Design und Konstruktion
Der Rumpf ist aus massivem GFK gefertigt, und ein solcher GFK-Rumpf erfordert während der Segelsaison nur minimale Wartung. Das Unterwasserprofil wird durch den Langkiel geprägt, der nicht aus Eisen, sondern aus Blei gegossen ist. Die höhere Dichte von Blei – etwa 44 Prozent schwerer als Eisen – ermöglicht es den Konstrukteuren, einen kompakteren Kiel zu verwenden. Dies reduziert die benetzte Fläche und bringt etwas Geschwindigkeit ohne dass die Kursstabilität, die ein Langkiel von Natur aus bietet, eingeschränkt wird. Der Kompromiss ist real: Diese Stabilität macht das Manövrieren in engen Marinas etwas unhandlicher. Mit einem Tiefgang von rund 2,0 bis 2,1 Metern je nach Beladung ist sie auf tiefere Häfen beschränkt und kann nicht in die flachen Ankerplätze einfahren, die ein Boot mit Flossenkiel erreichen könnte. (1)
Rumpfform und Leistungseigenschaften
Die Zahlen hinter der Bianca 28 beschreiben eine bewusst schwere, schlanke Fahrtenyacht. Ihr Verhältnis von Länge zu Breite (L/B) von 3,23 bedeutet, dass sie schmaler ist als 73 Prozent vergleichbarer Entwürfe, und es scheint, als habe der Konstrukteur innerhalb dieses schlanken Rahmens eine etwas schnellere Rumpfform gewählt. Das Verdrängungs-Längen-Verhältnis (D/L) von 282 ordnet sie zu den „schweren Fahrtenyachten“ ein, wobei nur 34 Prozent ähnlicher Boote schwerer eingestuft sind. Diese Masse sorgt zusammen mit einer moderaten Wasserlinienfläche für eine geringe Beschleunigung, aber für ein ruhigeres Seeverhalten – die Komfort-Ratio von 20,1 liegt knapp unter dem Durchschnitt der Klasse und macht das Boot komfortabler als 46 Prozent ähnlicher Segelboote. Ihr Ballast-Verdrängungs-Verhältnis verleiht ihr einen überdurchschnittlichen Krängungswiderstand, und ein Kenterungsverhältnis von 1,99 würde sie allein nach dieser Formel für Hochseeregatten qualifizieren. (1)
Rigg und Segelhandhabung
Sie ist als Masttoppslup getakelt, und das stehende sowie laufende Gut entsprechen der skandinavischen Praxis dieser Epoche. Der Referenz-Segelplan zeigt ein Segelfläche-Verdrängungs-Verhältnis von 14,6, das mit einer 135-prozentigen Genua auf 17,5 ansteigt. Nach diesem Maßstab ist sie bei leichtem Wind schneller als 31 Prozent ähnlicher Boote, doch die Daten zeigen auch, dass sie mehr Rigg trägt als nur 10 Prozent ihrer Altersgenossen – was bedeutet, dass sie für ihre Verdrängung deutlich untertakelt ist. Die relative Geschwindigkeit wird mit 38 bewertet, womit sie vor 38 Prozent vergleichbarer Konstruktionen liegt. Die Längen von Fallen und Schoten sind gut dokumentiert: Großsegel- und Vorsegelfall sind etwa 73 Fuß lang mit einem Durchmesser von 5/16 Zoll, die Schoten von Fock und Genua etwa 27,5 Fuß lang mit 3/8 Zoll und die Großschot 69 Fuß lang mit 3/8 Zoll.
Unterbringung
Unter Deck ist die Bianca 28 mit fünf Kojen und einer Pantry ausgestattet. Diese Aufteilung eignet sich hervorragend für eine kleine Familie oder zwei Paare auf Küstenfahrten. Der schwere Verdrängerrumpf, der ihre Beschleunigung dämpft, sorgt zudem für ein ruhiges Verhalten im Salon vor Anker und unter Segeln.
Bekannte Einschränkungen
Die größte Hürde ist der Tiefgang. Bei knapp über 1,98 m beladen ist sie fast ausschließlich in großen Marinas einsetzbar, und das Langkiel-Profil, das sie auf Kurs hält, macht das Manövrieren im engen Raum in beengten Häfen tatsächlich deutlich schwieriger. Ihr ungetakeltes Segelplan bedeutet, dass sie bei einer Brise nicht so schnell ins Gleiten kommt wie ein leichteres, höheres Boot.
Das Fazit
Die Bianca 28 ist eine durchdacht proportionierte kleine Fahrtenyacht aus der dänischen GFK-Tradition der Mitte der 1970er Jahre: schlank, schwer und kursstabil mit einem langen Bleikiel, der die Agilität im engen Hafen gegen Stabilität auf See eintauscht. Sie ist ein ehrliches Boot für Küstenfahrten und moderate Distanzen für Eigner, die ein stabiles Seeverhalten und einfache Rumpfwartung über Sprintgeschwindigkeit oder flachen Revierzugang stellen.
Vorteile
- Der lange Bleikiel sorgt für eine bessere Kursstabilität als ein Flossenkiel
- Das überdurchschnittliche Ballastverhältnis macht das Boot sehr krängungsfest
- Der GFK-Rumpf erfordert nur minimale saisonale Pflege
- Das Kenterungsverhältnis würde sie nach den Formeln für Hochseeregatten qualifizieren
Nachteile
- Der tiefe Tiefgang schränkt sie auf große Marinas ein
- Der lange Kiel erschwert das Manövrieren im engen Hafen
- Bei ihrer Verdrängung deutlich untertakelt
- Komfort-Ratio knapp unter dem Durchschnitt der Klasse









