Design und Konstruktion
Frers’ Handschrift ist in den Proportionen des Rumpfes unübersehbar: Eine Wasserlinie von 61,6 Fuß bei einer Länge über alles von 69,6 Fuß verleiht der 70 einen langen, schlanken Rumpf mit einem Ballast-Verdrängungs-Verhältnis von knapp unter 39 Prozent und einer Komfort-Ratio im oberen Drittel der Dreißiger. Diese Werte ordnen das Boot eindeutig zu den robust gebauten Hochsee-Fahrtenyachten und nicht zu leichten Performance-Booten. Der Schwertkiel ist das prägende Merkmal – sie hat bei aufgeholtem Schwert einen Tiefgang von knapp über acht Fuß und sinkt bei abgesenktem Schwert auf einen Tiefgang von 11 Fuß 10 Zoll, wodurch sie sich in flachen Ankerbuchten einsetzen lässt, aber auf See ihre Segelfläche voll ausreizen kann. Hylas’ eigene Bauweise für diese Klasse kombinierte massives, handaufgelegtes GFK mit Aramidfaserschichten in Vinylesterharz. Die Rumpf-Deck-Verbindung bestand aus einer nach innen gerichteten Flanschverbindung, die chemisch verklebt und durchgebolzt wurde, bevor sie überlaminiert wurde. (1)
Rigg und Decksbedienung
An Deck bietet die 70 zwei Steuerstände achtern der Sitzplicht und einen Schritt höher – eine Aufteilung, die die Sicht auf das Ruder frei hält über einen geräumigen Achterdeckbereich, der groß genug für ein Spielbett ist. Das Rigg ist als Masttoppslup mit einem Leisure Furl-Großbaum ausgeführt, in den das Großsegel eingeholt wird; dessen Mander wird von einem Hydraulikmotor angetrieben. Jenseits des Baums läuft alle Decksausrüstung – Winschen, Ankerwinden und Rollanlagen – hydraulisch, unterstützt durch zwei zentrale Hydraulikpumpen. Eine Einschränkung, die man beachten sollte: Die Winschen können nicht ferngesteuert werden. Eine Segelfläche von 2.400 Quadratfuß auf einem 75.000 Pfund schweren Rumpf ergibt ein Segelfläche-Verdrängungs-Verhältnis (SA/D) von 21,5, was für ein Boot dieser Größe moderat ist und zu ihrem Charakter als Fahrtenyacht passt. (1)
Unterbringung
Unter Deck dient der Kommandostand des Schiffes gleichzeitig als Navigationstisch und Arbeitsplatz – ein aussagekräftiger Hinweis auf eine Yacht, die für lange Passagen mit anspruchsvollem Routenplanungsaufwand konzipiert ist. Die Bodenbretter bestehen aus hellem Bambus, was dem Volumen eines 70-Fuß-Rumpfes mit einer Breite von 18 Fuß einen hellen Kontrast verleiht. Die Größe des Achterdecks, die bereits erwähnt wurde, setzt sich im Innenraum fort, der eher auf den Komfort beim Wohnen an Bord als auf minimalistisches Regattasegeln ausgelegt ist. (1)
Das Fazit
Die Hylas 70 ist eine durchdacht konstruierte Fahrtenyacht für Großboote: Frers’ Rumpflinien, ein Hubkiel für variable Tiefgangsmöglichkeiten und ein stark hydraulisiertes Decks-Layout, das die Arbeitsbelastung der Crew verringert – allerdings auf Kosten einiger Einschränkungen bei der Fernsteuerung. Ihre Konstruktion und ihr Komfort spiegeln ein ernsthaftes Offshore-Konzept wider.
Vorteile
- Schwerttiefgang von knapp über 2,50 m bis zu 3,60 m für Flachwasser- und Hochsee-Einsatz
- Zwei erhöhte Steuerstände mit hervorragender Sichtlinie und großem Achterdeck
- Vollhydraulische Decksanlagen mit redundanten Zentralpumpen
- Frers-Design mit hohem Ballast- und Komfort-Ratio für Langstrecken-Fahrtensegeln
Nachteile
- Die Winschen können nicht ferngesteuert werden
- Die Abhängigkeit von Hydraulik bedeutet Systemkomplexität im Vergleich zu manuellen Backups





