lief sie 8 Knoten, während das Flügeldrehen bei 12 Knoten Wind 6 Knoten lief, bevor der Komfort nachließ. Die Steuerung nutzt ein Stahlseil-System, fühlt sich jedoch nicht direkt an, obwohl die Doppelruder gut kursstabil sind. Unter Motor mit einem aufgerüsteten 75-PS-Motor erreichte sie 6,8 Knoten bei 2.000 U/min, und ein optionales Gori-Rad mit Überlaufer sorgte für gute Geschwindigkeiten. Was ihr an direktem Gefühl fehlt, macht sie an Seetüchtigkeit wett. (1)
Unterbringung
Unter Deck verschmelzen die Pantry, der Salon und die Navigationsecke zu einem ebenerdigen Wohnbereich mit einer Stehhöhe, die selbst einen professionellen Basketballspieler in jeder Kabine zufriedenstellen würde. Der Salon bietet an seinem Tisch gerade eben Platz für acht Personen, ist jedoch selbst im optionalen Lederausstattungsbereich eine puristische Zone – und es gibt keinen separaten Navigatorplatz, was bei einer 45-Fuß-Yacht ein bemerkenswerter Mangel ist. Die Pantry ist linear mit einem L-förmigen Heckende und viel Arbeitsfläche, unterstützt durch einen 140-Liter-Gefrierschrank mit großem Aufsatz und einem 140-Liter-Kühlschrank mit großen Lift-top-Einheiten, obwohl der zweiflammige Herd nur begrenzte Neigungsmöglichkeiten bietet. Die Achterkabinen sind geräumig mit einer Stehhöhe von 2,08 m und großzügigen Kojen; ihre Nasszellen sind hell und luftig mit einer Stegeinstellmöglichkeit für eine Person von 1,90 m, wenngleich die Waschbecken klein und eher plastikartig wirken. Im Vorschiff befindet sich eine großzügige Eignerkabine mit 2,03 m Stehhöhe und einer Koje, die quer oder längs genutzt werden kann, getrennt durch einen Flur zu einer sitzenden Dusche und den Nassbereich. Dass jede Kabine über ihre eigene Nasszelle verfügt, ist bei dieser Größe einzigartig. Die Innenausbau-Holzfurniere reichten auf dem Testboot bis hin zu Mahagoni, wobei auch helles Eichen- und Walnussbaum erhältlich waren, und es wurden zehn Polsterfarben angeboten.
Plicht und Decksbeschlag
Die Plicht ist um einen großen Tisch herum aufgebaut, der sich hervorragend zum Anlehnen eignet, und verfügt über drei große Backskisten, die auch ein entleertes Beiboot aufnehmen können. Ein geteiltes Achterstag schränkt jedoch den Sitzkomfort im hinteren Bereich ein. An Deck sind eine Aluminium-Fußreling, große Klampen und eine doppelte Bugrolle praktisch, und weiter vorn befindet sich eine ordentliche Segelkiste mit Stufen. Der Steuersitz des Steuermanns an Steuerbord lässt sich anheben, um die Motorbedienelemente freizulegen, und die Badeplattform am Spiegel ist ein echter Verkaufsargument für Schwimmer und Jollennutzer gleichermaßen.
Bekannte Schwachstellen
Das häufigste Manko ist das relative Fehlen von Stauraum in allen Kabinen. Der fehlende eigene Navigationssitz bei einem Boot dieser Größe würde viele Fahrtensegler beunruhigen. Auch der Stauraum an anderen Stellen lässt zu wünschen übrig, obwohl der Maschinenraum hervorragend dimensioniert ist und zwischen den Achterkabinen ein guter Zugang zum Motor besteht. Die Niedergangstreppe ist eng und steil, und der Salon wirkt selbst mit aufgerüsteter Ausstattung spartanisch. (1)
Das Fazit
Die Bavaria Cruiser 45 ist eine gut durchdachte moderne Fahrtenyacht, die direktes Feedback zugunsten von Gelassenheit und Volumen opfert. Farrs strukturelle Hand liegt in der Schottenverbindung und der Dichte der Handläufe, und das Layout mit Doppelruder und klappbarem Spiegel bietet sowohl Seetüchtigkeit als auch eine hervorragende Badeplattform. Die Kabinenaufteilung ist für die Länge außergewöhnlich, mit eigenen Nasszellen in jeder Kabine und einer Stehhöhe, die größere Boote in den Schatten stellt. Der Mangel an Stauraum und der fehlende Navigationssitz sind jedoch echte Nachteile auf längeren Törns.
Vorteile
- Eignungsbezogene Nasszellen in jeder Kabine mit begehbaren Duschen
- Von Farr entworfene strukturelle Verstärkung und reichlich Handläufe
- Elektronisch klappbarer Spiegel mit Doppelruder-Kursstabilität
- Hohe Geschwindigkeiten am Wind und auf raumen Kursen mit gutmütigem Verhalten im Seegang
- Außergewöhnliche Stehhöhe und geräumige Achterkabinen ohne Platzmangel
Nachteile
- Kein eigener Navigator-Sitz
- Relativ geringer Stauraum in allen Kabinen
- Enger, steiler Niedergang
- Das Rudergefühl ist trotz der Stahlkette unruhig
- Der Salon wirkt auch im Lederausstattungsbereich sehr schlicht








