Design und Konstruktion
Robert Harris entwarf die Vancouver 36 als Blauwasser-Ozeankreuzer, und es wurden nur 13 Exemplare gebaut, was sie zu einem vergleichsweise seltenen Entwurf macht. Durbeck's Inc in Sarasota, Florida, begann 1977 mit dem Bau, ging jedoch 1983 bankrott; Hidden Harbor Boatworks, ebenfalls in Sarasota, setzte den Entwurf fort, bis auch dieses Unternehmen Ende der 1980er Jahre schloss und die Produktion einstellte. Eine Version mit Pilothouse erschien 1987. Der Rumpf ist aus massivem GFK mit einer Stärke von 1,25 Zoll und einem Airtex-Kern, das Deck ist ebenfalls aus massivem GFK mit minimalem Teakholz-Überzug. Werftboote verließen die Form in drei Fertigungsstufen – als Rumpf-und-Deck-Kit zum Selbstaufbauen, mit installiertem Motor oder komplett einsatzbereit –, was bedeutet, dass ein gebrauchtes Exemplar völlig unterschiedliche Ausstattungsstände aufweisen kann. Der Testsegler Richard Sherwood beschrieb den Einstieg als fein, die Kimm als hart und die maximale Breite weit achtern, während Richard Jordan eine kraftvoll gerade, geneigte Bugspitze, einen Kanuheck und einen aufgesteppten Kajütaufbau bemerkte, der die Form der Decksplicht der 42-Fuß-Schwester entspricht. (1)
Rigg und Handhabung
Das Kutterrigg trägt 685 Quadratfuß Segelfläche unter Aluminiumspieren mit einem Bermuda-Großsegel. Der Traveller der Großschot sitzt auf dem Kajütdach und schert mittschiffs im Baum, während die Wanten innenliegend montiert sind und die Genua außen am Fußreling geführt wird – eine praktische Aufteilung, die das Vordeck für das Arbeiten mit kleiner Crew frei hält. Ein Rad steuert das am Kiel montierte Ruder. Jordan fasste sie als „unkomplizierten Panzer“ zusammen, der dafür da ist, Strecke zu machen, eine schwere und starke Blauwasser-Fahrtenyacht und keine Leichtwind-Sprinterin. Der 35 PS starke Volvo MD17C Diesel ist für Hafenmanöver und Anlegemanöver gedacht, aber Jordan bezeichnete den Motor in dieser Konfiguration als erbärmlich untermotorisiert – ein ernstzunehmender Nachteil angesichts der Masse von 18.000 Pfund des Bootes. (1)
Unterbringung
Unter Deck wurde die Vancouver 36 mit verschiedenen Kabinenaufteilungen angeboten, aber das typische Layout bevorzugt ein komfortables Wohngefühl auf Langstrecke vor maximaler Anzahl an Kojen. Eine große Bugkabine mit einer Doppelkoje an Backbord führt nach achtern zu einer Werkbank auf derselben Seite und einer großen Nasszelle mit Dusche. Die Hauptkabine bietet zusätzlich eine Sofakoje an Backbord und eine Wachkoje an Steuerbord, sodass insgesamt vier Personen schlafen können – Sherwood betonte, dass diese ungewöhnliche Aufteilung für die Langstrecke und nicht für viele Passagiere konzipiert sei. Die Pantry befindet sich achtern an Steuerbord am Fuß der Niedergangstreppe und ist mit einem dreiflammigen Herd sowie einer 12 Kubikfuß großen Kühlbox ausgestattet; eine Navigationsecke liegt an Backbord. Ungewöhnlich für ein 36-Fuß-Boot verfügt die Kabine über einen Kamin. Der Stauraum ist großzügig bemessen: ein Ankerkette-Luk und ein großer Segelschrank im Vorschiff sowie ein weiterer großer Segelschrank, eine Feuchtigkeitskiste und ein Motorraum hinter dem Niedergang. Die Bodenbretter der Kabine sind mit 2 Zoll Dicke besonders robust, und die Belüftung erfolgt über vier Decksluken und zwei Masttoppluken. Das Cockpit ist bewusst klein gehalten – es bietet Platz für vier Personen –, um so viel Innenraum wie möglich freizugeben.
Bekannte Schwachstellen
Die größte Einschränkung im Betrieb ergibt sich aus der Prüfung des Alters: Der installierte Volvo-Diesel wird allgemein als unzureichend für das Bootsgewicht angesehen, weshalb Käufer mit mäßiger Leistung im Hafen rechnen sollten.
Refits und Eignergeschichte
Da die Boote ab Werft entweder als Bausatz, teilweise fertig oder komplett ausgeliefert wurden, variiert die Eignergeschichte enorm in Bezug auf den Erhalt des Originalzustands. Die Wassertanks mit 140 Gallonen und die Kraftstofftanks mit 65 Gallonen deuten darauf hin, dass lange Törns geplant waren, und die Pilothouse-Variante erweitert die Zielgruppe dieses Entwurfs für Fahrtensegler in kalten Revieren. Das Boot von Harris wird oft mit der späteren, nicht verwandten Vancouver 36 von Tony Taylor aus Großbritannien verwechselt; das Harris-Design wird meist mit seinem Namen gekennzeichnet, um sie klar voneinander zu unterscheiden.
Das Fazit
Die Vancouver 36 (Harris) ist eine kleine Serien-Blauwasser-Ketsch mit echtem Offshore-Herz: ein robuster Sandwich-Rumpf, ein langer Kiel und eine Kabine, die für Wochen auf See ausgelegt ist und nicht nur für das Wochenend-Aufgebot. Der Motor ist ihr schwächster Punkt, und die Herkunft spielt angesichts des Baus als Bausatz im Vergleich zur fertigen Serienversion eine große Rolle.
Vorteile
- Schwere, robuste Blauwasser-Konstruktion mit Sandwich-Rumpf mit 1,25-Zoll-Schaumkern
- Durchdachter Innenraum für Langstreckenfahrten mit eigener Nasszelle, Kamin und großen Tankkapazitäten
- Kutterrigg mit innenliegenden Wanten, ideal für das Segeln mit kleiner Crew
Nachteile
- Der Volvo MD17C-Diesel wird als für eine Verdrängung von 18.000 lbs kläglich untermotorisiert beschrieben
- Nur 13 Einheiten gebaut; die Selbstbaulösung führt zu ungleichmäßigen Originalausstattungen bei den überlieferten Booten
- Die kleine Plicht und nur vier Kojen schränken den Charterbereich ein






