Ein modernes Segelboot mit einem aerodynamisch sauberen Flügelsegel

Flügelriggs und Soft-Wings

Flügelriggs ersetzen oder verändern herkömmliches Tuch zu einem effizienteren Tragflächenprofil. Am extremen Ende stehen starre, mehrteilige Flügel, wie man sie aus dem High-Performance-Regattasport kennt. Für Fahrtensegler relevanter sind rotierende Flügelmaste, Soft-Wings und Konzepte im Balestron-Stil, die versuchen, einen Teil dieser Effizienz zu nutzen, ohne gleich ein ganzes Support-Team an Land zu erfordern.

Das Versprechen ist real: Ein guter Flügel ist ein besseres aerodynamisches Profil als ein weiches, dreieckiges Segel. Für Käufer stellt sich jedoch die Frage, ob diese Effizienz auch zu dem Boot passt, das sie tatsächlich kaufen möchten.

Was Flügelriggs auszeichnet

Ein Flügel kann hohen Auftrieb bei geringerem Widerstand erzeugen. Einige Riggs rotieren, um das Profil sauberer zum scheinbaren Wind auszurichten. Ausbalancierte Riggs, wie das Balestron- oder AeroRig-Konzept, können die Schotkräfte reduzieren, da die Segelkräfte um einen rotierenden Mast herum angeordnet sind.

Auch in der Berufsschifffahrt wird Windunterstützungstechnologie zunehmend ernst genommen: Starre Flügel, Saugrigs, Rotoren und Kitesysteme werden getestet oder eingesetzt, um den Treibstoffverbrauch zu senken. Das bedeutet zwar nicht, dass die durchschnittliche Fahrtenyacht dieselbe Ausrüstung benötigt, aber es zeigt, dass die aerodynamische Idee keine Utopie ist.

Die Hürden beim Fahrtensegeln

Die größte Herausforderung liegt in der Struktur und dem Halt. Ein freistehender, rotierender Mast muss enorme Biegekräfte aufnehmen. Lager, Decksdurchführungen, Mastfüße, Steuerungssysteme und Carbonstrukturen erfordern präzise Ingenieursarbeit. Wenn etwas bricht, kann die Reparatur oft nicht vom nächstbesten Rigger durchgeführt werden.

Starre Flügel werfen zudem Probleme bei der Lagerung und im Sturm auf. Ein Regattaflügel funktioniert hervorragend mit einer Support-Crew und unter kontrollierten Bedingungen. Eine Fahrtenyacht muss jedoch reffen, beidrehen liegen, im Yachthafen liegen, Böen überstehen und fernab der Bauwerft gewartet werden können.

Soft-Wings

Soft-Wings versuchen, das Tragflächenprofil praxistauglicher zu machen. Sie nutzen oft doppelwandige Segel, strukturierte Membranen oder aufblasbare und mit Segellatten versehene Formen, die sich dennoch reffen oder bergen lassen. Dies ist der Bereich, den man für zukünftige Entwicklungen im Fahrtensegeln im Auge behalten sollte, da er die Lücke zwischen herkömmlichen Segeln und starren Flügeln schließt.

Für heutige Käufer bleiben Soft-Wings eine Nische. Beurteilen Sie das konkrete System, nicht die gesamte Kategorie. Fragen Sie nach dem Hersteller, wer den Service übernimmt, wie das Reffen funktioniert, was bei einer Kenterung oder einer unfreiwilligen Halse passiert und ob Ersatzteile realistisch zu bekommen sind.

Was zu prüfen ist

Überprüfen Sie den Mast, die Lager, die Rotationssteuerung, den Mastfuß, die Decksdurchführungen, die Laminatstruktur, das Reffsystem, den Zustand der Segelmembran und die Führung der Leinen. Wenn das Boot ein herstellerspezifisches System nutzt, stellen Sie sicher, dass Dokumentation und Ersatzteile verfügbar sind, bevor Sie sich in das Konzept verlieben.

Eine Probefahrt ist unerlässlich. Das Rigg muss sich berechenbar fieren lassen, Wenden und Halsen ohne Drama meistern und in Böen ein gutmütiges Verhalten zeigen. Akzeptieren Sie die Aussage „Das ist eben moderne Technik“ nicht als Entschuldigung für unhandliche Bedienung.

Wann ein Flügelrigg sinnvoll ist

Entscheiden Sie sich für ein Flügel- oder Soft-Wing-Rigg, wenn Sie ganz bewusst ein hochentwickeltes System kaufen, die Wartungsanforderungen verstehen und Experimentierfreude oder Leistung so hoch bewerten, dass Sie die geringe Marktverbreitung in Kauf nehmen.

Seien Sie vorsichtig, wenn Sie einen risikoarmen Bootskauf anstreben. Für die meisten Gebrauchtbootkäufer sind Flügelriggs zwar eine spannende Entwicklungsrichtung in der Segeltechnologie, aber nicht die Standardlösung für das nächste Boot.