Das prägende Merkmal der Haber 660 ist ihr hoher, gut verglaster Kajütaufbau, der eine erstaunliche Stehhöhe von 1,85 Metern (6 Fuß und 1 Zoll) in einem Rumpf von knapp unter 22 feet ermöglicht. Diese Designentscheidung hebt das Wohngefühl im Innenraum weit über die typischen „Kriechkabinen“ konkurrierender Trailerboote hinaus. Die Kabine ist von natürlichem Licht durchflutet, was sie zu einem vollwertigen mobilen Zuhause für ausgedehnte Küstenfahrten und nicht nur für ein Wochenend-Refugium macht. Die Bauqualität spiegelt die Philosophie der Werft wider, die auf maßgeschneiderte Semi-Custom-Yachten setzt; der Innenausbau besticht durch robuste Holzoberflächen, reichlich Schränke, eine separate, private Nasszelle und eine funktionale Pantry. Für ein Paar oder eine vierköpfige Familie, die die zur Doppelkoje umbaubare Salonsofakoje nutzt, bietet sie ein hohes Maß an Wohnlichkeit, das die Besatzung vor Kälte und Regen schützt. (2, 3)
Variationen & Konfigurationen
Während ihrer gesamten Produktionszeit wurde die Haber 660 in verschiedenen Rigg- und Unterwasser-Konfigurationen angeboten, um unterschiedlichen Revieren gerecht zu werden. Der grundlegende Segelplan ist eine Gaffelslup (oft mit einer Gunter-Takelung), die über ein innovatives Ein-Fall-System verfügt, um sowohl die Klau als auch die Piek gleichzeitig zu heißen, was die Segelhandhabung bemerkenswert einfach macht. Für Segler, die mehr Vielseitigkeit im Segelplan und eine klassische Ästhetik suchen, führt die Haber 660 Cutter ein Bugspriet, eine Selbstwendefock und eine größere Genua ein, sodass Eigner die Segelfläche bei sich ändernden Windbedingungen leicht anpassen können. (3, 4)
Die Unterwasser-Konfiguration besteht in erster Linie aus einem Flachkiel-Schwert-System (Kielschwert), das bei aufgeholtem Schwert nur 1,3 feet und bei vollständig abgesenktem Schwert 4,76 feet Tiefgang aufweist. Die technologisch fortschrittlichste Variante ist jedoch die Haber 660 C4. Diese Version integriert das patentierte C4-Selbststeuersystem von Janusz Konkol, das mit vier separat bedienbaren Schwertern arbeitet – einem Hauptschwert und drei kleineren Hilfsschwertern. Durch das Trimmen dieser Schwerter, um den Lateraldruckpunkt optimal auf den Segelplan abzustimmen, erreicht die C4 ein völlig passives, stromloses Selbststeuern auf jedem Kurs zum Wind, ganz ohne mechanische Windfahnensteuerung oder elektronischen Autopiloten. (1, 3, 5)
Auch die Motorisierungsoptionen variieren erheblich. Während ein am Spiegel montierter Außenborder von 4 bis 15 PS die Basis bildet, entscheiden sich viele Eigner für die robustere Variante mit Einbaudiesel. Diese Innenborder, die typischerweise zwischen 10 und 21 PS leisten, sind sicher unter dem Cockpitboden installiert und verleihen dem Boot die zuverlässige Motorkraft für schweres Wetter, die man von einem echten Motorsailer erwartet.
Segelleistung & Handhabung
Die technischen Daten der Haber 660 zeichnen ein klares Bild von ihren Bewegungen und ihrer Stabilität auf dem Wasser. Mit einer Verdrängung von 2.976 Pfund und einem Verdrängungs-Längen-Verhältnis (D/L) von 203,17 fällt das Boot fest in die Kategorie der moderaten Verdränger. Es liegt satt und berechenbar in der Welle und widersteht dem nervösen, unruhigen Verhalten, das für ultraleichte Trailerboote typisch ist. Gleichzeitig sorgt das Segelfläche-Verdrängungs-Verhältnis (SA/D) von 17,81 dafür, dass das traditionelle Gaffelrigg genügend Leistung mitbringt, um das Boot bei leichtem bis mäßigem Wind effizient zu bewegen, insbesondere wenn die große Genua am Bugspriet gefahren wird. (4)
Mit einem Ballast-Verdrängungs-Verhältnis (B/D) von 25,94 % – das sich in der CE-Kategorie B (Offshore) durch schwerere interne Ballastblöcke auf fast 41 % erhöhen kann – verlässt sich der Rumpf auf seine clevere Rumpfform und den tief liegenden Innenballast, um Stabilität zu erzeugen. Selbst mit der flachgehenden Kielschwert-Konfiguration ist das Boot so konstruiert, dass es selbstaufrichtend ist und je nach werkseitigem Ballastpaket die europäischen CE-Zertifizierungen der Kategorie C (Küste) oder Kategorie B (Offshore) erfüllt. (1, 3)
Ein Kenterungsverhältnis von 2,28 zeigt, dass der Rumpf, wie die meisten breiten, trailerbaren Boote, eine hohe Formstabilität aufweist, im küstenfernen Bereich bei brechenden Wellen jedoch gute Seemannschaft erfordert. Das Komfort-Ratio von 13.85 ist für ein 22-Fuß-Boot jedoch respektabel und sorgt für Bewegungen im Seegang, die für die Crew weitaus schonender sind als bei modernen, flachbödigen Sportbooten. Unter Segeln ist die Ruderpinne ausgewogen und feinfühlig. Wenn das Boot mit dem C4-Schwertsystem ausgestattet ist, läuft es mit bemerkenswerter Kursstabilität, sodass der Rudergänger die Pinne komplett loslassen kann, während sich der Rumpf bei Windböen selbst korrigiert. (1, 5)
Marktübersicht & Wirtschaftlichkeit
Da Haber Yachts die Boote auf Bestellung mit hochwertigem, handaufgelegtem GFK und hohem konstruktiven Aufwand baut, nimmt die Haber 660 eine exklusive Nischenposition auf dem Gebrauchtbootmarkt ein. Sie ist kein günstiges Trailerboot; vielmehr verlangt sie im Vergleich zu serienmäßig hergestellten Booten ähnlicher Länge aus ihrer Ära einen erheblichen finanziellen Aufpreis. (6)
Gepflegte, gut erhaltene gebrauchte Exemplare sind relativ selten, insbesondere außerhalb Europas, da sich die Produktion auf Europa konzentriert, wo sie eine treue Fangemeinde unter Binnen-, Ostsee- und Nordseegestrandeten hat. Wenn sie auf dem Markt erscheinen, wechseln sie meist schnell den Besitzer. Käufer sollten sich darauf einstellen, für Versionen mit Einbaudiesel, dem C4-Selbststeuerpaket und Doppelachs-Trailer einen Aufpreis zu zahlen. Aufgrund des hohen Baustandards und der Verwendung von Qualitätsbeschlägen sowie Vinylesterharzen sind diese Boote extrem wertstabil und weisen kaum den steilen Wertverlust auf, der bei gängigen Serienmodellen üblich ist. (1, 7)
Bekannte Schwachstellen & Wartung
Die Haber 660 ist strukturell robust, aber ihre speziellen mechanischen und riggtechnischen Konfigurationen erfordern gezielte Wartung:
- Wartung von Schwert und Schwertkasten: Da das Boot ein Hubschwert (oder bis zu vier Schwerter in der C4-Variante) nutzt, müssen die Schwertkästen und Aufholleinen/-kabel regelmäßig inspiziert werden. Im engen Schwertkasten kann sich Bewuchs ansammeln, was zum Klemmen der Schwerter führt. Eigner müssen sicherstellen, dass die Bolzen fest sitzen und die Aufholleinen auf Abrieb oder Verschleiß geprüft werden, da ein gerissenes Kabel bei abgesenktem Schwert das Trailern erheblich erschwert.
- Komplexität des Gaffelriggs: Das traditionelle Gaffel- oder Gunterrigg umfasst mehr Spieren, Blöcke und laufendes Gut als ein einfaches modernes Rigg. Der Mastbeschlag (Mastschuh/Kippgelenk) und das dazugehörige Mastlegsystem müssen auf Spannungsrisse und Korrosion untersucht werden, insbesondere wenn das Boot für den Transport häufig auf- und abgetakelt wird.
- Fensterdichtungen und Kältebrücken: Das Decksalondesign bietet durch die großen Scheiben eine hervorragende Sicht, stellt jedoch potenzielle Leckagen dar, wenn die Dichtungen im Laufe der Jahre spröde werden. Obwohl Deck und Kajütaufbau in Sandwichbauweise ausgeführt sind, um Kondenswasser zu vermeiden und Isolierung zu bieten, sollten ältere Modelle auf undichte Fensterdichtungen untersucht werden, die das Holz des Innenausbaus beschädigen könnten. (1, 2, 3, 6)
Das Fazit
Die Haber 660 ist eine meisterhaft umgesetzte, nischige Fahrtenyacht im Westentaschenformat, die sich modernen Massenproduktionstrends verweigert. Sie ist das ideale Boot für Fahrtensegler, die den Komfort, den Wetterschutz und das Prestige einer Decksalonyacht mit der Flexibilität eines geringen Tiefgangs und der Transportierbarkeit eines Trailerboots verbinden wollen.
Vorteile
- Außergewöhnliche Stehhöhe und 360-Grad-Sicht in einem kompakten, trailerbaren Rumpf.
- Hohe Bauqualität mit handaufgelegtem GFK und robustem Holzinnenausbau.
- In Kategorie-B-Konfigurationen erhältlich, die eine beruhigende, selbstaufrichtende Stabilität bieten.
- Die innovative C4-Version bietet eine nahtlose, mechanische Selbststeuerung ohne Stromverbrauch.
- Das einfache Mastlegsystem macht den Übergang vom Trailer ins Wasser hocheffizient.
Nachteile
- Hoher Einstiegspreis auf dem Gebrauchtmarkt im Vergleich zu typischen 22-Fuß-Pocket-Cruisern.
- Der hohe Kajütaufbau sorgt für erhebliche Windangriffsfläche, was das Manövrieren auf engem Raum in engen Häfen erschweren kann.
- Gaffeltakelung und mehrere Schwerter erhöhen die mechanische Komplexität und den jährlichen Wartungsaufwand.

