Design und Konstruktion
Die Rumpfform ist das Herzstück des Charakters der 360. Knickspante Kimm am Bug sorgen für einen relativ schmalen Eintritt in die Wasserlinie, während sich das Profil weiter oben zu sehr vollen Sektionen verbreitert. Diese Kimm verjüngen sich nach achtern zu weicheren Linien, die eine enorme Formstabilität erzeugen, sobald das Boot bei viel mehr als 10° Krängung vor Anker liegt. Der breite Bug hilft dabei, das Heck bei Krängung im Wasser zu halten, und ein tiefes, einzelnes Ruder – fast so tief wie der Kiel – sorgt für präzise Steuerung. Mit einer Verdrängung von 17.196 Pfund auf dem tiefen Kiel und 2.295 kg Ballast ist die 360 ein solides 37-Fuß-Boot; die Version mit Flachkiel verzichtet auf bis zu 2.470 kg Ballast und einen Tiefgang von 5 Fuß 5 Zoll zugunsten der 6 Fuß 9 Zoll des tiefen Kiels. Eine angeformte Deckenverkleidung sorgt für eine saubere Optik unter Deck, und die Ecken der wichtigsten Holzarbeiten sind rundlich abgerundet. An Deck sind die Seitendecks achtern schmal, werden aber nach vorn schnell breiter und verfügen über ordentliche, angeformte Kajütaufbauten. Die Ankerkiste ist sauber ausgeführt und mit einer angeformten Innenschale versehen, die einen tiefen Ankerkorb für die Kette vor einem abschüssigen Stützbalken unter der Ankerwinde bildet. (1)
Rigg und Handhabung
Das hohe 360-Rigg trägt eine standardmäßige Selbstwendefock mit hohem Streckungsverhältnis, optional mit einer überlappenden Genua und bereits installierten Schienen dafür, sowie eine Option für ein Square-Top-Großsegel, was Backstagen erforderlich macht. Ein verstellbares 16:1-Achterstag und deutlich nach achtern gepfeilte Salingen prägen das Rigg, und alle Leinen – einschließlich der Großschot und der Vorsegelschot – werden nach achtern zum Steuerstand geführt, wo sie auf den Luvkanten liegen, die in einem teilweisen Ausschnitt hinter den Sitzlehnen positioniert sind. Zwei Komposit-Ruderstände und ein erhöhter Steuersitz sorgen für trockene Bedingungen und gute Kontrolle, wobei sich hinter den Steuerrädern klappbare Sitze befinden. In einer Testbericht schrieb der Tester, dass die Selbstwendefock und die Brille der Großschot zu guten Wendewinkeln beitragen, und hoch am Wind zeigte das Logbuch 5,5 Knoten bei etwa 30–32° zum scheinbaren Windanker. Die Polare des Herstellers versprechen 5,7 Knoten am Wind und knapp 8 Knoten auf Halbwind- oder raumen Kursen. Das Boot lief am besten bei Krängungswinkeln von 10° bis 20°, und die standardmäßigen Lewmar ST40-Winschen fühlten sich dem Tester etwas klein an, was er als Upgradetipp empfahl. (1)
Unterbringung
Unter Deck bietet die 360 in jeder Kabine, der Pantry, dem Salon und den Nasszellen ein fast unendliches Raumgefühl. Dank eines hellen, modernen Interieurs und flexibler Layout-Optionen, die der Eigner ab Werft wählen kann, ist das Boot äußerst gut aufgeteilt. Die Vorschiffskabine ist für einen 35-Fuß-Rumpf riesig und verfügt über eine vollwertige Doppelkoje auf der Mittellinie, Leselichter und Rumpfscheiben im Vorschiff. Wählt man dort eine zweite Nasszelle, wird die Koje nach Steuerbord verschoben, was den Backskasten an Backbord einspart. Die Achterkabinen sind großzügig bemessen. Bei der Version mit drei Kabinen geht im Backbord-Achterbereich etwas Platz für einen Cockpit-Backskasten verloren, dafür bleiben die Backskästen erhalten. Bei der Zwei-Kabinen-Version behält Hanse die Steuerbord-Achterkabine bei, sodass das zusätzliche Volumen in eine größere Pantry mit einer zusätzlichen, schrankähnlichen Kühlbox, Zugang zu einem Cockpit-Backskasten und einer weiteren Öffnungsluke fließt. Die Nasszelle verfügt bereits über eine separate Duschkabine im vorderen Bereich, eine Längs-Toilette und reichlich Stauraum in den Schränken, auch wenn sie sich etwas in den Salon drängt. Weiße Schotten sorgen für ein helles, offenes Ambiente, wenn auch mit einer gewissen Kliniker-Atmosphäre. Von insgesamt 22 Fenstern und Luken sind 16 offen. Ein kleiner, optionaler Kartentisch steht achtern gegenüber dem Schott der Nasszelle, wobei ein Zusatzteil aus dem kurzen Sofa eine 180 cm lange Seebarkoje macht. Das Boot kann bis zu vier Kühlschränke an Bord haben.
Ausrüstung und Cockpitdetails
Das ergonomische Cockpit ist um einen Plotter im hinteren Bereich des Cockpittisches herum aufgebaut, mit Instrumentenrepetitoren an den Seiten am hinteren Ende der Süllrandverkleidung und ohne Schalttafeln auf den Steuerradstützen. Tauenden werden durch Canvas-Taschen am hinteren Ende der Cockpitsitze bändigt, und ein optionales großes GFK-Tischmodul bietet eine eingebaute Kühlbox, eine obenauf zu öffnende Schublade und klappbare Seitenteile. Eine riesige Badeplattform lässt sich am Heck mit einer mittleren Sitzstufe über die gesamte Breite hinabklappen, und zwei ordentliche Backskisten befinden sich davor – eine davon ist bei späteren Rumpfversionen so konzipiert, dass sie eine Rettungsinsel auf Rollen aufnehmen kann, sobald Motorrohr und Heizung neu positioniert sind. Der GFK-Bugspriet bietet zwei Festmacherpunkte, und das offene Podest erleichtert das Einsteigen ins Wasser. Ein optionaler, ausziehbarer Quick-Bugstrahlruder lässt sich unter der vorderen Koje verstauen. Der serienmäßige Yanmar-Diesel mit 29 PS (Option mit 39 PS und Saildrive) wurde vom Testberater für seinen hervorragenden Zugang von allen Seiten gelobt, selbst mit dem größeren Motor – wenngleich der Wasserschlauch ganz oben am Heck nach den Erkenntnissen der Redaktion optisch unmöglich zu inspizieren und schwer zugänglich war. (1)
Das Fazit
Die Hanse 360 ist eine moderne, breite Fahrtenyacht, die auf viel Raum und einfache Handhabung setzt, ohne dabei an Leistung einzubüßen. Ihr Knickspant-Rumpf sorgt für eine gute Anfangsstabilität und einen geräumigen Innenraum, der weit über seine Länge hinausgeht, und das nach achtern geführte Rigg macht das Segeln mit kleiner Crew möglich. Die sterile weiße Lackierung und fehlende Außenfenster sind nur kleinere Mankos, während die kleinen Standardwinschen und die unpraktische Positionierung des Wassersiebs die praktischen Schwachstellen darstellen.
Vorteile
- Knickspant-Rumpf sorgt für hohe Formstabilität ab einer Krängung von über 10°
- Innenraum bietet enorme Flexibilität durch die wirklich variablen Werft-Layouts
- Alle Leinen sind zu den beiden Steuerrädern nach achtern geführt für einfaches Handling
- Hervorragender Motorzugang auch bei der 39-PS-Version
Nachteile
- Die Standard-Primärwinschen wirken für das Rigg unterdimensioniert
- Wasserschutzfilter ist am Heckende des Motorraums schwer einsehbar und zu erreichen
- Keine Außenbordluken oder Kajütaufbaufenster für einen Blick nach unten nach außen
- Weiße Schotten wirken etwas klinisch








