Design und Konstruktion
Die strukturelle Grundlage der 5.4 ist, dass riesige offene Wohnbereiche echte Ingenieursprobleme mit sich bringen: Die Drehmomente der Rümpfe und die Druckkräfte des Riggs müssen ohne die Innenwände geregelt werden, die eine herkömmliche Yacht verwenden würde. Catanas Lösung versteckt alle notwendigen strukturellen Verstärkungen in wenigen Pfeilern und Querträgern, während das feste Vordeck mit seiner Einrichtung leicht gehalten wird, um die Segelleistung und Seetüchtigkeit zu erhalten. Rumpf und Deck sind im Vakuuminfusionsverfahren gefertigt. Das Laminat von Rumpf und Deck entspricht modernen Standards; ein geschlossenzelliger Schaumkern oberhalb der Wasserlinie und im Deck macht sie stark und leicht. Zudem ersetzt die Werft das Trampolinnetz zwischen den Bugen von Boot zu Boot durch GFK, das für Sitzen und Sonnenbaden gepolstert ist. Anstelle der Steckschwerter der sportlicheren Catana-Modelle besitzt die 5.4 auf jedem Rumpf einen Flossenkiel (Stub Kiels), um Abdrift zu verhindern und Schutz bei Strandlandungen zu bieten. Das Boot ist nach CE-Standards zertifiziert, und seine Sanitär- und Entwässerungssysteme nutzen Bronzekompressoren mit doppelt angebrachten, beschrifteten Schläuchen. (1)
Rigg und Handhabung
Die 5.4 ist mit einem kraftvollen Doppel-Slup-Rigg ausgestattet, das eine Selbstwendefock und eine Genua umfasst, die sich bei leichtem Wind auf einem kurzen Bugspriet entfaltet, während das Großsegel für hohe Effizienz fast quadratisch getakelt ist und der Vorstag fast bis zum Masttopp reicht. Ein Screecher wird an einem Sprit befestigt und gefahren, und alle Leinen führen direkt zur Pinne, sodass Gäste nicht über die Ausrüstung stolpern. Große elektrische Winschen bewältigen die beträchtliche Segelfläche mühelos, und Wenden sowie Halsen sind mit der Selbstwendefock einfach. Bei dem Testsegeln mit 12 Knoten Wind in der Chesapeake Bay erreichte das Boot 5,5 Knoten und wendete auf 90 Grad, während es auf raumen Kursen mit über 6 Knoten lief; Seetests in stärkeren Böen mit gerefftem Großsegel und Fock hielten den Bereich von 6,3 Knoten, und auf raumem Kurs mit Screecher segelte sie mit 8 Knoten, bei Böen bis zu 9 Knoten. Unter Motor sind die beiden 80-PS-Yanmar-Motoren im Achterschiff leicht zu erreichen, die Schalldämmung ist sehr gut, und das Boot läuft leise mit außergewöhnlich feinfühligen Gaspedalen und einer Wendekreisbreite von nur 1,5 Bootslängen.
Unterbringung
Die charakteristische Schiebeluke im Achterschiff hebt sich wie eine Garagentür auf und verbindet den Salon mit dem Achterdeck zu einer durchgehenden Fläche. Eine vordere Tür im Salon öffnet sich zum Cockpit des Vorschiffsdecks mit einem klappbaren Tisch, der bei mäßigem Wind zum idealen Platz für das Segeln wird. Bei beiden Türen geöffnet können Gäste sich frei bewegen, ohne klettern oder sich durch enge Durchgänge zwängen zu müssen. Das offene Layout mit neutralem Beige- und Grau-Ton-in-Ton-Interieur sorgt für hervorragende Belüftung bei tropischen Brisen. Die Aufteilung reicht von vier oder fünf Kabinen für private oder Bareboat-Nutzung bis hin zu einer sechskabinigen Charterversion mit kleinen, separaten Crew-Unterkünften im Bug. Jede Kabine verfügt über eine vollwertige Doppelkoje und eine eigene Nasszelle. Querliegende Doppelkojen bieten allen einen Blick nach draußen, während die Vorschiffskojen so platziert sind, dass sie fast zu schweben scheinen. Der Salon bietet an Backbord einen langen Tisch mit Bank und Klappstühlen sowie eine U-förmige Pantry im Vorschiff. An Steuerbord übernimmt eine Navigationsecke die gesamte moderne Elektronik mit hervorragender Sichtbarkeit sowohl von dort als auch vom Steuerstand auf der Flybridge aus. Bis zu zwölf Personen können auf dem Vordeck, Achterdeck oder der Flybridge sitzen, und die Heckplattform erleichtert das Einsteigen.
Bekannte Schwachstellen
Ein Tester stellte fest, dass der einzige Nachteil für den Charterbetrieb der relativ begrenzte Stauraum für Wassersportausrüstung wie Paddelboards, Kayaks und Tauchausrüstung ist. Die tiefen Bilgen haben recht kleine Zugangsluken – die Bilgen selbst sind ziemlich tief, und ihre Luken sind recht klein, was den Zugriff auf Pumpen und Sanitäranlagen erschwert. Um das Ende des Baums zu erreichen, muss man eine kurze Leiter auf einen schmalen Steg auf dem Bimini erklimmen. Es wird erwartet, dass die Segelleistung auch bei voller Beladung mit 14 Personen plus Ausrüstung stabil bleibt, aber die Kielstummel opfern etwas an Leistung am Wind für Schutz vor Grundberührungen. (1)
Refits und Unterhalt
Eigner und Flottenbetreiber profitieren von einem unkomplizierten Motorzugang sowie klar beschilderten Systemen mit Doppelklemmen, die die Rückverfolgung von Wartungsarbeiten vereinfachen. Das Davit-System für das Beiboot ist robust und einfach gehalten, und die gepolsterten Decks von Rumpf zu Rumpf reduzieren den Verschleiß sowohl bei der Ausrüstung als auch bei der Crew. Die Flybridge-Steuerung unter einem Softtop blieb während eines Tests bei regelrechten Monsun-Schauern trocken, und die Bewegungen im Seegang waren weich und komfortabel. Der offene Innenraum ohne Schotten bedeutet, dass das Boot bei fast jedem Wetter genossen werden kann.
Das Fazit
Die Bali 5.4 ist eine durchdacht konstruierte Fahrtenyacht für Charter und Privatnutzung, die das strukturelle Rätsel eines fast schottlücksfreien offenen Decks mit verdeckten Querträgern und Pfeilern löst und darüber hinaus einen wirklich nahtlosen Innen- und Außenbereich bietet. Sie ist keine schnelle Langstrecken-Fahrtenyacht, aber ihr Leichtwind-Renner und ihre leicht zu bedienende Selbstholer-Schot machen sie zu einer gutmütigen großen Katamaran-Yacht für Gruppen, mit leisen, zugänglichen Kojen und einem trockenen, komfortablen Segeln.
Vorteile
- Nahtloses Wohnen im Salon bis zur Plicht durch die klappbare Heckklappe und die vordere Salonklappe
- Verdeckte strukturelle Verstärkungen ermöglichen eine offene, schottungslose Aufteilung
- Beide Motoren sind leicht zugänglich und die Sanitäranlagen sind beschriftet und doppelt abgedichtet
- Leises, sanftes Anfahren mit kleinem Wendekreis
- Robuste, einfache Davits für das Beiboot und gepolstertes, breites Vordeck
Nachteile
- Eingeschränkter, dedizierter Stauraum für Wasserspielzeuge im Charterbetrieb
- Tiefe Bilgen mit kleinen Zugangsluken erschweren die Wartung
- Enger Beobachtungssteg auf dem Bimini ist zum Erreichen des Baumendes erforderlich
- Festkiele opfern im Vergleich zu Steckschwertern etwas Leistung am Wind






