Variationen & Konfigurationen
Der Voyage 500 wurde in zwei primären Layout-Konfigurationen gebaut, die entweder auf den Charterbetrieb mit hoher Kapazität oder auf Langstrecken-Blauwasserreisen ausgelegt sind:
- Charterversion (4 Kabinen / 4 oder 5 Nasszellen): Das Standardlayout verfügt über vier gespiegelte Doppelkabinen mit Queensize-Kojen und jeweils eigener Nasszelle. Jede Kabine wird durch ein eigenes Bad mit Dusche bedient. Diese Konfiguration umfasst in der Regel zusätzliche Kojen im Bug (Vorpiekkabine) für eine professionelle Crew.
- Eignerversion (3 Kabinen / 3 Nasszellen): Auf dem Gebrauchtbootmarkt sehr begehrt, widmet dieses Layout den gesamten Steuerbordrumpf einer weitläufigen Eignersuite. Sie verfügt über eine Kingsize-Koje, einen integrierten Büroarbeitsplatz, eine riesige Nasszelle mit separater begehbarer Duschkabine sowie einen begehbaren Kleiderschrank oder einen Waschraum mit Anschlüssen für eine Waschmaschine. Der Backbordrumpf beherbergt zwei Doppelkabinen für Gäste, jeweils mit eigenen Nasszellen.
Bei beiden Versionen nutzt das Boot ein erhöhtes Pantry-Layout an Backbord im Hauptsalon. Diese Positionierung ermöglicht einen 360-Grad-Panoramablick durch die umlaufenden Fenster und hält gleichzeitig die soziale Verbindung sowohl zum Salon als auch zur Plicht aufrecht.
Unter der Wasserlinie ist der Voyage 500 mit festen, hydrodynamisch effizienten Flachkielen (Zwillingskiel) ausgestattet, die je nach Beladung und Modelljahr einen Tiefgang von 3,9 bis 4,5 Fuß aufweisen. Diese Kiele sind strukturell als Opferkiele ausgelegt, um die Ruder und Saildrives zu schützen, während sie es dem Boot ermöglichen, sicher trockenzufallen. Die Takelage besteht aus einem leistungsstarken 7/8-Slup-Rigg mit einer Durchfahrtshöhe von ca. 68,24 Fuß, was eine normale Passage unter den festen 65-Fuß-Brücken des US Intracoastal Waterway (ICW) verhindert.
Segelleistung & Handling
Der Voyage 500 gilt als echter „Segler-Katamaran“ und zeigt Segeleigenschaften, die ihn deutlich von typischen, rein auf Volumen optimierten Fahrtenkatamaranen abheben.
Das Segelfläche-Verdrängungs-Verhältnis (SA/D) von 26,84 weist auf einen außergewöhnlich leistungsstarken und leicht anspringenden Segelplan im Verhältnis zu seiner Trockenverdrängung von 22.708 Pfund hin. In der Praxis sorgt dieses hohe Verhältnis dafür, dass der Voyage 500 bei Leichtwind nicht träge wird. Er beschleunigt bei leichtem Wind schnell, sodass Eigner auch dann noch unter Segeln Fahrt machen können, wenn schwerere Fahrtenkatamarane bereits motoren müssen.
Diese Leistung wird durch ein niedriges Verdrängungs-Längen-Verhältnis (D/L) von 97.15 unterstützt. Dieser niedrige Wert spiegelt das extrem schlanke, strömungsgünstige Profil der Rümpfe und eine lange Wasserlinie von 47,1 Fuß (LWL) wider. Die Physik dieser Rumpfform sorgt für minimalen Wellenwiderstand. Das Steuergefühl ist direkt und präzise; das Boot läuft hervorragend kursstabil und überschreitet auf raumen Kursen oder beim Surfen auf Wellen problemlos seine theoretische Rumpfgeschwindigkeit von 9,19 Knoten.
Das Kenterungsverhältnis von 3,81 und die Komfort-Ratio von 9,09 beschreiben die physikalische Stabilität der Konstruktion. Obwohl diese mathematischen Formeln primär für Einrumpfboote optimiert sind, unterstreichen sie die enorme Anfangsstabilität des Katamarans, die sich aus seiner Breite von 27 Fuß und 1 Zoll ergibt. Das Boot segelt nahezu ohne Krängung, was der Crew eine sichere Plattform bietet. Obwohl breite Katamarane in kurzen, steilen Halbwindwellen eine schnelle, ruckartige Bewegung zeigen können, mildern der flache Kajütaufbau und die langen Rümpfe des Voyage 500 das Stampfen und Einsetzen in die Welle ab. Unter normalen Fahrtenlasten verhindert die großzügige Brückendecksfreiheit von rund 26 Zoll das heftige, strukturelle Schlagen des Brückendecks („Pounding“) bei Gegenwind.
Marktübersicht & Wirtschaftlichkeit
Der Voyage 500 besetzt eine klare Nische auf dem Markt für gebrauchte Katamarane, die durch ein geringes Angebot und eine hohe Wertstabilität gekennzeichnet ist:
- Anzahl der Inserate: 7 aktive Anzeigen weltweit.
- Medianpreis: 475.000 USD.
Da nur 40 Rümpfe gebaut wurden, erzielen gepflegte Exemplare – insbesondere privat genutzte Eignerversionen mit 3 Kabinen – Spitzenpreise. Käufer müssen jedoch die Betriebshistorie des Bootes genau prüfen.
Ehemalige Charterboote mit 4 Kabinen werden oft im mittleren 300.000-Dollar-Bereich angeboten, erfordern jedoch eine andere Kalkulation für das Refit. Eine Neumotorisierung eines älteren Modells, um die originalen Yanmar-Motoren mit 40 PS und hohen Betriebsstunden durch moderne Common-Rail-Diesel (wie zwei 57-PS-Yanmar-Motoren) und neue SD60-Saildrives zu ersetzen, kostet inklusive Werftarbeit in der Regel zwischen 45.000 und 60.000 USD. Ein umfassendes Blauwasser-Refit – einschließlich neuem stehenden und laufenden Gut, Segeltausch und einer kompletten Modernisierung der Elektronik – erfordert meist ein zusätzliches Budget von 50.000 bis 70.000 USD.
Bekannte Schwachstellen & Abhilfe
Obwohl der Voyage 500 im Kern äußerst robust gebaut ist, sollten potenzielle Käufer ihre Due Diligence auf einige dokumentierte technische Bereiche konzentrieren:
- Feuchtigkeit im Decks-Sandwichkern: Die Rümpfe sind unter der Wasserlinie aus massivem, handlaminiertem GFK gebaut (was Osmose minimiert) und über Wasser mit vakuumverklebtem, geschlossenzelligem PVC-Schaum versehen. Bei den Decksstrukturen und dem Kajütaufbau früherer Modelle wurde jedoch Hirnholzbalsa als Kernmaterial verwendet. Wasser kann durch unzureichend abgedichtete Relingstützen, Handläufe oder Lukendichtungen in den Kern eindringen. Zur Diagnose sind Abklopfen (Perkussionsprüfung) oder Thermografie erforderlich, um feuchte Bereiche zu lokalisieren. Die Reparatur erfordert das Aufschneiden des Laminats, das Entfernen des feuchten Balsaholzes, den Ersatz durch hochdichten Schaumkern und das anschließende Neulamminieren mit Epoxidharz.
- Verbindung der sekundären Schotten: Bei Chartereinheiten mit extrem vielen Betriebsstunden, die hart gesegelt wurden, kann die sekundäre GFK-Laminierung (Tabbing), mit der die Hauptschotten an die Rümpfe angebunden sind, unter Scherspannung leiden. Dies kann zu leichten Delaminationen oder Bewegungen führen. Alle vorderen Strukturschotten und Rumpfverbindungen müssen visuell auf Risse untersucht werden. Die Reparatur erfordert das Abschleifen des Gelcoats und das Aufbringen neuer Lagen biaxialen Glasgewebes mit strukturellem Epoxidharz.
- Rutschen der Yanmar SD50 Saildrives: Die Originalmotoren wurden häufig mit Yanmar SD50 Saildrives kombiniert. Diese Einheiten neigen aufgrund verglaster Konuskupplungen zu vorzeitigem Rutschen der Kupplung, was ein regelmäßiges Einschleifen der Messingkonen erfordert. Ein Upgrade auf das neuere Mehrscheiben-Nasskupplungssystem des Yanmar SD60 Saildrives ist die Standardlösung der Branche und kostet etwa 12.000 USD pro Seite.
- Risse im Achterliek des Großsegels: Das sportliche 7/8-Rigg nutzt ein durchgelattetes Großsegel mit großem Achterlieksrund (Square-Top). Im Charterbetrieb spannen unerfahrene Crews beim Reffen bei schwerem Wetter häufig das Fall zu stark, was zu horizontalen strukturellen Rissen entlang der Nähte direkt über den Reffpunkten führt.
Modernisierungen & Upgrades
Erfahrene Eigner führen häufig verschiedene sinnvolle Refits durch, um das Boot für autarkes Fahrtensegeln zu modernisieren:
- LiFePO4-Umstellung & Solar-Integration: Das große, flache Bimini über der Plicht ist eine ideale Montagefläche für Solaranlagen. Modernisierte Boote werden häufig mit 1.200 Ah bis 1.400 Ah 12V (oder dem 48V-Äquivalent) Lithium-Eisenphosphat-Verbraucherbänken (LiFePO4) ausgestattet, die mit dualen Victron MultiPlus 3000W Wechselrichter/Ladegeräten und bis zu 1.400 W an Solarpaneelen gekoppelt sind. Dieses Setup ermöglicht es, hocheffiziente 12V- oder 110V-Klimaanlagen über Nacht zu betreiben, ohne auf einen Dieselgenerator angewiesen zu sein.
- Motor-Upgrades: Viele ältere Rümpfe werden mit zwei 57 PS Yanmar 4JH57 Common-Rail-Dieseln in Kombination mit SD60-Saildrives und dreiflügeligen Falt- oder Drehflügelpropellern (z. B. Flexofold oder Autoprop) neu motorisiert. Dies optimiert die Marschfahrt unter Motor auf 9–10 Knoten bei sehr effizienten Verbrauchswerten.
- Verlängerung der Heckstufen (Sugar Scoops): Einige Eigner haben individuelle GFK-Arbeiten durchführen lassen, um die hinteren Heckstufen zu verlängern. Diese Modifikation schafft eine durchgehende Plattform hinter dem Beiboot, was das Einsteigen aus dem Tender oder das Zuwasserlassen des Beiboots erheblich sicherer und ergonomischer macht.
Das Fazit
Vorteile:
- Hervorragende Leistung: Das sportliche SA/D-Verhältnis (26,84) und das schlanke Rumpfdesign (D/L von 97,15) sorgen für hervorragende Beschleunigung bei leichtem Wind und zweistellige Geschwindigkeiten auf raumen Kursen.
- Robuste Bauweise: Schotten und strukturelle Einbauten sind direkt an den Rumpf laminiert (GFK-Tabbing) statt mit Innenschalen verklebt zu sein, was für eine immense strukturelle Steifigkeit sorgt.
- Geselliges & Funktionales Layout: Die erhöhte Pantry an Backbord und die Breite von 27,1 Fuß bieten einen sehr wohnlichen Innenraum mit Panoramablick.
- Hervorragende Formstabilität: Die große Breite und der niedrige Schwerpunkt minimieren Krängung und Rollen, sodass das Boot auch in rauer See ruhig liegt.
Nachteile:
- Einschränkungen durch Masthöhe: Eine Durchfahrtshöhe von 68 Fuß verhindert die normale Passage unter den festen 65-Fuß-Brücken des US Intracoastal Waterway (ICW).
- Schlagen des Brückendecks: Die flache Konstruktion des Kajütaufbaus kann bei kurzen, steilen Wellen von vorn zu Schlägen gegen das Brückendeck führen, insbesondere wenn das Boot schwer mit Fahrtenausrüstung beladen ist.
- Risiken durch hohe Charterstunden: Viele gebrauchte Modelle auf dem Markt haben eine intensive Charterhistorie hinter sich, was eine genaue Inspektion von Schotten, Motoren und Generatoren erfordert.
- Wartung der Saildrives: Die originalen Yanmar SD50 Saildrives erfordern eine häufige Wartung der Konuskupplung, sofern sie nicht auf moderne SD60-Einheiten aufgerüstet wurden.





