Design und Konstruktion
Mit einer Deckslänge von 28 Fuß, einer Wasserlinie von 22 Fuß 11 Zoll und einer Breite von 9 Fuß 6 Zoll weist die Shannon 28 eine Verdrängung von 9.300 Pfund und einen internen Bleiballast von 3.400 Pfund auf. Der Rumpf ist als Langkiel ausgeführt, im Achterschiff leicht ausgeschnitten für ein direkteres Rudergefühl und bessere Wendemanöver, wobei das am Spiegel aufgehängte Ruder weiter achtern positioniert ist, um die Manövrierbarkeit zu unterstützen. Shannon baute diese Yachten ohne Kompromisse bei den Kosten; die Rumpf-Deck-Verbindung nutzt eine innere Flanschverbindung, die mit Dichtmasse verklebt und im Achterausrichter (acht Zoll Abstand) verbolzt ist. Schotten sind mit GFK-Bändern durch den Kern gebunden und anschließend mit kontinuierlichem Laminatband (Tabbing) gesichert. Die Decks wurden mit einem Balsaholzkern konstruiert, doch Shannons Sorgfalt beim Anbringen der Decksbeschläge sorgt dafür, dass Delaminationen aufgrund von Undichtigkeiten untypisch sind. Ein Vorbehalt: Diese Boote stammen aus einer Zeit vor dem Einsatz von Vinylesterharzen und Epoxid-Sperrschichten durch die Werft, sodass Osmoseblasen bei fehlenden Sanierungen eine reale Gefahr darstellen können. (2)
Rigg und Handhabung
Die Shannon 28 ist als Kutter getakelt mit einem Segelplan von 470 Quadratfuß und einem Segelfläche-Verdrängungs-Verhältnis von 17, was für solide Leichtwindleistung sorgt und das Boot auch bei kleinerer Segelfläche gut ausgewogen hält. Der ursprüngliche Kutter trug ein Stagsegel an einer Club-Bom, die Walter Schulz später als praktisch unbrauchbar bezeichnete; seine Überarbeitung zum Scutter-Rigg platzierte eine 75-prozentige Arbeitsfock am Bugspriet und eine 150-prozentige Genua achtern – eine Konfiguration, die ab 1995 bei der gesamten Marke eingeführt wurde. Auf dem Wasser machen der ausgeschnittene Kiel und das achtere Ruder das Boot sehr manövrierfähig, und es kommt erst richtig in Fahrt, wenn der Wind zunimmt. Der 15 PS starke Zweitakt-Yanmar-Diesel unter dem Cockpitdeck ist für 9.300 Pfund eher knapp dimensioniert, obwohl der Wartungszugang über den Backskiste und die Niedergangsstufen akzeptabel ist. (2)
Unterbringung
Die gängigste Aufteilung bietet Platz für vier Personen mit einer 1,96 m langen V-Koje im Vorschiff, gegenüberliegenden Sofakojen im Salon – jeweils etwa 1,52 m lang mit Fußluken durch das vordere Schott, sodass sich ein Erwachsener ausstrecken kann – und einer Pantry an Steuerbord sowie einer Nasszelle an Backbord achtern. Die Stehhöhe im Salon beträgt 1,83 m. Eine optionale „C“-Aufteilung verlegte die Nasszelle nach vorn und fügte eine Doppelkoje in der Achterkabine an Backbord hinzu. Eine Rezension bewertete die Pantry als die beste aller 28-Fuß-Fahrtenyachten, und die 2,13 m große Plicht zusammen mit den breiten Seitendecks sorgen für sicheren Bewegungsspielraum an Deck. Ein großes rautenförmiges Gegenradprofil sorgt für das von dieser Rezension als sicherste Decksgeometrie in dieser Größenklasse bezeichnete Profil. (2)
Bekannte Schwachstellen
Das Hauptproblem bei der Shannon 28 sind Osmoseblasen, die bei Nichtbehandlung wahrscheinlich irgendwann auftreten. Rezensenten berichten, dass sie keine schwerwiegenden Fälle gesehen haben, aber ein Käufer sollte damit rechnen, den Gelcoat des Rumpfes genau zu inspizieren. Schulz war mit der Pinne oder dem Steuersäulen-Steuerstand der 28s nie zufrieden und fand, dass beide die Bewegungsfreiheit in der Plicht einschränkten. Spätere Umbauten, wie bei Rumpf Nr. 47 „Truman“, setzten auf eine Edson-Radsteuerung mit Zahnstangenrad in einer Spiegelsteuerbox. (2)
Refits und Eignerschaft
Da Shannon bis in die späten 1990er Jahre hinein Custom-Bauten anbot, variieren der Zustand nach einem Refit erheblich. Die Exemplare der MKII zeigen umfangreiche Erneuerungen – neuer Gelcoat für Rumpf und Deck, neu gelackte Rümpfe, neue Elektrik und Beleuchtung, ein frisches Wassersystem mit Druck, sowie neue Sprayhoods und Bimini. Trumans, Schulz' eigener Rumpf Nr. 47, erhielt einen Mack Stackpack mit Volllatten, einen Simrad Autopiloten mit Fernbedienung sowie einen Raytheon Radar und Plotter im Vorschiffskomplex. Eigner, die die Osmoseprophylaxe und die Steueranlagen regelmäßig modernisieren, besitzen eine kleine, ernsthafte Hochsee-Yacht mit einer lückenlosen Stammbaum-Historie. (1)
Das Fazit
Die Shannon 28 ist eine echte, hochseetaugliche kleine Fahrtenyacht mit einer bewiesenen Transatlantik-Historie und einer Werft, die bei der Bauweise keine Kompromisse einging. Die geringe Stückzahl und die Langlebigkeit als Custom-Bau machen jedes Exemplar zu einem Unikat. Doch das Kernkonzept – ballastlastig, manövrierfreudig und gut aufgetakelt – belohnt den aufmerksamen Käufer.
Vorteile
- In Amerika speziell für anspruchsvolles Fahrtensegeln auf See unter 30 Fuß gebaut
- Der durchgehende, ausgeschnittene Kiel und das achtere Ruder sorgen für echte Manövrierbarkeit
- Das Kutterrigg balanciert sich gut beim Reffen; die Evolution zum Scutter verbessert den Einsatz des Vorsegels
- Sicheres Deck mit rutschfester Bodenplatte und breiten Seitendecks
- Guinness-gelistete Einhand-Historie im Atlantik (1)
Nachteile
- Der 15 PS starke Diesel ist für eine Verdrängung von 9.300 lb marginal dimensioniert
- Die Konstruktion im Vinylester-Vorläufer-Verfahren führt bei mangelnder Behandlung zu Osmoseblasen
- Die originale Pinne/Pedalsteuerung wird als störend im Cockpit kritisiert (2)











