Design und Konstruktion
Die Struktur der 44 spiegelt eine moderne Philosophie von Performance-Cruisern wider und nicht die eines rauen Regattaboots. Rumpf und Deck sind im Vakuuminfusionsverfahren mit Vinylesterharz hergestellt, wobei der Rumpf unter der Wasserlinie massiv aus Glasfaser besteht und das Überwasserschiff sowie das Deck mit Schaumkern versehen sind. Grand Soleil verklebt ein Verbundstoff-Gitterrohr mit dem Rumpf, um die Lasten von Kiel, Motor und auf dem Kiel stehendem Mast aufzunehmen. Ein Blick unter den Bodenbrettern offenbart robuste Gegenplatten und doppelte Nieten, mit denen alle Edelstahl-Kielbolzen gesichert sind. Eine 2-Zoll-Fußreling umgibt die Seitendecks, und die Rumpffenster sowie Luken lassen viel Tageslicht herein. Polli modellierte den Rumpf mit CFD-Software, und die daraus resultierenden Wasserlinien sorgen für eine reduzierte benetzte Fläche mit einem Heck, das sich zum Deck hin verbreitert, um Platz für Crew und Familie zu bieten. (1)
Rigg und Handhabung
Durch vier verschiedene Kielprofile kann sich der Eigner die 44 optimal auf Regatta- oder Fahrtreviere trimmen: ein Standard-Torpedo-Kiel aus Stahl und Blei mit 2,57 m Tiefgang, eine Flachkiel-Version mit 1,98 m Tiefgang, ein für den ORC optimierter Profilkiel mit 2,38 m Tiefgang und ein für den IRC optimierter Langkiel mit 2,89 m Tiefgang. Die Performance-Version ist mit einem hohen 21,94 m Aluminium-Sparcraft-Regattamast ausgestattet, wobei auch ein Carbon-Rigg verfügbar ist; der Mast ist nach achtern versetzt, um die J-Maßnahme zu vergrößern und so die Segelfläche zu erhöhen. Es werden zwei Bugspriete aus Kohlefaser angeboten – ein Standardmodell mit 0,97 m und ein Regattabugspriet mit 1,60 m – und die Schienen auf dem Kajütaufbau nehmen Genuas unterschiedlicher Größe auf. Die Leinen laufen unter dem Kajütaufbau nach achtern, ein über die gesamte Plicht reichender Traveller ist in den Boden eingelassen, und das Boot nutzt ein einzelnes Ruder mit Doppelsteuerstand und Jefa-Steuerung. In seiner Jury-Bewertung zum Boot des Jahres beschrieb Gerry Douglas das Rudergefühl als wunderbar und betonte, dass auf allen Kursen nur ein Finger am Rad erforderlich sei. Unter Segeln bei 12–16 Knoten Wind erreichte die 44 8,5 Knoten am Wind und 8,4 Knoten raumschots, wobei das Segeldurchsatz-Verhältnis (SOG) bei etwa 8,5 lag und Böen über 9 Knoten auftraten. (1)
Unterbringung
Der Innenraum von Nauta verleiht der 44 die Annehmlichkeiten einer vollwertigen Fahrtenyacht. Eine Eignerkabine im Vorschiff verfügt über eine Nasszelle mit Dusche; achtern teilen sich zwei Doppelkabinen für Gäste oder Regattakameraden eine Nasszelle mit Dusche an Steuerbord am Fuß des Niedergangs. Gegenüber dieser Nasszelle befindet sich eine U-förmige Pantry mit ein paar Kühlschränken, Stauraum und geschwungenen Arbeitsplatten. Die U-förmige Dinette bietet Platz für acht Personen, und der Tisch lässt sich zum Schlafen umklappen, während eine gegenüberliegende Sofakoje als weitere Kojje mit einer Navigationsecke am vorderen Ende dient. Lichter Eichenholz ist Standard, Teak optional. Die breite Plicht verjüngt sich nach achtern, und der Rollfock-Rollantrieb unter Deck liegt vor dem Kettenkasten. (1)
Bekannte Schwachstellen
Zwei Details im Zusammenhang mit der Handhabung wurden in den Testberichten kritisiert. Das Trommelfuhrwerk ist bei Problemen schwer zu erreichen, da die Öffnung des Backskisten-Laufs sehr eng ist. Zudem stört das Unterwant, das den Bugspriet trägt, beim Ankern oft im Weg. (1)
Refits und Eignerschaft
Der Standardmotor ist ein 50 PS Volvo Penta, während das gezeigte Boot einen 60 PS Volvo Penta Diesel mit Saildrive besaß, der bei 2.800 U/min 8,7 Knoten lief und vor Anker bei 2.000 U/min mit 7 Knoten Fahrt ging. Für die Performance-Version wird auch ein 75 PS Volvo Penta D2-75 angegeben. Das Regatta-Decks-Layout verlegt eine Winsch an jeder Steuerseite nach vorn zu den Sülls und fügt zwei Winschen auf dem Kajütdach hinzu, im Vergleich zur Performance-Ausstattung mit Selbstwendefock, doppelten deutschen Großschotleinen und einem Paar elektrischer Winschen direkt vor jeder Steuerseite. (1)
Das Fazit
Die Grand Soleil 44 ist ein echtes Boot mit zwei Persönlichkeiten: ein CFD-entwickelter Rumpf mit ORC/IRC-Pedigree und Mehrkiel-Konstruktion, der dennoch einen hellen, mit acht Kojen ausgestatteten Nauta-Innenraum beherbergt. Richter Ed Sherman bezeichnete sie als sehr gut gebautes Boot, und das Rudergefühl bestätigt die Regatta-Ambitionen, ohne auf das komfortable Layout für Fahrtensegler zu verzichten.
Vorteile
- Konfigurierbar als Fahrten- oder Regattayacht mit Fokus auf ORC/IRC
- Vakuuminfundierter Vinylester-Rumpf, Komposit-Lastgitter, robuste Gegenhalterung für die Kielbolzen
- Vier verschiedene Tiefgangskonzepte, Carbon-Bugspriete, hoher Sparcraft-Mast
- Helles Nauta-Dreikabinen-Layout mit acht Sitzplätzen im Salon und einer klappbaren Koje
- Leichtes, präzises Doppelsteuerungssystem, das von den Juroren geschätzt wurde
Nachteile
- Der enge Schranköffnung macht den Antriebsaufhängung des Rollantriebs schwer wartbar
- Das Vorstag des Bugspriets behindert das Ankern
- Die standardmäßige 50 PS ist im Vergleich zu den verfügbaren Optionen mit 60–75 PS bescheiden




