Design und Konstruktion
Premier Composite Technologies baute die 45 um einen Rumpf aus E-Glas und Carbon mit einem vollständig carbonbeschichteten Deck und einer kompositen Innenschale herum, allesamt im Infusionsverfahren unter Verwendung von 5-Achs-CNC-Fräswerkzeugen für eine präzise Wiederholgenauigkeit geformt. Die Werft schreibt diesem leichten E-Glas/Carbon-Rumpf sowie der geringen Verdrängung und dem kleinen benetzten Oberflächenbereich das einfache Anspringen bei leichtem Wind zu. Das Ballast-Verdrängungs-Verhältnis von 41,6 Prozent bei 3.340 kg Blei hilft zu erklären, warum Testsegler sie als steif empfanden. Mit einer Verdrängung von rund 9.300 kg und einer Länge in der Wasserlinie von 13,00 m wurde der Rumpf so konstruiert, dass er sowohl hoch am Wind als auch vor dem Wind hervorragt und auf weiter See auch in Wellen ein stabiles Handling bewahrt. Das markante Styling ist ein Verdienst von PCT, und die RCD-Kategorie A mit einem STIX-Wert von 53,7 ordnet sie fest in die Reihe der hochseetauglichen Boote ein. (1)
Rigg und Handhabung
Eine großzügige Segelfläche am Wind und vor dem Wind sorgt für ausreichend Leistung. Das Standardpaket umfasst einen Carbonmast und -baum, ein ausfahrbares Bugspriet sowie ein vollständiges Harken-Decksbeschlags- und Winschkabelpaket. Rezensenten in der Segelpresse fanden sie als wunderbar zu segelndes Boot, das nur so vor Kraft und Steifigkeit strotzt. Ihre Steifigkeit in Böen bedeutet, dass sie eher ungestüm beschleunigt als zögert. Sie lässt sich leicht von einem Paar gesegelt werden, was zum Konzept des Performance-Cruisers passt. Derselbe Rezensent bemerkte jedoch, dass die Großschotwinschen etwas näher an den Steuerrädern positioniert werden könnten und die Travellerschiene der Großschot vom Cockpitboden nach oben zum Steuermann geführt werden sollte, um das Segeln mit kleiner Crew zu erleichtern. Auch die Primärwinschen könnten in diesem Zusammenhang elektrisch sein. (1)
Unterbringung
Unter Deck stammt das Konzept des Innenraums vom norwegischen Architekturbüro Snøhetta. Das Ergebnis ist minimalistisch, aufgeräumt und praktisch mit einer überraschend großen Stauraummenge. Im großen Innenraum finden sieben Personen Schlafplätze, und die umbaubaren Achterkabinen erhielten besondere Anerkennung von der Testseglerin. Zu den Details gehören eine Corian-Küche, rauchgefärbte Eichendielen, programmierbare LED-Beleuchtung unter den Bodenbrettern und Carbon-Toiletten – auch wenn die Testerin sich nicht überzeugen ließ, für letztere zu viel Geld auszugeben. Die Plicht ist geräumig und verfügt über einen Tisch zum Zusammensitzen, doch die Badeeinrichtung wirkt für ein Boot dieser Größe etwas knapp bemessen. Die Testseglerin fand, dass man für lange, entspannte Nachmittage dringend ein Bimini benötigt.
Bekannte Probleme
Die Ankeranlage ist unauffällig gestaltet, um die Linien des Bootes nicht zu stören, ist aber in der Praxis unpraktisch: Testsegler stellten fest, dass das Festmachen einer Leine an der Bugrolle, das Ausholen des Ankers aus dem Kasten und das Überwerfen über den Bug aus einem routinemäßigen Ankern eine lästige Pflicht machen, die den Gebrauch abschreckt. Dieser Kompromiss zwischen optischer Sauberkeit und täglicher Funktionalität ist der einzige deutliche operative Nachteil, der diesem Entwurf nachgesagt wird.
Eignerschaft und Refits
Der Wartungszugang ist im gesamten Boot hervorragend, was dem Eigner die routinemäßige Wartung des 55 PS starken Diesels und der verschiedenen Systeme erleichtert. Der Hubkiel, das Carbon-Rigg und das Harken-Paket gehören alle zur Ausstattung ab Werk und sind keine typischen Nachrüstungen durch Eigner. Die umbaubaren Kojen im Innenraum und die großzügigen Stauräume deuten darauf hin, dass der Entwurf von Anfang an für das Wohnen an Bord und das Fahrtensegeln mit kleiner Crew konzipiert wurde.
Das Fazit
Die Premier 45 ist eine wirklich eigenständige Performance-Fahrtenyacht, die den Stammbaum eines Regattabootes in ein lebenswertes, solides 45-Fuß-Paket übersetzt. Ihre kohlefaserverstärkte Struktur, der leicht anspringende Rumpf und der steife, schnelle Segelcharakter heben sie deutlich von der typischen Fahrtenyachtflotte ab, während das Snøhetta-Interieur die Wohnraumgestaltung modern und praktisch hält. Die Ankerbedienung bleibt eine unhandliche Ausnahme bei einem ansonsten durchdachten Entwurf.
Vorteile
- Leichter E-Glasfaser/Kohlefaserrumpf und volles Kohlefaserdeck, gebaut mit CNC-gestanzten Infusionsformen
- Bei leichtem Wind leicht zu segeln mit einer für die Klasse führenden Geschwindigkeitsentwicklung auf raumen Kursen
- Steifes, kraftvolles Handling, das von einem Paar auch mit kleiner Crew problemlos beherrscht werden kann
- Geräumiger, minimalistischer Snøhetta-Innenraum mit umbaubaren Achterkabinen und hervorragendem Stauraum
- Hervorragender Wartungszugang im gesamten Boot
Nachteile
- Die unauffällige Ankeranordnung ist ohne eine spezielle Routine mit Fall und Klampen schwer zu bedienen
- Die Großschotwinschen und der Travellerschlauch sind für den einfachen Einsatz mit kleiner Crew weit vom Steuermann entfernt positioniert
- Die Badeplattform wird im Vergleich zum großzügigen Gesamtraum der Plicht als klein empfunden





