Design und Konstruktion
Die 36.1 markiert einen bewussten Schritt in der Ingenieurskunst der Werft: Ein Jahr vor ihrem Debüt wechselte die Schöchl-Werft von massivem Laminat zu einer Sandwich-Rumpfkonstruktion, und die 36.1 profitiert nachhaltig von diesem Wandel. Das Boot wird mit einer Verdrängung von rund 6,25 Tonnen und einem Ballast von 2,1 Tonnen angeboten – eine Zahl, die die Prüfung des Testers mit 2.050 kg und einem Ballast-Verdrängungs-Verhältnis von 35,3 % bestätigt, was das Boot steif im Wind halten sollte. Ihr feiner Bug, ausgeprägter Deckssprung und der tiefe Vorfuß sind Formgebungslösungen, die für ein gutes Seeverhalten sorgen sollen. Die RCD-Kategorie A und der STIX-Wert von 49,6 der Werft ordnen sie fest in die Klasse der hochseetauglichen Boote ein. (1)
Rigg und Handhabung
Unter Segeln trägt die 36.1 etwa 60 Quadratmeter Segelfläche – ein 32 m² Großsegel und eine 28 m² Genua – mit einem Segelfläche-Verdrängungs-Verhältnis von fast 19,7 und einem moderaten Verdrängungs-Längen-Verhältnis von rund 166, was ihr ein leichtes, ausgewogenes Gefühl verleiht. Für das Leichtwind-Segment der Modellreihe wird ein Roll-Code Zero angeboten. Der Segelplan ist für kleine Crews konzipiert: Die Großschot und die Fockschot laufen zu einer Primärwinsch im bequemen Bereich des Rudergängers, sodass das Boot einhand manövriert werden kann, während die übrigen Segelkontrollen als praktischer Kompromiss für seltener benötigte Anpassungen auf dem Kajütdach platziert sind. Bei schwacher Brise erreichte das Testboot immer noch 5,4 Knoten, ein Ergebnis, das der Tester als Beweis für die richtige Balance ansah. Das Jefa-Steuerungssystem wurde gelobt, obwohl sich das feinfühlige Steuerrad für den Tester gerade an der Fingerspitze befand; er hätte sich jedoch auch für das etwas größere optionale Rad entscheiden können. (2)
Unterbringung
Unter Deck wird die 36.1 in zwei Innenraum-Styles angeboten – „Elegance“, dem würdevolleren Konzept, und „Avantgarde“, der kühleren und bedauerlicherweise grünlich getönten Version, von der sich der Tester eher abraten würde als von der cremefarbenen Polsterung von „Elegance“ und dem wärmeren Holz. Die Aufteilung bietet eine große Nasszelle an Steuerbord des Niedergangs, die Pantry an Backbord sowie zwei geräumige Doppelkojen im Vorschiff und Achterschiff. Ein geformter Holztisch im Salon erhebt sich sanft gewellt aus dem Boden und ist an den Enden abgerundet; große Fenster im Kajütaufbau fluten den Salon mit Licht und zeigen die harmonisch verleimten Holzarbeiten in der Pantry. Schiebetüren geben den Zugang zur Vorschiffskabine und den Nasszellen. Der klappbare Spülbeckendeckel ist an Backbord eine clevere Lösung, er schließt jedoch das Verstellen des inneren Wasserhahns aus, sodass jedes Wasser auf der Arbeitsfläche sofort abläuft. Ein kleiner Kritikpunkt: Die Belüftung im Salon ist recht dürftig, was darauf hindeutet, dass das Boot auf nordeuropäischen Törns besser aufgehoben ist als beim Ankern in tropischen Gewässern. (1)
Refits und Eignerschaft
Käufer einer gebrauchten 36.1 werden ein Boot mit klarer Generationenidentität vorfinden – von Nissen entworfen, in Österreich gebaut und deutlich anders als die späteren Kooperationen der Werft mit J&J oder Kiska. Die beiden Innenraumvarianten bedeuten, dass der Käufer genau angeben sollte, welche Ausstattung das Boot besitzt. Die herabhängende Badeplattform im Waschbrett-Stil und die durchdachte Stauung der Backskisten wurden als Meisterleistungen des Decks ausgezeichnet, und die vom Kajütaufbau geführten Segelkontrollen halten die Upgrade-Pfade für Einhandsegler einfach.
Das Fazit
Die Sunbeam 36.1 ist eine durchdacht konstruierte Fahrtenyacht, die reine Geschwindigkeit gegen Gelassenheit, einfache Handhabung mit kleiner Crew und ein helles, gut verarbeitetes Innenraumkonzept eintauscht. Ihr Sandwich-Rumpf und der hohe Ballastanteil vermitteln ein hohes Maß an Sicherheit, und das einhandfreundliche Rigg macht sie zu einem realistischen Eignerschiff und nicht zu einem crewabhängigen Wochenendboot.
Vorteile
- Nachfolgerin der preisgekrönten 34 mit Nissens auf Fahrttauglichkeit ausgelegtem Rumpf
- Sandwich-Konstruktion und ein Ballastanteil von 35 % sorgen für hohe Steifigkeit und Langlebigkeit
- An die Winsch des Rudergängers geführte Schoten ermöglichen einfache Einhand-Manöver
- Zwei Innenraumvarianten und ein lichtdurchfluteter, hochwertig ausgestatteter Salon
Nachteile
- Mäßige Salondurchlüftung schränkt den Komfort in warmen Klimazonen ein
- Das klappbare Spülbecken verdeckt die inneren Knöpfe der Pantry
- Das Standardrad ist für manche Steuermänner zu klein





