Rhodes griff auf seine eigene, erfolgreiche Linie klassischer Holz-Spitzgatter zurück und passte speziell seinen gefeierten Entwurf Dog Star von 1930 an (der wiederum aus seiner Ketsch Tidal Wave von 1926 hervorgegangen war). Während die Traveller 32 die ikonische Spitzgatter-Silhouette im Stil von Colin Archer und William Atkin beibehält, modernisierte Rhodes die Linien für die GFK-Serienproduktion. Um die Manövrierfähigkeit und die Leistung am Wind zu verbessern, reduzierte er den Vorfuß des Langkiels, entwarf ein hervorragend ausbalanciertes Kutterrigg und optimierte die Innenraumaufteilung für modernes Fahrtensegeln. Die Produktion begann 1970 auf der Ta Chiao-Werft in Taiwan. Nach einem Vertragsstreit – der durch das plötzliche Erscheinen der bemerkenswert ähnlichen CT 34 mit Kanuheck aus derselben Werft noch verschärft wurde – wurden die Produktionsformen etwa ab Baunummer 13 zur Ron Rawson-Werft nach Redmond, Washington, verlegt. Insgesamt wurden nur etwa 28 oder 29 dieser hochgeschätzten Taschen-Fahrtenyachten gebaut, was sie heute auf dem Markt zu einem außergewöhnlich seltenen und begehrten Fund macht. (1, 2)
Designkonzept & Zielsetzung
Die Traveller 32 wurde für den kompromisslosen Blauwassersegler gebaut, der ein Boot für weltweite Weltumsegelungen suchte, aber eine bessere Segelleistung forderte als die typischen schweren, untertakelten „Badewannen“ der Spitzgatter-Ära der 1970er Jahre. Die Designphilosophie von Philip Rhodes betonte klare, elegante und ausgewogene Linien. Während zeitgenössische Fahrtenyachten wie die Westsail 32 oder Hans Christian 33 auf enorme Breite und hohe Verdrängung setzten, um ihre Ausrüstung zu tragen, nutzte die Traveller 32 feinere, harmonischere Linien im Vorschiff und Heck. Dies brachte ihr Vergleiche mit leistungsstarken, schweren Klassikern wie dem Bristol Channel Cutter oder der Cape George 31 ein.
Die Innenraumaufteilung des Bootes wurde so optimiert, dass sie als funktionales Zuhause auf See und nicht als schwimmende Eigentumswohnung im Hafen dient. Die Standardaufteilung bietet eine geräumige V-Koje im Vorschiff, gefolgt von einer Nasszelle und einem Kleiderschrank. Der Hauptsalon zeichnet sich durch traditionellen, hochwertigen Holzinnenausbau mit Backbord- und Steuerbordsitzbänken und einem zentralen klappbaren Salontisch aus. Entscheidend war, dass Rhodes die Pantry nach achtern direkt neben den Niedergang an Backbord verlegte. So steht der Koch im Seegang sicher und profitiert gleichzeitig von einer hervorragenden Belüftung. (1)
Der Charakter des Innenausbaus variiert je nach Werft erheblich. Die auf der Ta Chiao-Werft in Taiwan gebauten Rümpfe zeigen den klassischen, detailreichen asiatischen Teak-Ausbau dieser Epoche. Die von der Ron Rawson-Werft fertiggestellten Boote weisen dagegen einen schlichteren, pragmatischeren amerikanischen Ausbau auf, der strukturelle Einfachheit, Langlebigkeit und einfache Wartung in den Vordergrund stellt. Beide Varianten bieten eine gemütliche, sichere Kajüte für den Hochseeeinsatz mit zahlreichen Handläufen, tiefen Staufächern und einem großen Bilgenvolumen. (1)
Varianten & Konfigurationen
Während die grundlegende Rumpfform und die Langkiel-Konfiguration über die gesamte Produktionszeit hinweg konstant blieben, änderten sich die strukturelle Ausführung und die Deckskonstruktion beim Übergang von der taiwanesischen zur amerikanischen Fertigung drastisch. (1, 2)
Frühe in Taiwan gebaute Rümpfe (ca. Baunummer 1 bis 12) wurden mit schweren Teakdecks auf einem Unterdeck aus GFK und Sperrholz konstruiert. Diese Boote weisen sehr viel Außenholz auf, darunter Fußreling, Handläufe und Kajütaufbaublenden aus Teak. Sie verkörpern die klassische Ästhetik, bringen jedoch auch den hohen Pflegeaufwand mit sich, der mit traditionellen Teakdecks verbunden ist. (1)
Die von Ron Rawson in Washington gebauten amerikanischen Versionen verfolgten einen anderen Ansatz bei Deck und Kajütaufbau. Diese Boote haben solide GFK-Rümpfe, die mit Decks aus GFK und Marinesperrholz verbunden sind, welche mit einer angeformten rutschfesten Struktur versehen wurden. Teakholz wurde nur sparsam eingesetzt, hauptsächlich im Cockpit und für notwendige Zierleisten. Diese Variante reduzierte den Wartungsaufwand erheblich und eliminierte die Tausenden von potenziellen Leckagen, die durch verschraubte Teakdecks entstehen. Obwohl das Kutterrigg der Standard-Segelplan blieb, haben einige Eigner ihre Boote auf eine vereinfachte Slup-Takelung umgerüstet. Die Kutter-Konfiguration ist jedoch nach wie vor weitaus besser geeignet, um das Boot über einen weiten Bereich von Windstärken auf See perfekt auszubalancieren. (1, 2)
Segelleistung & Seeverhalten
Die Segeleigenschaften der Traveller 32 werden durch ihre traditionellen, schweren Konstruktionsverhältnisse bestimmt. Bei einer Verdrängung von 14.200 Pfund und einer Länge in der Wasserlinie von 27,08 Fuß ordnet das Verdrängungs-Längen-Verhältnis (D/L) von 319,22 das Schiff eindeutig bei den schweren Fahrtenyachten ein. Diese hohe Verdrängung sorgt in Kombination mit einer beruhigenden Komfort-Ratio von 35,01 für ein außergewöhnlich weiches, berechenbares und angenehmes Seeverhalten. Das Boot setzt in der Welle nicht hart ein, sondern schneidet sauber durch das Wasser, was die Ermüdung der Crew auf mehrtägigen Passagen minimiert.
Das Kenterungsverhältnis von 1,68 liegt weit unter dem kritischen Schwellenwert von 2,0, was das hervorragende aufrichtende Moment und die hohe Stabilität bei schwerem Wetter unterstreicht. Der Ballast besteht aus 5.300 Pfund einlaminiertem Blei, was ein Ballast-Verdrängungs-Verhältnis (B/D) von 37,32 % ergibt. Dies führt zu einem steifen Boot, das viel Wind verträgt und seine Segelfläche noch trägt, wenn leichtere Küstenkreuzer längst reffen müssen.
Unter Segeln zeichnet sich das Boot vor allem durch seine hervorragende Balance aus. Das Segelfläche-Verdrängungs-Verhältnis (SA/D) von 15,85 deutet darauf hin, dass das Boot bei leichtem Wind (unter 8–10 Knoten) etwas untertakelt wirken kann und eine leichte Genua oder einen Gennaker benötigt, um Fahrt zu machen. Sobald der Wind jedoch zunimmt, zeigt sich die Genialität von Philip Rhodes' Rumpfform. Der Spitzgatter-Rumpf ist im Vorschiff und Achterschiff nahezu symmetrisch, was verhindert, dass das Boot bei Krängung starken Ruderdruck aufbaut. Eigner berichten, dass das Ruder bei gut getrimmtem Kutterrigg leichtgängig bleibt und das Boot mit festgesetzter Pinne meilenweit geradeaus läuft. Der reduzierte Vorfuß des Kiels verringert den Wendekreis im Vergleich zu einem traditionellen Langkieler erheblich, wenngleich das Manövrieren rückwärts unter Motor aufgrund des starken Radeffekts des am Spiegel aufgehängten Ruders eine Herausforderung bleibt. (1)
Marktübersicht & Wirtschaftlichkeit
Da nur eine geringe Anzahl der Traveller 32 gebaut wurde, tauchen sie nur selten auf dem Gebrauchtbootmarkt auf. Wenn sie angeboten werden, besetzen sie eine exklusive Nische und haben eine treue Fangemeinde unter Liebhabern klassischer Yachten. Sie bieten in der Regel ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis: Echte Blauwassertauglichkeit und ein renommierter Konstrukteur zu einem Bruchteil der Kosten eines vergleichbar großen Bristol Channel Cutter oder einer Pacific Seacraft.
Käufer müssen sich jedoch der Kosten für anstehende Refits bewusst sein. Da diese Schiffe inzwischen Jahrzehnte alt sind, ist der Kaufpreis nur die Eintrittskarte. Ein zukünftiger Eigner sollte ein solides Budget für eventuelle strukturelle Reparaturen, den Austausch des Riggs und Arbeiten am Einbaumotor einplanen. Der Unterschied zwischen einem in Taiwan gebauten Ta Chiao-Rumpf und einem amerikanischen Rawson-Rumpf spielt hierbei eine große Rolle: Ersterer erfordert mit größerer Wahrscheinlichkeit eine teure Sanierung des Teakdecks, während Letzterer zwar einfacher zu warten ist, dafür aber eventuell eine kosmetische Gelcoat-Restaurierung und Reparaturen am Kajütaufbau benötigt.
Bekannte Schwachstellen & Problemlösung
Die Hauptschwachstellen bei jeder älteren Traveller 32 betreffen die Deckskonstruktion und den ursprünglichen Einbaumotor.
Bei den in Taiwan gebauten Modellen sind undichte Teakdecks das häufigste und arbeitsintensivste Problem. Die Teakstäbe wurden mit Hunderten von Schrauben direkt im GFK-Sperrholz-Unterdeck befestigt. Im Laufe der Zeit versagen die Fugenmasse und die Teakpfropfen, sodass Wasser an den Schraubengewinden herabsickern und den Sperrholzkern rotten lassen kann. Zur Diagnose ist eine gründliche Feuchtigkeitsmessung der Decks und des Kajütaufbaus erforderlich. Die Behebung dieses Problems erfordert oft das Entfernen des alten Teaks, das Auskratzen des verrotteten Kerns, das Einlaminieren eines neuen Marinesperrholz- oder Schaumkerns und das anschließende Versiegeln des Decks mit GFK und rutschfester Decksfarbe. Auch die von Rawson gebauten Rümpfe sind nicht immun gegen Rott; alle Decksbeschläge, Püttinge oder Relingstützen, die nicht regelmäßig neu eingedichtet wurden, können Feuchtigkeit in den Sperrholzkern von Deck und Kajütdach einsickern lassen.
Ein weiterer wichtiger Prüfpunkt ist die originale Motorisierung. Viele Traveller 32 wurden mit einem 27 PS starken Pisces-Dieselmotor ausgeliefert. Dieser Schiffsmotor basierte auf einem marinisierten Zweizylinder-Isuzu-2AB1-Industriemotor für Gabelstapler. Während der Isuzu-Motorblock selbst extrem robust und zuverlässig ist, sind die von Pisces hinzugefügten marinen Komponenten – wie der Wärmetauscher, der wassergekühlte Abgaskrümmer und die Seewasserpumpe – längst nicht mehr in Produktion und fast unmöglich zu finden. Wenn der Motor vernachlässigt wurde, kann die Ersatzteilbeschaffung zu einer teuren Einzelanfertigung werden, weshalb ein kompletter Motortausch bei einem Refit oft die wirtschaftlichste Lösung ist.
Zudem hängt das am Spiegel aufgehängte Ruder an schweren Bronzebeschlägen (Fingerlingen und Ruderbeschlägen), die direkt durch den Achtersteven gebolzt sind. Diese müssen auf Spaltkorrosion, Haarrisse und ausgeschlagene Bohrungen untersucht werden, da diese gefährliches Spiel in der Ruderanlage verursachen können.
Modernisierung & Upgrades
Heutige Eigner bringen diese klassischen Kutter mit systematischen Upgrades unter Nutzung moderner Marinetechnologie erfolgreich ins 21. Jahrhundert.
Ein neuer Motor steht ganz oben auf der Prioritätenliste, wenn der alte Pisces-Diesel ausgetauscht werden muss. Die beliebtesten Optionen sind moderne, leichte Dreizylinder-Dieselmotoren wie der Beta Marine 30 oder der Yanmar 3YM30. Diese Motoren passen problemlos in den geräumigen Motorraum, laufen deutlich ruhiger und vibrationsärmer als die alten Zweizylinder-Blöcke und profitieren von einer weltweiten Ersatzteilversorgung. Einige Eigner haben den großen Motorraum auch genutzt, um auf einen Elektroantrieb umzurüsten, indem sie 48-Volt-Elektromotoren in Kombination mit großen Lithium-Eisenphosphat-Batteriebänken (LiFePO4) installiert haben.
Die Modernisierung des Bordnetzes ist ein weiterer Standard bei Refits. Die Umstellung der Verbraucherbank auf LiFePO4-Zellen ermöglicht es Eignern, leistungsstarke Verbraucher wie Kühlschränke und moderne Navigationselektronik zu betreiben, ohne das hohe Gewicht herkömmlicher Bleibatterien mitschleppen zu müssen. Dies wird meist mit Hochleistungslichtmaschinen, Ladereglern und Solarpaneelen kombiniert, die auf einem Geräteträger am Heck oder auf einem Bimini montiert sind.
Auch die Modernisierung des Riggs ist üblich. Um das Kutterrigg für Einhandsegler oder ältere Paare leichter bedienbar zu machen, rüsten Eigner den Mast häufig mit Lazy-Jacks oder einem kugelgelagerten Mastrutschersystem nach, um das Setzen und Bergen des Großsegels zu erleichtern. Der Ersatz der traditionellen Stagreiter-Vorsegel durch moderne Rollreffanlagen erhöht die Sicherheit erheblich, da die Crew bei schwerem Wetter nicht mehr auf das Vordeck muss.
Das Fazit
Die Traveller 32 ist eine elegante, äußerst seetüchtige und hervorragend ausbalancierte Blauwassertauglich Fahrtenyacht, die das Spätwerk von Philip Rhodes' legendärer Karriere markiert. Sie ist das Zeugnis einer Ära, in der Taschen-Fahrtenyachten mit feinen Linien und gutmütigen Rumpfformen statt mit maximalem Innenraumvolumen gebaut wurden. Für Segler, die eine seltene, seetüchtige und traditionelle Fahrtenyacht mit einem Stammbaum suchen, der in jedem Hafen die Blicke auf sich zieht, ist die Traveller 32 eine außergewöhnliche Wahl. (1)
Vorteile
- Hervorragendes Seeverhalten: Die hohe Verdrängung und die hohe Komfort-Ratio sorgen für eine unglaublich weiche, trockene und sichere Fahrt bei schweren Bedingungen auf See.
- Hervorragende Rumpfbalance: Das symmetrische Spitzgatter-Design hält den Ruderdruck gering und sorgt dafür, dass das Boot mit minimalem Aufwand Kurs hält.
- Hohe strukturelle Sicherheit: Einlaminierter Bleiballast und ein niedriges Kenterungsverhältnis garantieren hervorragende Stabilität und Sicherheit auf hoher See.
- Manövrierfähiger Langkiel: Der reduzierte Vorfuß bietet einen hervorragenden Kompromiss – er bewahrt die Kursstabilität eines Langkiels, bleibt aber in engen Häfen gut manövrierbar.
- Klassische Ästhetik: Traditionelle Linien, ein schönes am Spiegel aufgehängtes Ruder und der klassische Innenausbau machen sie zu einer der schönsten Spitzgatter-Yachten ihrer Zeit. (1)
Nachteile
- Extreme Seltenheit: Da weniger als 30 Rümpfe gebaut wurden, erfordert die Suche auf dem Markt viel Geduld und schnelles Handeln.
- Trägheit bei Leichtwind: Aufgrund des moderaten Segelfläche-Verdrängungs-Verhältnisses benötigt das Boot eine frische Brise oder spezielle Leichtwindsegel, um unter 10 Knoten Windstärke gut zu laufen.
- Hoher Pflegeaufwand beim Teakdeck: Frühe in Taiwan gebaute Versionen neigen zu undichten Teakdecks, was eine teure und arbeitsintensive Sanierung des Sperrholzkerns nach sich ziehen kann.
- Schwierige Ersatzteilversorgung beim Motor: Für den originalen 27 PS starken Pisces-Diesel sind marinespezifische Ersatzteile kaum noch zu bekommen, was oft einen kompletten Motortausch erforderlich macht.
- Schwieriges Rückwärtsfahren unter Motor: Wie bei den meisten Langkielern mit am Spiegel aufgehängtem Ruder erfordert das Rückwärtsfahren in engen Marinas Geschick, um den starken Radeffekt auszugleichen. (1)










