Design und Konstruktion
Rumpf und Deck sind im VTR-Sandwichverfahren mit Epoxidharz und einem PVC-Kern gebaut, wobei Carbonverstärkungen an den hochbelasteten Stellen platziert wurden. Das Deck selbst ist ein Sandwich mit Balsaholzkern, während der Bulbkiel in einer Negativform durch Infusion laminiert wurde. Der Kiel ist aus Stahl mit einem Bleibulbkiel, der 4 % Antimon enthält, und das Ruder ist ein Verbundwerkstoff mit PVC-Kern und Stahlbeschlägen. Biscontini ging mit dem Projekt ganz konsequent als Regattaboot vor und ließ 25 CFD-Modelle laufen, um die Werte für Widerstand und Auftrieb zu optimieren, bevor die Formen geschnitten wurden. Diese computergestützte Präzision zeigt sich in den Zahlen: Ein Verdrängungs-Längen-Verhältnis (D/L) von fast 97 und ein Segelfläche-Verdrängungs-Verhältnis (SA/D) von rund 31 heben das Boot weit über typische Serienyachten hinaus. (1)
Rigg und Handhabung
Der Mast ist aus Carbon, als 9/10-Fractional-Rigg mit zwei Salingen im 20°-Winkel zurückgepfeilt ausgeführt, und das stehende Gut besteht aus unverstärktem Edelstahlrohr. Ein getestetes Exemplar trug eine vom Eigner gewünschte, vereinfachte Version ohne Square-Top-Großsegel und ohne Traveller, lieferte jedoch dennoch ihren typischen Charakter. Probefahrer fanden sie absolut seglerisch und machten mit Geschwindigkeit sowie einfacher Handhabung jeden Steuermann glücklich – auch wenn sie auf den ersten Blick, besonders bei hoher Geschwindigkeit, etwas einschüchternd wirken kann. Sie besticht durch hohe Geschwindigkeiten, hervorragende Beschleunigung, überraschende Agilität und Stabilität. Bei 10 Knoten wahrem Wind erreichte sie sehr schnell bis zu 7,5 Knoten, und mit dem Code Zero knackte sie 9,1 Knoten; hoch am Wind lief sie unter diesen Bedingungen 6,6 Knoten und auf Halbwindkurs 7,7 Knoten. Unter einer Böe wurde eine Höchstgeschwindigkeit von 11,1 Knoten gemessen. Während einer Seetestschau bei 18–20 Knoten Wind hielt sie bei 30° scheinbarem Wind mit einem Reff stabil 7,8 Knoten und lief kursstabil, direkt und feinfühlig. Der Konstrukteur Biscontini behauptet, dass sie auf flachem Wasser bei 20 Knoten Wind 14 Knoten laufen kann. Der Motor, ein 40 PS Sdrive mit S-Antrieb, erreichte 7,2 Knoten bei 2400 U/min im Fahrtmodus und 8,7 Knoten bei 3000 U/min. (2)
Unterbringung
Unter Deck bricht das Boot mit der üblichen Gliederung. Die Innenräume umfassen einen riesigen, offen gestalteten Wohnbereich. Das Erscheinungsbild ist elegant und einladend, bleibt aber stets mit typischem Regatta-Flair. Die Achterkabine ist großzügig und traditionell aufgeteilt, während die Eignerkabine eine echte Suite darstellt, die bewusst nicht von der Wohnzone abgetrennt ist. Die Nasszelle ist riesig, funktional und hochwertig ausgestattet. Eine Rezension beschrieb einen im „Beach-Look“ gehaltenen Innenraum – minimalistisch, hell, voller Licht und Sofas –, der ungewöhnlich geräumig wirkt, da die Sichtlinie bis zum Bug reicht. Ein Schiebelamellenschott wurde konzipiert, um den Salon und die Vorschiffskoje nachts in eine geräumige Eignerkabine zu schließen. Bemerkenswerterweise führt der 14-Meter-Rumpf nicht zu maximaler Volumenkapazität: Wasserlinien und die Geometrie des Deckshauses arbeiten trotz der Länge gegen das verfügbare Innenraumvolumen.
Das Fazit
Die Advanced 44 ist ein seltenes Phänomen: Ein Serien-Einrumpfboot, das mit den Werkzeugen einer Regattayacht konstruiert wurde, aber auf Paare zugeschnitten ist, die das Segeln ohne vollbesetzte Crew genießen wollen. Sie belohnt einen erfahrenen Steuermann mit Geschwindigkeit und Gelassenheit, verlangt jedoch Respekt an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Der offene Achterschiffsbereich und die breite Plicht sind in der Bewegung aufregend und stellenweise etwas beunruhigend. Ihr Innenraum ist eine bewusste Abkehr von der Norm des geschlossenen Salon-Interieurs.
Vorteile
- Carbon 9/10-Rigg und Epoxid-Carbon-Sandwich-Konstruktion bei einer Leergewicht von nur 7 Tonnen
- Nachgewiesene Bögeschwinge von 11,1 Knoten und 9,1 Knoten im Code Zero-Lauf
- Offener, eleganter Nauta-Innenausbau mit Eignersuite und großer Nasszelle
- Stabiles, feinfühliges Kursverhalten, das auf Probefahrt gelobt wurde
Nachteile
- Kann bei hoher Geschwindigkeit einschüchtern und benötigt eine Crew, um ihr Bestes zu geben
- Wasserlinie und Deckshaus begrenzen das Innenraumvolumen trotz einer 14 m langen Rumpf
- Offene Achterseite und breite Plicht erfordern Vorsicht bei lebhaften Bedingungen






