Design und Konstruktion
Rumpf, Deck und sogar das Bimini der Victoria 67 sind infundiert und im Sandwichbauweise gefertigt. Dieses Konstruktionsverfahren hält das Gewicht niedrig und sorgt gleichzeitig für hohe Steifigkeit bei einer sehr großen Struktur. Fountaine Pajot baut mit den branchenüblichen Verfahren des Vakuuminjektierens und des manuellen Laminierens in seiner großen Werft nahe der französischen Atlantikküste. Das Gesamtdesign stammt von Berret-Racoupeau und dem FP-Designteam, während der Innenraum von Isabelle Racoupeau im Stil eines „urban-chic“ gestaltet wurde. Das Ergebnis, so die Rezensenten, ist eine der geräumigsten und komfortabelsten Serien-Segelboote, die sie je gesehen haben – geprägt durch helles, laminiertes Holz und einfache, attraktive Stoffe im Testboot. (2)
Rigg und Segelbedienung
Der Segelplan ist auf viel Leistung ausgelegt, mit mehr als 190 Quadratmetern zwischen Großsegel und Genua. Mast und Baum sind aus Aluminium von Marechal, und das große Square-Topped-Großsegel am Testboot wurde vom französischen Riggbauunternehmen Incidences gebaut. Fountaine Pajot installierte eine umfangreiche Batterie von Antal-Winschen, darunter motorisierte Einheiten an Backbord und Steuerbord für die Fockschoten sowie eine große motorisierte Winsch für das Großsegel, Reffpunkte und den Traveller, wobei alle Leinen zum Mittelpunkt der Konsole am hydraulischen JP3-Steuerstand geführt werden. Eine Facnor-Vorsegelrolle ist Standard, und der Gennaker wird auf einer flexiblen Rollanlage vor dem Vorsegel gefahren. Auf der Flybridge übernimmt eine Bank aus vier Antal-Winschen die Leinen für Großsegel, Traveller, Reffleinen sowie die Schoten von Genua und Gennaker, während der Steuermann unter einem Bimini sitzt und alle Segelkontrollleinen direkt zur Hand hat. (1)
Leistung unter Motor und Segeln
Unter Motor verhält sich die Victoria 67 gutmütig. Das Boot wird von zwei 110 PS starken Volvo-Motoren mit herkömmlichen Wellenantrieben angetrieben. Der Tester maß bei beiden Motoren im normalen Cruisingbetrieb bei 2.200 U/min eine Geschwindigkeit von 8,4 Knoten, wobei der Geräuschpegel mit nur 63 dBA außergewöhnlich niedrig war. Der Wendekreis ohne Differentialschaltung beträgt etwa eine Bootslänge, und das Boot führt die „Cat Pirouette“ perfekt aus, wenn die Motoren in entgegengesetzte Richtungen laufen. Dies macht das Manövrieren in engen Häfen für ein Schiff dieser Größe ungewöhnlich gutmütig. Unter Segeln bei leichtem Wind – rund 6 Knoten – pendelte sich die Geschwindigkeit auf dem Speedometer nahe 5 Knoten ein, was für eine schwere Fahrtenyacht respektabel ist.
Unterbringung
Das Testboot war die Eignerversion der Maestro. Bei dieser Aufteilung nimmt eine riesige Eignersuite mit einer großen Nasszelle den größten Teil des achteren Backbordrumpfes ein, während eine vordere Kabine mit zwei Einzelkojen für Kinder oder Gäste bereitsteht; der Zugang zu den Kabinen des anderen Rumpfes erfolgt über einen privaten Durchgang im Cockpit. Der Steuerbordrumpf bietet drei Kabinen mit Doppelkojen, jeweils mit eigener Nasszelle und Dusche, während auch ein Crew-Layout mit drei Kabinen in jedem Rumpf sowie einer doppelten Crewkabine im Vorschiff an Backbord verfügbar ist. Der Salon bietet eine Stehhöhe von 6 Fuß 10 Zoll und erstreckt sich vom Cockpit mit einer gepolsterten Sonnenliege, die sich über den Spiegel erstreckt, bis hin zu einem Teak-Esszimmertisch für 10 Personen. Eine nach vorn gerichtete Navigationsecke im Salon stellt eine zweite vollständige Ausstattung mit Kartenplotter, Autopilot und Kommunikationselektronik bereit.
Ausrüstung und Systeme
Die Verbraucher der Bordbatterie arbeiten mit 24 Volt, während die Motoren 12 Volt benötigen. Große Solaranlagen auf dem Deck können die Victoria 67 vor Anker tagsüber elektrisch autark machen. Ein fortschrittliches verteiltes Energiemanagementsystem – ein Vorreiter für andere Boote – ermöglicht es einer zentralen Steuerkonsole, den Stromverbrauch zu überwachen und zu diagnostizieren. Alle Innen- und Navigationsscheinwerfer sind LED. Das Standard-Navigations- und Elektronikpaket stammt von Garmin. Die Pantry des Testbootes war mit einem Bosch-Kühlschrank sowie einem Smeg-Herd und Kochfeld ausgestattet, während die Flybridge einen Indel-Kühlschrank beherbergte.
Das Fazit
Die Victoria 67 ist ein durch und durch moderner Flaggschiff-Katamaran, der einen bewährten Rumpf mit Sandwichbauweise mit einer wirklich cleveren Kraft- und Raumaufteilung verbindet. Es ist ein Boot, das für den komfortablen Betrieb durch eine kleine Crew oder ein Eigner-Crew-Team gebaut wurde, und seine Eigneraufteilungen bieten bemerkenswert viel privaten Raum, ohne unübersichtlich zu wirken.
Vorteile
- Außergewöhnlich leise und wendig unter zwei Volvo-Motoren mit je 110 PS
- Geräumiges Eigner-Layout mit einer großen privaten Suite und vier Gästekabinen
- Hochentwickeltes 24-Volt-Verteilersystem mit Überwachung und Deck-Solarautarkie
- Gut organisierte Winch-Anordnung auf der Flybridge mit elektrisch betriebenem Antal-Gear für das Segeln mit kleiner Crew
Nachteile
- Das Testboot fehlte ein Stagsegel, was die Flexibilität bei leichtem Wind im Vergleich zu einigen Konkurrenzmodellen einschränkte
- Die große Breite und die Flybridge-Struktur erfordern trotz guter Pivot-Funktion eine sorgfältige Wahrnehmung beim Anlegen
