Design und Konstruktion
Brewers Handschrift ist unübersehbar an einem Rumpf mit einer Verdrängung von 43.500 Pfund auf 18.000 Pfund Ballast zu erkennen. Mit einer Länge von 55 Fuß und einer Breite von 15 Fuß 5 Zoll vermittelt das Volumen die Präsenz eines großen Bootes. Der Kiel wird als Flossenkiel mit 6 Fuß 10 Zoll Tiefgang oder als Flachkielvariante mit 5 Fuß 7 Zoll Tiefgang angeboten. In einem Artikel für das Canadian Boating bemerkte der Konstrukteur, dass die Verarbeitungsqualität aus der Werft in Whitby in dieser Zeit hervorragend war und die Innenflächen in handpoliertem Teakholz ausgeführt sind. Das Boot wurde für verschiedene Märkte entwickelt und daher mit Mittelcockpit oder Steuerhausdeck sowie mit verschiedenen Innenraumkonzepten statt einer einzigen festen Aufteilung angeboten. (1)
Rigg und Handhabung
Der Segelplan wurde bewusst auf zwei Masten aufgeteilt, um die Handhabung für den an Charter orientierten Markt zu erleichtern, auf den sich der Entwurf richtete. Brewer selbst hatte sich ein einzelnes Kutterrigg erhofft, akzeptierte aber das Ketsch-Kompromiss, um eine breitere Zielgruppe anzusprechen. Der Besan ist kurz gehalten, um die Leistung am Wind zu erhalten – eine Slup mit gleicher Segelfläche würde am Wind immer noch besser laufen –, doch der kleinere Besan trägt trotzdem zum Segelfläche bei raumen Kursen bei und ermöglicht es, die Vorsegel auf handliche Größe zu verkleinern. Ein Selbstwendestagsegel kommt bei windigen oder Flaute-Tagen zum Einsatz, wenn das Wenden der Genua unpraktisch ist, und eine Version mit niedrigem Maststand war für Boote verfügbar, die unter Brücken auf Binnengewässern hindurchfahren mussten. Das Standard-Rigg bringt 1.360 Quadratfuß Segelfläche. (1)
Unterbringung
Der Platz wird vom Spiegel bis zum Vorpiek genutzt. Die Achterkabine bietet eine vollwertige Doppelkoje und eine Nasszelle mit einer großzügigen Dusche, sodass der Schlafplatz nur wenige Meter vom Namen auf dem Spiegel entfernt liegt. Im Vorschiff teilen sich zwei separate Gästekabinen eine zweite Nasszelle. Die Aufteilung liest sich wie ein Boot, das für entspanntes Segeln vor Anker und weniger für langsame Ozeanüberquerungen ausgelegt ist: Es gibt nicht viele Seekojen für diese Art von Reise, obwohl die Werft den Innenraum auf Wunsch nachträglich umgestalten könnte, um welche hinzuzufügen. Das glänzende Teakholz und die Trennung der Gästekabinen eignen sich eher für Küstenfahrten und Charter als für das Wachen auf Langstreckentörns. (1)
Refits und Eignerschaft
Da die 55 von Anfang an mit verschiedenen Decks- und Innenraumkonfigurationen angeboten wurde, sind Umbaupläne der Eigner keine Seltenheit – selbst Whitby würde das Interieur auf Wunsch für Seekojen umrüsten. Die Variante mit niedrigem Mast sowie die Wahl zwischen Pilothouse oder Mittelcockpit bedeuten, dass Gebrauchtboote im Profil und in der Brückenfreiheit stark variieren können, was vor dem Kauf an den geplanten Revieren zu prüfen ist.
Das Fazit
Die Whitby 55 ist eine von Brewer entworfene große Fahrtenyacht, die ultimative Am-Wind-Eigenschaften gegen einfache Handhabung mit zwei Masten und einen mit Teakholz ausgestatteten, einladenden Innenraum für Gäste eintauscht. Sie ist eher eine Plattform für Küstenfahrten und den Chartermarkt als eine reine Langstrecken-Fahrtenyacht mit vielen Kojen, bleibt jedoch flexibel genug, dass die Werft sie individuell anpassen könnte.
Vorteile
- Das zweimastige Split-Rigg erleichtert die Segelbedienung und verkleinert die Größe des Vorsegels
- Handpoliertes Teak-Innere mit einer Doppelkoje achtern und zwei Gästekabinen im Vorschiff
- In Mittelcockpit- oder Pilothouse-Version mit optionaler niedriger Takelage für Brückenfreiheit erhältlich
- Hervorragende Verarbeitungsqualität gemäß der eigenen Aussage des Designers in Canadian Boating
Nachteile
- Wenige Seekojen als Standard, was den Einsatz auf Langstrecken ohne Umbauten einschränkt
- Der kurze Besan lässt das Boot am Wind hinter einer Slup zurück, trotz des Segenvorteils auf raumen Kursen
- Der Konstrukteur bevorzugte ein Kutterrigg, was darauf hindeutet, dass die Ketsch ein Marktkompromiss war







