Eine klassische Yawl mit einem kleinen Besanmast, der weit achtern nahe dem Heck steht

Yawl-Takelung

Eine Yawl sieht auf den ersten Blick aus wie eine Ketsch, aber der Unterschied ist konstruktiver Natur: Der Besanmast ist achterlich des Ruderschafts positioniert. Da er so weit hinten steht, ist das Besansegel einer Yawl meist sehr klein. Seine Aufgabe ist weniger der Vortrieb des Bootes, sondern vielmehr das Trimmen der Balance des Bootes.

Man kann sich den Besan einer Yawl wie ein Luftruder vorstellen. Das ist das richtige mentale Modell.

Was der Besan einer Yawl bewirkt

Da der Besan weit hinter dem Lateralschwerpunkt des Bootes liegt, hat bereits eine kleine Segelfläche eine große Hebelwirkung. Holt man die Schot dicht, erfährt das Heck eine ausgleichende Kraft. Fiert man sie, verändert sich der Ruderdruck des Bootes. Auf älteren Langfahrt-Fahrtenyachten konnte dies die Windfahnensteuerung entlasten und die Arbeit des Rudergängers erleichtern.

Vor Anker kann der Besan zudem das Boot stabilisieren und den Bug beständiger im Wind halten. Das ist ein kleiner Komfort, den man erst zu schätzen weiß, wenn man eine unruhige Nacht auf einem Boot verbracht hat, das vor Anker hin und her schwojt.

Was der Besan einer Yawl nicht bewirkt

Der Besan ist kein zweiter Motor. Er ist bei vielen Booten zu klein und zu weit achtern, um nennenswerten Vortrieb zu leisten. Wenn ein Inserat eine Yawl so darstellt, als hätte sie die Kraft und Flexibilität einer Ketsch, ist Skepsis geboten.

Die Yawl bedeutet dennoch zusätzliche Takelage. Sie benötigt unter Umständen einen Heckausleger (Boomkin) oder eine spezielle Heckkonstruktion zur Abstützung der Besan-Wanten und -Stagen. Sie sorgt für mehr Windangriffsfläche, zusätzliche Beschläge, Segelwartung und Decksbeschläge. Der Gewinn liegt in der Feinheit des Handlings, nicht in der Geschwindigkeit.

Warum Yawls seltener wurden

Yawls hatten einst Vorteile bei den Vermessungsformeln für Regatten. Wenn eine Formel die Großsegelfläche bestrafte, aber die Besanfläche großzügig behandelte, hatten Konstrukteure einen Anreiz, ein kleines Segel nach achtern zu verlegen. Als sich die Regeln änderten und die Ausrüstung zur Segelhandhabung besser wurde, verlor die Yawl einen Großteil ihrer praktischen Argumente auf dem Serienbootmarkt.

Das macht Yawls nicht schlecht. Es bedeutet nur, dass man eine Yawl wählen sollte, weil man ihr Verhalten und ihre Geschichte schätzt, und nicht, weil sie einer Slup automatisch überlegen ist.

Was zu prüfen ist

Achten Sie besonders auf die Heckkonstruktion. Heckausleger, Besan-Püttinge, Achterstagbeschläge, der Decksaufbau (Sandwichkern) und Spiegelbeschläge können teuer zu reparieren sein, wenn dort über Jahrzehnte Wasser eingedrungen ist.

Prüfen Sie auch, ob der Besan tatsächlich einsatzbereit ist. Einige ältere Yawls haben verschlissene Besansegel, unpraktische Schoten oder Beschläge, die von den Eignern selten benutzt werden. Wenn der Besan Teil des Wertversprechens des Bootes ist, sollte er sich leicht setzen, bei Bedarf reffen, trimmen und bergen lassen.

Wann eine Yawl sinnvoll ist

Wählen Sie eine Yawl, wenn Sie sich zu klassischen Booten hingezogen fühlen, Wert auf Balance und gutes Verhalten vor Anker legen und akzeptieren, dass der Besan eher ein Trimmwerkzeug als eine Kraftquelle ist. Eine gut gepflegte Yawl kann ein Genuss sein, besonders für Segler, die Freude an älterer Konstruktionsphilosophie haben.

Seien Sie vorsichtig, wenn Sie maximale Geschwindigkeit, minimalen Wartungsaufwand oder den einfachsten Wiederverkauf suchen. Viele Käufer verstehen eine Slup sofort. Nur wenige werden verstehen, warum der winzige achterliche Mast die Pflege wert ist.