Design und Konstruktion
Der Rumpf besteht aus massivem, handaufgelegtem GFK, während das Deck einen Balsakern aufweist, der im eigenen Prisma-Injektionsverfahren von Jeanneau hergestellt wird. Diese Technik ermöglicht es der Werft, die Menge an Harz im Produkt genau zu kontrollieren. Ein GFK-Gitter, das in den unteren Rumpfbereich eingelassen ist, nimmt die Lasten des Riggs und des Kiels unter Segeln auf und stützt Schränke, den Boden der Kabine und andere Unterdeckstruktur. Das einzelne Ruder trägt einen Komposit-Ruderstock. Über der Wasserlinie runden geschwungene Kanten an Deck, zahlreiche Luken und Fenster sowie integrierte Antirutschmuster, die von Testern als mehr als ausreichend befunden wurden, ein praktisches, modernes Fahrtenboot ab. (1)
Rigg und Decksplan
Das Segeln wird durch einen innovativen Decksplan vereinfacht. Der zweifach gesaligte, an Deck stehende Mast wird von 1×19 Edelstahlwanten und einem manuell einstellbaren geteilten Achterstag gestützt, wobei die Püttinge innen neben dem niedrigen Kajütaufbau positioniert sind, damit die Seitendecks frei bleiben. Ein deutsches Großschotsystem führt zu Winschen und Fallstoppern an jeder der beiden Steuerstände, und die Genuaschienen liegen in eingelassenen Führungen auf dem Kajütdach, sodass sie unter den Füßen nicht im Weg sind. Probefahrer fanden es unmöglich, Großsegel und Fock gleichzeitig von einer Seite aus zu trimmen, da dieselben Winschen auch die Genuaschoten bedienen. Die Primärschoten auf dem getesteten Boot waren elektrische Harken Rewind Radial-Schotführungen, die mit einem Knopfdruck sowohl schneiden als auch unter Last fieren, und eine geschlossene Leinenbox befindet sich direkt außerhalb von jedem Rad. (1)
Leistung unter Segeln und Motor
Segeltestler beschrieben die 439 als ein absoluten Genuss zu segeln – stabil und so agil, wie es nötig ist. Sie schnitt durch kurzes, steifes Kabbelwasser, anstatt sich darüber hinwegschlagen zu müssen. Beim Wenden ging sie mühelos durch den Wind, und unter Motor leistete sie bei allen Anforderungen hervorragende Arbeit, selbst wenn sie quer zum Wind fuhr, rückwärts lief oder Figuren-Einsame im Vorwärts- und Rückwärtsgang nach Belieben drehte. Bei etwa 23 Knoten Wind und ohne tiefgreifende Trimm-Arbeiten fühlte sie sich im Test übermäßig stark besegelt, was daran erinnert, dass der Riggtrimm auf einem 21.253 Pfund schweren Rumpf mit 6.285 Pfund Standardballast eine große Rolle spielt. (1)
Unterbringung
Die Aufteilung ist recht konventionell und wird mit zwei, drei oder vier Kabinen angeboten. Achtern befindet sich entweder eine Einzelkabine oder zwei Doppelkojen; im Vorschiff liegt entweder eine große Eignerkabine mit Schreibtisch oder eine kleinere V-Koje. Der Salon ist geräumig und komfortabel, mit einem Tisch und einer umlaufenden Sofakojüte an Steuerbord; der Tisch lässt sich flach mit der Koje absenken, um eine Doppelkoje zu bilden. Eine L-förmige Pantry an Steuerbord des Niedergangs ist so ausgerichtet, dass Speisen nach vorn oder den Niedergang hinaufgereicht werden können, und liegt nahe genug am Niedergang, um sich beim Kochen bei schwerem Wetter daran abstützen zu können. Die Stehhöhe beträgt 6 Fuß 5 Zoll, mit einer Vorschiffskoje von 6 Fuß 8 Zoll mal 4 Fuß 8 Zoll und einer Achterkoje von 6 Fuß 7 Zoll mal 4 Fuß 11 Zoll. Probefahrer bemerkten ein breites Cockpit mit freier Durchfahrt achtern zwischen den beiden Steuerständen zu einer absenkbaren Badeplattform und einem Badeleiter.
Optionen und Ausrüstung
Neben dem standardmäßigen Yanmar mit 54 PS bot Jeanneau optional den patentierten 360 Docking an, der einen nach achtern versetzten klappbaren Saildrive-Stützfuß und einen seitlichen Strahlruderantrieb vorne über eine einzige Joystick-Konsole steuert. Zwei Ankerrollen reichen fast wie ein kleiner Bugspriet weit vorn über den Vorsteven hinaus, und das Boot besitzt die CE-Zertifizierung der Kategorie A10/B11/C12 für Hochseetauglichkeit.
Das Fazit
Die Sun Odyssey 439 ist eine durchdacht moderne Fahrtenyacht: ein breiter Knickspant-Rumpf mit einem hervorragenden Decksaufbau-Prozess, ein unkompliziertes Decks-Layout und ein komfortables, klassisches Interieur, das sich von zwei bis vier Kabinen skalieren lässt. Sie segelt souverän und läuft präzise unter Segeln, obwohl das Layout mit gemeinsamer Winsch eine kraftvolle Trimm-Sequenz erfordert, bei der die Crew im Blick behalten werden muss.
Vorteile
- Solider, handaufgelegter Rumpf mit ressourcenschonendem Deck mit Balsakern
- Innenschotten-Püttinge und eingelassene Genuaschienen halten das Deck frei
- Geräumiger Salon mit Kojenbett und praktischer U-förmiger Pantry
- Agil unter Segeln und präzise unter Motor auf engem Raum
Nachteile
- Gemeinsame Winschen verhindern den gleichzeitigen Trimm von Großsegel und Fock von einer Seite aus
- Fühlte sich bei 23 Knoten Wind ohne ordnungsgemäße Rigg-Tuning übermäßig stark an







