Design und Konstruktion
Von ihrem sanften Löffelbug bis hin zu einem perfekt ausgewogenen Hecküberhang liest sich die 37 wie eine traditionelle Fahrtenyacht. Unter der Wasserlinie ist sie jedoch ein schneller Rumpf mit dem typischen langen Flossenkiel und einem tiefen Kanu-Unterwasserschiff. Der Kiel ist mit Blei ballastiert und vollständig einlaminiert (eingegossen). Dieses traditionelle Merkmal sorgt für komfortables Fahrtensegeln und ermöglicht es praktischerweise, große Tanks in der Bilge unterzubringen. Ein Skeg-aufgehängtes Ruder war bei der Konstruktion von entscheidender Bedeutung. Rustlers Ansatz ist, dass ein Ruder, egal wie solide der Spiegel ist, bei einer Kollision mit etwas Hartem das Boot beschädigen kann. Der Kompromiss zwischen Handling und Sicherheit wurde durch den Einsatz eines Halbskegs-Ruders gefunden. Die Rumpfform und -konfiguration reduzieren das Einsetzen in die Wellen (Slamming), und das vordere Rumpfteil sorgt für eine sanfte Bewegung am Wind in kabbeliger See, ohne dass das Boot hart aufschlägt. (1)
Der Innenraum ist aus einem kleinen Wald aus massivem Eichenholz – als Standard europäische Eiche – aufgebaut und von geschickten Tischlern montiert und veredelt worden. Hinter jedem Schraubenkopf befindet sich eine Messing-Manschette, um das feine Holz und die Bronzebeschläge überall zu schützen. Schotten, Querwände und Möbel sind mit Rumpf und Deck laminiert. Die Fähigkeit zur Custom-Bauweise der Rustler-Werft bleibt ihr größter Charme: Die Werft legt einen ganz persönlichen Fokus auf die Bedürfnisse der Kunden, ermutigt Eigner dazu, während des Baus vorbeizukommen, und stellt ein Team pro Boot ab, damit das Projekt immer persönlich bleibt.
Rigg und Handhabung
Die Rustler 37 verfügt über einen leicht zu bedienenden Segelplan mit Standard-Einleinen-Reffsystem und allen Leinen, die zurück ins Cockpit geführt sind. Das Kajütdach ist flach und bietet guten Halt beim Gehen zur Mastspur. Eine im Cockpit liegende Großschot ist optional erhältlich. Auf dem Wasser fand das Magazin Yachting Monthly sie sehr solide und stabil mit einer ruhigen Bewegung, die jede Welle wie ein sanftes Zurückfallen in eine tiefe Daunendecke aufnimmt. Sie braucht etwas Zeit zum Beschleunigen bei Böen, behält aber ihren Weg und lässt sich kaum bremsen – sie krängt sanft, nimmt dann Fahrt auf und läuft weiter. Der lange Flossenkiel sorgt für gute Kursstabilität, und sobald sie auf ihre Überhänge krängt, verringert sich das hohe Verdrängungs-LWL-Verhältnis so weit, dass sie mit überraschender Geschwindigkeit nach Luv abdriftet. Bei Tests erreichte sie kurzgeschoten 7 Knoten und auf raumen Kursen im mittleren 8er-Bereich, gelegentlich sogar über 9 Knoten. Selbst bei 30 Knoten Wind auf dem Deck ging sie nie aus dem Ruder oder überlastete die Radsteuerung. Die Übersetzung und Sensibilität der Jefa-Ruderanlage kann variiert werden; das Ruder ist leicht bei einem Vierteldreh von einer Kante zur anderen. (2)
Unterbringung
Unter Deck bietet die Rustler 37 einen hervorragenden Fahrten-Innenraum mit hochwertigem Innenausbau und einer Aufteilung, die Raum, Komfort und Praktikabilität ausgewogen vereint. Der große, C-förmige Salon ist gesellig gestaltet und kann von sechs Personen am Tisch belegt werden; das Steuerbordsofa lässt sich mithilfe von doppelten Kojenboxen zu einer Wachkoje umbauen. Der Salon bietet im Sommer viel natürliches Licht und sorgt bei kälterem Wetter für Gemütlichkeit. Die Vorschiffskabine wurde vom Eigner entworfen und verfügt über eine breite Koje, tiefe nutzbare Stauräume, einen Kartenschrank in voller Größe unter der Koje und Schlaffächer hinter dem Kopfteil; ein zweiter kompakter Nassbereich mit klappbarem Waschbecken ist dort optional. Die Pantry ist großzügig und sicher gestaltet mit reichlich Stauraum, einer gut funktionierenden Arbeitsplatte sowie cleveren Griffleisten – sie ist sogar größer als die der Rustler 42, behält aber ein seetüchtiges Layout bei. Ein nach vorn gerichteter Kartentisch mit Instrumentenkonsole bietet bequeme Sitzplätze für sicheres Arbeiten bei rauen Bedingungen. Die Achterkabine ist dunkel und kompakt, bietet jedoch auf beiden Luv- und Leeseiten eine nutzbare Seekoje für die Wache außerhalb des Dienstes.
Cockpit und Deck
Das Cockpit ist komfortabel und bietet guten Halt, anstatt riesig zu sein – es eignet sich perfekt für eine kleine Crew. Die Süllsitze liegen auf Brusthöhe für zusätzliche Sicherheit. Die Sicht vom Steuerstand ist gut, mit einer klaren Linie zu den Windfängen an Leeseite und komfortablen, sicheren Sitzen auf dem Süll an Luv – obwohl man sich auf der Luvseite etwas strecken muss, um an das relativ kleine Rad zu gelangen. Das tiefe Cockpit blieb bei getestetem Sprayhood nach unten trocken. An den Bugseiten befinden sich zwei robuste, große Rollen; die Bugrolle lässt sich an Steuerbord verstauen und muss beim Liegen am Steg hochgezogen werden. Es gibt keine Badeplattform, sodass das Beiboot von achtern mittschiffs über eine abnehmbare Edelstahl-Leiter an Bord genommen wird.
Refits und Eignerschaft
Obwohl es sich nicht um ein Custom-Bau-Projekt handelt, lässt sich so viel anpassen, dass das Boot wie maßgeschneidert wirkt – von der Anpassung der Stauräume bis hin zur Vermessung des Eigners für die Mastfußhöhe. Der Motor ist zentral über dem Kiel in einer Box mit Zugangsschalen montiert und kann vollständig demontiert werden; der Warmwasserbereiter steht auf einem A-Frame für leicht zugängliche Sanitärleitungen, und die Hütte verfügt über einen nach achtern gerichteten Sitz zum Ausziehen von Schlechtwetterausrüstung sowie einen eigenen feuchten Stauraum neben den Stufen. Es wird empfohlen, die Bauweise genau zu beobachten – ein Eigner berichtete, dass er seinen Rumpf direkt aus der Form heraus beobachtet und fasziniert war.
Das Fazit
Die Rustler 37 ist eine praktische und gut durchdachte, ernsthafte Fahrtenyacht, die Raum und Komfort mit Sicherheit und Seetüchtigkeit verbindet. Sie belohnt mit passendem Verhalten, anstatt zu überfordern. Sie ist perfekt auf ein Paar unter Deck abgestimmt und gibt das nötige Vertrauen für Törns auf See.
Vorteile
- Tiefer Kanu-Rumpf und eingegossener Längs-Flossenkiel dämpfen die Wellenkräfte und sorgen für hohe Kursstabilität
- Individuelle Werftbetreuung mit Einbindung des Eigners in ein persönliches Bauteam
- Sicheres, fein abgestimmtes Innenraumkonzept mit einer großen, seetüchtigen Pantry und einer Eignerkabine im Vorschiff
- Leicht zu bedienendes, aus der Plicht geführtes Rigg mit Einleinen-Reffsystem
Nachteile
- Die Achterkabine ist klein und dunkel; die Nasszelle etwas eng für das Duschen im Hafen
- Keine Badeplattform; das Einsteigen ins Beiboot ist nur achtern von mittschiffs möglich
- Kein geräumiges Boot voller Gadgets für Segeltörns mit einer großen Crew










