Design und Konstruktion
Die 355 teilt die Konstruktionsphilosophie ihrer größeren Hanse-Schwestern und folgt nicht einer vereinfachten Kleinkreuzer-Rezeptur. Der Rumpf ist ein monolithisches GFK-Laminat mit Vinylester-Erstschicht und Isophthalsäure-Gelcoat, während das Deck ein Sandwich-Laminat mit Balsaholzkern verwendet; die Hauptschotten sind sowohl mit dem Rumpf als auch mit dem Deck laminiert, und GRP-Stützplatten verstärken die Struktur. Käufer konnten zwischen einem Standardtiefgang von 1,90 m und einer Flachkiel-Option wählen – beide auf dem eisernen Bulbkiel. Es handelt sich um einen Rumpf mit massivem Kern (Solid Core) statt eines Sandwich-Rumpfs, was zusammen mit dem Balsadeck sorgt für hohe Steifigkeit der Paneele ohne zusätzliches Gewicht im Topp. Das Kenterungsverhältnis des Bootes liegt bei 1,93 und die Komfort-Ratio bei 25,36. (2)
Rigg und Handhabung
Hanse ausstattete die 355 serienmäßig mit einer selbstwendenden 95-Prozent-Fock als Markenzeichen, kombiniert mit einem einleinen, binderefften Großsegel mit Volllatten. Die Baummitte-Schotführung läuft über ein deutsches Mastfuß-Umlenkblocksystem zu den Winschen auf dem Kajütdach, was das Cockpit im Fahrtbetrieb schlupfrei macht und die Fock selbstständig bedienen lässt. Testsegler stellten fest, dass die 355 aufgrund dieser Konstruktion lächerlich einfach zu segeln ist, wobei einfache Großschotbedienung und eine Jefa-Rack-and-Pinion-Steuerung für leichten Druck und keine Spiel im Rad sorgen. Der Nachteil ist, dass die Kontrolle des Baumwinkels bei Baummitte-Schotführung und ohne Traveller nicht so präzise ist wie beim Endbaum-System der kleineren 325. Zu den Rigg-Optionen gehörten Genuesen sowie asymmetrische oder Spinnaker für Segler, die mehr Raum auf raumen Kursen benötigen. Bei einem spontanen Regatta-Törn um Pittwater bei Windstärken bis zu 12 Knoten lag die längere, kraftvollere 355 sowohl am Wind als auch vor dem Wind deutlich vor der 325, und auf raumen Kursen sollte sie immer genug Vorsprung haben, um ihrer kleineren Schwester zu entkommen.
Unterbringung
Unter Deck wird die 355 in zwei- oder dreikabinen-Versionen angeboten. Die Drei-Kabinen-Version bietet drei Doppelkojen innerhalb der Rumpfform, während das Zwei-Kabinen-Layout zu einem geräumigen Plan mit einer größeren Nasszelle und separatem Duschbereich führt. Im Vorschiff bieten beide Versionen V-Koje und eine zweite Schlafgelegenheit. Die Salondinette bietet bequem Platz für sechs Personen, und der Tisch der 355 ist größer als der der 325. Er verfügt über einen hochglanzpolierten Maststützenpfahl, der durch seine Mitte fällt, sowie über einen beweglichen, gepolsterten runden Hocker als Standardausstattung. Die Pantry gewinnt im Vergleich zur 325 etwas mehr Sitzfläche, und die Radio- sowie Elektrikmodule sind mit grauen Kunststoffgehäusen und Rollladen-Türen versehen. Die Designs der Wand- und Einbauduschköpfe sind unaufdringlich und stilvoll. Bei der Zwei-Kabinen-Aufteilung befindet sich ein riesiger Segellager-Backskist unter dem Cockpit-Sitz an Backbord mit zusätzlichem Zugang von der Nasszelle – ein praktischer Detail für Fahrtensegler, die viel Zeit in ihren Segelsäcken verbringen.
Bekannte Schwachstellen
Die einzige dokumentierte Schwachstelle im Handling betrifft das Deck und nicht die Struktur: Hanse lackierte die Kajütaufbauten hochglänzend. Das sieht edel aus, bietet aber bei Nässe keinen Tritt und macht sich unter diesen Bedingungen beim Vorgehen an Deck etwas bemerkbar.
Refits und Eignerschaft
Die Basisversion 355 wurde als segelfertiges Boot mit den Optionen „Cruise“ und „Navigation“ ausgeliefert. Zur Standardausrüstung gehörte ein Volvo D1-30 Saildrive-Diesel mit 27 PS – eine Steigerung gegenüber dem 18-PS-Basismotor – zusammen mit Elementen, die normalerweise als Extras gelten. Das im Jahr 2011 gebaute Modell, das hier besprochen wird, stand neben der 325 als Weiterentwicklung mit länglicherem Kajütaufbau, länglicherem Cockpit und einem etwas höheren Mast. Das große Cockpit selbst bietet reichlich Platz für Crews, ohne dass Großschot oder Blöcke im Weg stehen. Eigner, die sich für die dritte Kabine entscheiden, tauschen den Luxus einer separaten Dusche gegen mehr Gästeunterbringung ein – eine Entscheidung, die man im Vergleich zum Zugang zum Segelschrank der Zwei-Kabinen-Version abwägen sollte.
Das Fazit
Die Hanse 355 ist eine durchdacht konstruierte kleine Fahrtenyacht, die etwas Präzision beim Großsegeltrimm gegen ein wirklich leicht zu bedienendes Rigg und eine klare, gesellige Plicht eintauscht. Ihre Bauweise spiegelt die größere Hanse-Fahrzeugflotte wider, und das Zwei-Kabinen-Layout nutzt das Volumen besonders clever. Das glänzende Kajütdach ist der einzige praktische Nachteil im Alltag, der sich mit aufmerksamem Auftreten oder nachträglichem Profilprofilieren leicht beheben lässt.
Vorteile
- Die Selbstwendefock und das Großsegel mit Kajütaufhängung machen das Segeln einhand oder mit kleiner Crew unkompliziert
- Konstruktive Gemeinsamkeiten mit der größeren Schwester: Monolithischer Rumpf und laminierte Schotten
- Das Zwei-Kabinen-Layout bietet eine separate Dusche und einen riesigen Segelschrank auf den Cockpitsitzen
- Läuft vor dem 325 auf raumen Kursen und hält am Wind bei leichtem bis mäßigem Wind mit
Nachteile
- Glänzende Kajütaufbauten bieten bei Nässe keinen Halt
- Das Schot-Greifen mittschiffs im Baum begrenzt die Präzision des Baumwinkels ohne Traveller








