Design und Konstruktion
Boréal Yachts baute die 55 aus Aluminium für Rumpf und Deck, mit einem massiven Sandwichkern statt eines Laminats mit Hohlkern. Der Bleiballast verleiht ihr ein Ballast-Verdrängungs-Verhältnis von 29,09 Prozent, und die Rumpfgeschwindigkeit liegt bei knapp über neun Knoten. Der Kielschwert-Kiel ist die prägende Geometrie: Ein maximaler Tiefgang von 10,27 Fuß sorgt für hervorragende Leistung am Wind, während ein minimaler Tiefgang von 3,74 Fuß das Anlanden in flachen Buchten ermöglicht. Dieses Schwingspiel, gepaart mit der Breite von 15,26 Fuß, macht die 55 unter Booten ihrer Länge ungewöhnlich: Sie kann sich in Ankerbuchten festmachen, die eine 54-Fuß-Yacht mit Flossenkiel nicht erreichen könnte, und steht auf See dennoch stabil zu ihrem Segelplan.
Rigg und Handhabung
Die 55 ist mit einem Kutterrigg ausgestattet, das eine Segelfläche von 1.399 Quadratfuß bietet und ein Segelfläche-Verdrängungs-Verhältnis (SA/D) von 20,39 aufweist – ein moderater Wert, der eher auf kontrollierte Leistung als auf reine Geschwindigkeit hinweist. Bei dem getesteten Boot Eala Bhan wurden die Trimmleinen nicht nach achtern ins Cockpit geführt; dieser Detail sorgt dafür, dass das Reffen und das Handling des Vorsegels am Mast erfolgt und nicht im Windschatten des Hecks. Eine maßgeschneiderte Tasche am Baum hielt die Reffleinen geordnet und kam gut mit dem benötigten Leinenvolumen zurecht. Das Boot war mit Bug- und Heckstrahlrudern ausgestattet, die der Tester für Manöver auf engem Raum hervorragend fand. Ein Windfahnensteuerung Windpilot und ein NKE-Autopilot boten redundante Steuerung, wobei der NKE vom Eigner als „hervorragend, stark, bisher zuverlässig und einfach zu bedienen“ beschrieben wurde.
Unterbringung und Systeme
Eala Bhan demonstrierte die Art von autarker Ausrüstung, die eine Langstrecken-Fahrtenyacht benötigt. Ihre Verbraucherbank bestand aus vier 105-Ah-Gel-Batterien, und das Laden erfolgte über eine bemerkenswerte Vielfalt an Quellen: einen Watt & Sea Hydrogenerator, einen Superwind Windgenerator, Solarpaneele und die Lichtmaschine des Motors. Ein Monitor des Philippi PSM-Systems überwachte Tanks und alle Ladepunkte und konnte diese kumuliert oder nach Quelle aufgeschlüsselt anzeigen. Der Herd in der Pantry war ein kürzlich als Upgrade gegenüber dem Standard-Eno angebotener Option und wurde vom Tester als absolut lohnend empfunden. Für die Navigation standen ein B&G Zeus Touch mit 4G-Radar und ein Echopilot FLS-Forward-Sonar zur Verfügung, wobei letzteres von der Eignerin wegen seiner Sicherheit im Flachwasser sehr geschätzt wird.
Bekannte Schwachstellen
Die Elektronik der Eala Bhan erwies sich in ihrer ersten Saison als anfällig. Das B&G-System hatte einen Defekt nach dem anderen zu verzeichnen, angefangen bei dem ausgefallenen Radar, als das Boot auf seiner Jungfernfahrt vor Anker in Tréguier den Fluss verließ. Nach dem Austausch des Radars fiel das AIS aus, und der Systemmonitor selbst musste ausgetauscht werden, da er die Vorschiffs-Suche und andere Funktionen nicht mehr anzeigte. Auch der GPS-Empfänger am Heck musste ersetzt werden, obwohl der Eigner dies als unkomplizierte Arbeit beschrieb. Ein zweiter physischer Konflikt trat am Heckgetriebe auf: Das Windpilot-Ruder stand sehr dicht neben dem Watt & Sea-ProPELLER, eine Aufstellung, die die Werft auf Anweisung des Herstellers angepasst hat. Zudem stellte sich heraus, dass der Philippi-Monitor alle Gleichstromgeneratoren – Wind-, Solar- und Wellengenerator – abschaltete, sobald die Lichtmaschine des Motors lädt. Dieses Verhalten erschwert die gleichzeitige Lademanagement unter Motor erheblich. (1)
Das Fazit
Die Boreal 55 ist eine durchdacht konstruierte Aluminium-Fahrtenyacht, deren Schwert-Rumpf-Konstruktion und der hohe Ballast ihr eine seltene Doppelrolle verleihen: geringer Tiefgang für das Erkunden von Flussmündungen und Küstenrevieren, tiefer Tiefgang für den Offshore-Einsatz. Das geprüfte Exemplar zeigte sowohl die Stärke eines redundanten Ladungs- und Steuerplans als auch die Schwäche einer Elektronik aus der ersten Saison, die regelmäßig ausgetauscht werden musste. Für Käufer, die die Verkabelung vom Rumpf trennen können, ist die Plattform absolut solide.
Vorteile
- Aluminiumrumpf und -deck mit Bleiballast und einem Schwenkschwert für einen Tiefgangsbereich von 1,13–3,15 Metern
- Redundante Steuerung über Windpilot-Ruderblatt und NKE-Autopilot
- Mehrere unabhängige Ladepunkte mit umfassender Systemüberwachung
- Option für ein neues Herd-Upgrade anstelle des standardmäßigen Eno
Nachteile
- Die Elektronik auf dem getesteten Boot erlitt wiederholt Ausfälle (Radar, AIS, Monitor, GPS)
- Die Trimmleinen sind nicht nach achtern geführt, was das Arbeiten an Deck am Mast erschwert
- Der Windpilot-Ruder ist in unmittelbarer Nähe des Hydrogeneratormotors positioniert
- Der Philippi-Monitor deaktiviert die Gleichstromgeneratoren, während der Lichtmaschine des Motors geladen wird




