Design und Konstruktion
Der Rumpf und das Deck der 370 sind aus handaufgelegtem, triaxialem Knittrigg-Faserverbundstoff gefertigt, wobei das Deck mit PolyCore statt mit organischen Materialien laminiert ist. Der Rumpf wird durch ein internes Gittersystem gestützt, und die Rumpf-Deck-Verbindung ist verbolzt und mit einem Urethan-Dichtstoff verklebt. Die Decksbeschläge sind mit Aluminium-Hilfsplatten durchgebolt – ein Detail, das die Absicht der Werft für eine langfristige strukturelle Integrität unterstreicht. Vor einigen Jahren ersetzte Designer Bob Johnson die traditionellen Spiegel von Island Packet durch gerundete Hecks (Scoop-Stern), die eine große Plattform nahe der Wasserlinie bieten. Das Deck zeigt das bekannte, hervorragende rutschfeste Profil mit exzellenten Griffpunkten dort, wo sie benötigt werden. Ein hohes Fußreling und komplett aus GFK gefertigte Cockpitsenkel spiegeln ein pflegeleichtes Konzept wider, das durch pflegeleichte Edelstahl-Geflechtgänge im Innen- und Außenbereich sowie weniger Teakholz als bei früheren Modellen verstärkt wird; das gesamte externe Teakholz wurde mit Cetol behandelt. (1)
Rigg und Handhabung
Das Boot ist als Kutter getakelt, wobei ein Rollgroßsegel im Mast mittlerweile Standard ist. Mit dem Mastfurlung-Rigg geht eine erhebliche Flächenverlust einher, da der Achterliek gerade gefahren werden muss, obwohl die Gesamtsegelfläche inklusive Stagsegel immer noch 75,3 Quadratmeter beträgt. Der leicht erreichbare Baum und die Leinenkisten zur Reduzierung von Schleppleinen zeigen ein Deck, das für die Bedienung mit kleiner Crew ausgelegt ist. Island Packet macht dies richtig, indem es die Fallen von Vorsegel und Stagsegel am Mast lässt. Das Testboot war mit dem optionalen Hoyt-Baum für das Vorsegel und dem Stagsegel sowie einer Muir-Ankerwinde ausgestattet. Auf dem Wasser stellten die Testsegler einen kleinen Wendekreis fest, das Boot kam sicher zum Stehen und rückwärts, und es gab keinen Rückschlag des Propellers nach außen. Das Boot ging problemlos über etwa 90 Grad und erreichte etwa dieselbe Geschwindigkeit wie auf Höhe am Wind, obwohl der hohe Bug selbst bei leichtem Querwind einsetzen kann. Die Nadelsteuerung (Rack-and-Pinion) ist seit langem ein Vertrauensmerkmal von Island Packet, und das neueste Lewmar-Cobra-System auf dem Testboot war eine deutliche Verbesserung. (1)
Unterbringung
Unter Deck ist der riesige Salon der 370 mit praktischen Stauräumen für Karten, Bücher und den täglichen Bedarf an Bord gefüllt. Die Pantry ist effizient gestaltet, bietet reichlich Stauraum und eine Doppelspüle, die leicht versetzt zur Mittellinie steht. Ein über den Kiel gekühlter Kühlschrank ist ein einfaches, effizientes und problemloses System, das nur wenige Werften anbieten. Die Vorschiffskabine verfügt über eine große Inselbett-Doppelkoje mit gutem Zugang von den Seiten. Die Nasszelle besitzt eine Duschkabine und viel Bewegungsfreiheit, wobei die Türen sowohl zum Salon als auch zur Vorschiffskabine führen. Die versetzte Doppelkoje in der Achterkabine lässt sich mit einer Trennwand zu einer geeigneten Seebucht umbauen. Die Navigationsecke ist in die Achterkabine integriert und verfügt über einen Durchgang zum Salon. Der elektrisch betriebene, verstellbare Navigationssessel und die Halogenscheinwerfer mit Dimmer sorgen für angenehmen Komfort. Die Navigationsecke selbst verfügt jedoch nicht über ein eigenes Schaltbrett – Sicherungskasten und Instrumente befinden sich hinter einer Schranktür. Die Cockpit-Sitze sind sehr komfortabel mit gut angewinkelten Rückenlehnen, und die großen Backskisten haben innere Verriegelungen, sodass sich auch ein eingeschlossener Crewmitglied befreien kann.
Motor und Systeme
Der Yanmar-Diesel befindet sich tief im Kielschacht, und auf dem Testboot stand reichlich Leistung zur Verfügung – bei 3.000 U/min wurden 7 Knoten Bootsgeschwindigkeit erzielt. Die tiefe Platzierung des Motors im Rumpf trägt zur Gewichtsverteilung des Bootes bei, wird in den Unterlagen jedoch außerhalb der Position nicht näher beschrieben. Die Entscheidungen für die Elektrik und die Kühlung spiegeln eine Vorliebe für Einfachheit wider: Die Kielkühlung befreit den Kühlschrank von der Abhängigkeit von Ventilator und Seewassersieb, und die Schalteranordnung hält die Navigationsecke frei, allerdings auf Kosten des Fernzugriffs.
Das Fazit
Die Island Packet 370 ist eine speziell für Langstrecken konzipierte Fahrtenyacht, die das Erbe der Marke auf ein handliches Format von 38 Fuß komprimiert. Ihre Konstruktionsdetails, die Decksergonomie und die Staukapazitäten unter Deck sind ganz auf das Leben an Bord bei Langstreckenfahrten ausgerichtet und nicht auf Regatta-Leistung. Die optionalen Kutter-Optionen erweitern zudem ihre Flexibilität bei Leichtwind und im engen Raum.
Vorteile
- Handaufgelegter, triaxialer GFK-Rumpf mit Deck im PolyCore-Kern und einer verbolzten, verklebten Rumpf-Deck-Verbindung
- Heckausbau mit ausgezeichnetem Rutschfester, hohem Fußreling und innenliegenden, arretierbaren Schränken für die Sicherheit der Crew
- Kielgekühlte Kühlbox und Mastfurlung serienmäßig; gut durchdachte Kabelführung für kleine Crews
- Zuverlässiges Rückwärtsfahren und kleiner Wendekreis ohne Propellerstoß; die Steuerung über Rack-and-Pinion wurde am Testboot verbessert
Nachteile
- Erheblicher Verlust der Segelfläche durch das serienmäßige Mastfurlungssystem
- Der hohe Bug fingert bei Manövern leicht in Seitenwinde ein
- Die Navigationsecke verfügt über kein Schalttafel-Paneel an der Frontseite
- Die tiefe Motorplatzierung im Kielschacht erschwert den Zugang







