Design und Konstruktion
RM baut seine Rümpfe aus Bootsbausperrholz, das mit Epoxidharz beschichtet ist, anstatt aus einem herkömmlichen GFK-Formling. Die 1370 folgt dieser Hausregel. Die Materialwahl ist nicht billig: Ein Epoxid-Holzrumpf ist etwa 20 Prozent teurer als ein traditionell im GFK-Formverfahren gebauter Rumpf. Was die Werft für diesen Aufpreis erhält, ist eine steife Struktur, die auf einer harzbeschichteten Stahlstruktur basiert. Diese verstärkt die Befestigung des Bulbkiels und der Püttinge. GFK- und Kevlar-Verstärkungen sorgen zudem für zusätzliche Wärme- und Schalldämmung im Inneren. (1)
Über der Wasserlinie zeigt die 1370 Lombards typische Knickspant-Geometrie. Steile Kimmkanten und ein relativ breites Heck verleihen der Kabine für diese Länge ungewöhnlich viel Volumen, während das negative Vorsteven am Bug eine bewusste gestalterische Entscheidung ist. Zwillingsruder teilen die Steuerlast, und die tiefgehende Version hat einen Tiefgang von 2,45 Metern bei einer leichten Verdrängung von 9.528 Kilogramm, wobei eine Option mit geringem Tiefgang (1,95 Meter) bei 9.803 Kilogramm bestellt werden kann.
Rigg und Handhabung
Das Boot ist mit einem Kutterrigg ausgestattet, das über ein deutsches Großschotsystem und ein doppeltes Achterstag verfügt. Der Vorsteven wurde im Vergleich zum früheren Modell zu einem leicht geneigten Profil umgebaut, das durch ein festes Bugspriet ausgeglichen wird, an dem ein Code Zero oder Gennaker belegt werden kann. In der Plicht befinden sich sechs Winschen – zwei auf dem Kajütdach neben dem Niedergang für Großsegel und Baumniederholer, zwei direkt achtern des Kabinenschotts bei den Sitzen und zwei am hinteren Süllrand für die Raumwindsegel –, und die selbsttrimmenden Fockschoten an den Winschen auf Backbord und Steuerbord halten das Trimmen einfach, während sie eine sehr große, übersichtliche Plicht ermöglichen.
Auf dem Wasser reagiert die 1370 extrem schnell. Probefahrer fanden die Beschleunigung bemerkenswert und stellten fest, dass bereits ein Hauch von Wind ausreicht, um das Flaggschiff wieder in Bewegung zu setzen. Bei knapp über zehn Knoten wahrem Wind hält sie über sieben Knoten Fahrt, und bei 13 wahren Knoten hoch am Wind zeigte das GPS 8,6. Die ausgeprägten Knickspante sollen der Yacht beim Segeln in Krängung zusätzliche dynamische Stabilität verleihen, und vor dem Wind hält sie mit dem 175 Quadratmeter großen Gennaker eine unerschütterliche Linie. Das Steuern ist einfach und nicht nervös, und der Winkel am Ruder, bei dem ihr Potenzial voll zur Geltung kommt, ist leicht zu finden. (2)
Unterbringung
Der Innenraum ist unverwechselbar, wobei alle Möbel und Holzarbeiten in einem matten Blau lackiert sind – ein Finish, das der Testredakteur bei einer Yacht noch nie gesehen hatte. Licht dominiert die Wohnbereiche: Riesige vordere Fenster im Bug des Deckshauses (die an die Windschutzscheibe eines Sportwagens erinnern) und große Seitenscheiben fluten die Dinette, während die Pantry und der Kartentisch großzügig wirken. Die Eignerkabine im Vorschiff ist ein herzlicher Raum mit einer sehr breiten Doppelkoje und einer geteilten Nasszelle mit Dusche, die zwei geräumige Abteile ergibt; die Kabinendecke ist dort 190 Zentimeter hoch.
Achtung: Das Bild im Heck ist gemischt. Eine Achterkabine bietet eine Koje, die nur wenige Zentimeter schmaler als eine Queen-Size-Koje ist, während die andere unter 130 Zentimetern Breite liegt und die Länge der beiden Kojen nicht besonders groß ist. Auf Wunsch des Eigners kann aus einem technischen Raum eine dritte Kabine geschaffen werden. Einige Innenraumtüren sind gerade einmal 40 Zentimeter breit, und der Speisesaal misst 226 mal 192 Zentimeter. Eine Achterkabine bietet zudem eine XXL-Doppelkoje mit reichlich Stauraum und einem kleinen Bullauge.
Bekannte Schwachstellen
Die Decksplatten im Bereich der großen vorderen Fenster sind sehr glatt und weisen keinerlei rutschfeste Beschichtung auf, nicht einmal im Bereich des Glases. Ein Kritiker befürchtete, dass jemand, der über diese Flächen geht, bei Nässe ausrutschen könnte – eine berechtigte Vorsicht für ein Boot, das bei Seegang an Deck vorne begehbar sein soll.
Das Fazit
Die RM 1370 ist ein durchdacht weiterentwickeltes Lombard-Design, das einen schnellen, seegütigen Rumpf beibehält und ihn mit einem lichtdurchfluteten, unkonventionellen Innenraum umhüllt. Die Epoxid-Sperrholz-Konstruktion sorgt für hohe Steifigkeit und Laufruhe, und die Cockpit-Anordnung ist für das Segeln mit kleiner Crew äußerst benutzerfreundlich. Die Kompromisse liegen im Achterbereich und den glatten Decksflächen im Vorschiff.
Vorteile
- Schnelle, lebendige Leistung mit starkem Ansprechverhalten bei leichtem Wind und stabiler Kursstabilität vor dem Wind
- Epoxid-Sperrholz-Rumpf mit zentraler Stahlstruktur für hohe Steifigkeit und ein bemerkenswert leiser Motorraum
- Helle, geräumige Eignerkabine im Vorschiff und Pantry mit markantem Fensterdesign
- Sechs-Winschen-Plicht mit Selbstholer-Vorliekstreichen und deutscher Großschot für einfaches Handling
Nachteile
- Eine Eignerkooje im Achterdeck unter 130 cm Breite und im Allgemeinen bescheidene Kojengröße im Heck
- Glattes Decksschaufelglas bietet keinen Rutschschutz, was bei Nässe ein Stolpergefahr darstellt
- Der matte Blautöne lackierte Innenraum und die 40 cm breiten Türen passen nicht jedem Käufer





