Design und Konstruktion
Die von den Mitarbeitern gehaltene Werft von Amel, geprägt durch Henri Amels Schenkung von Anteilen an seinen Arbeitern im Jahr 1980, baute die 55 als solide GFK-Einrumpfyacht mit einem Flossenkiel mit 2,20 m Tiefgang und einem Skeg-aufgehängten Ruder. Die langjährige Erfahrung der Werft beim Laminieren von Deck und Rumpf direkt im Formling fließt in dieses Modell ein, wodurch eine einzige wasserdichte Außenhaut entsteht statt einer verbolzten Verbindung. Vier vollständige Innenschotten – darunter ein vordere Kollisionsschott mit einer wasserdichten Tür – werden eingeklebt, während der Rumpf noch im Formling liegt. Ein eingeformtes Polyurethan-Tekkdekor vermeidet Leckagen und Wartungsarbeiten bei verlegtem Holz. Der Propeller sitzt im Heckausleger des Kiels, was jegliches Propellerwalk ausschließt und die Antriebswelle vor Schäden durch Grundberührung schützt. Jedes elektrische System verfügt über einen manuellen Notbetrieb, und der Wartungszugang ist bewusst so angelegt, dass routinemäßige Checks einfach und unkompliziert möglich sind. (1)
Rigg und Handhabung
Die 55 ist mit einem Ketsch-Rigg ausgestattet, das 1.366 Quadratfuß Segelfläche trägt, und Testsegler fanden sie extrem leicht zu segeln. Diese Einfachheit bringt jedoch Einschränkungen bei der Handhabung mit sich: Kritiken aus der damaligen Zeit wiesen darauf hin, dass das Boot nicht besonders schnell ist und die Ruderpinne selbst in den besten Zeiten träge ansprach. Bei zu viel Segelfläche – insbesondere mit zu viel Besan – wurde das Steuerrad sehr schwer, was daran erinnert, dass das geteilte Rigg einen ausgewogenen Trimm statt eines überladen Segels verlangt. Das Fehlen einer Propellerwelle (Propwalk) für den im Kiel eingebauten Propeller verändert die Dynamik beim Anlegen, und Amel liefert serienmäßig ein aufholbares Bugstrahlruder mit 12 PS, um den Verlust von Rudereizen bei niedriger Geschwindigkeit auszugleichen.
Unterbringung und Leben an Deck
An Deck bietet die 55 eine Sonnenterrasse zum Abtrocknen nach dem Schwimmen und eine Dusche auf der Badeplattform, während die Backskiste großzügig dimensioniert ist, um viele Spielzeuge zu fassen. Ein Cockpittent kann ausgeklappt werden, um den Bereich bei schlechtem Wetter abzuschirmen, und LED-Lichter sind im Deckhaus, an den Salingen und am Heck des Besanmasts platziert. Kameras an den Salingen ermöglichen es, den Ankerrollenhalter und den Rumpfboden vor dem Festmachen eines Liegeplatzes von der Plicht aus zu inspizieren. Unter Deck wurde das Boot ab Werft mit Klimaanlage, Heizung, Geschirrspüler, Mikrowelle, wassergefüllten Nasszellen sowie TV- und Stereoanlagen ausgeliefert – ein Inventar, das auf Paare zugeschnitten ist, die Ozeane überqueren wollen, ohne Zwischenstopps für die Ausrüstung einlegen zu müssen.
Das Fazit
Die Amel 55 ist eine durchdachte Fahrtenyacht für die Langstrecke und keine Regattayacht. Ihre Konstruktion schließt die typischen Schwachstellen von Rumpf und Deck aus, ihr kielgeschützter Propeller und das serienmäßige Bugstrahlruder sorgen für gute Kontrolle bei geringer Geschwindigkeit, und die Standard-Komfortausstattung ermöglicht es dem Käufer, direkt an Bord zu gehen und sofort loszufahren. Die Kompromisse liegen in einem mäßigen, manchmal schweren Rudergefühl und einer bescheidenen Geschwindigkeit auf gerader Strecke unter Segeln.
Vorteile
- Einzelne, wasserdichte Monocoque-Rumpf-Deck-Konstruktion mit vier laminierten Schotten
- Propeller am Kieltrailingedge eliminiert das Propellerleerlaufgebiet und schützt die Ausrüstung vor Grundberührungen
- Serienmäßiger 12 PS einziehbarer Bugstrahlruder, vollständige manuelle Backups, einfacher Wartungszugang
- Ab Werft installierte Klimaanlage, Heizung, Geschirrspüler, Mikrowelle, Bordtoiletten mit Frischwasser und AV
Nachteile
- Unter Segeln nicht besonders schnell
- Das Rudergefühl ist träge und wird bei zu viel Tuch durch überdimensionierte Besan sehr schwer






