Design und Konstruktion
Konkol zeichnete eher moderate Rumpflinien als eine breite Yacht, und verzichtete bewusst darauf, eine Doppelkoje in den Achterbereich zu zwängen. Stattdessen entschied er sich für moderate Linien und keine Doppelkoje im Heck. Der Rumpf verfügt über einen teilweise flachen Boden und ein kleines, profiliertes GFK-Schwert, das genau so schwer ist, um negativen Auftrieb zu erzeugen – sodass das Schwert bei Bedarf unten bleibt und sauber aufsteigt. Das Schwert sorgt für Tiefgang und negativen Auftrieb. Der Ballast ist intern mit 661 Pfund verteilt, was den Schwertmechanismus frei hält und den Rumpf leicht zu handhaben macht. Die Konstruktion erfolgt durch Handauflege-Laminat; der Rumpf liegt vier Tage im Formverleim und trocknet dann 30 Tage lang bei mindestens 18 °C. Ein vollständiges Innenschalenprofil trägt die Aufteilung, abgedeckt von einer Deckenverkleidung, die dennoch Zugang zu den Decksbefestigungs-Nüssen gewährt. Die Edelstahlarbeiten werden in der eigenen Werft ausgeführt. Die Rumpf-Deck-Verbindung ist mit einer praktischen Kunststoff-Schürze versehen, obwohl Tester feststellten, dass sich Schmutz innerhalb dieser Schürze ansammelt. (1)
Rigg und Handhabung
Das Rigg der 620 ist ein Gunter-Gaffel-Hybrid, den der Konstrukteur „Huari Gaff“ nennt – eine hochgezogene Gaffel mit hoher Streckung, die an einer einzigen Fall gefahren wird, ausgestattet mit einem flexiblen Gaffelbaum, einem Mast-Slider und einer verstellbaren Schlaufe zur Formkontrolle. Der kurze Mast benötigt keine Salingen und lässt sich über ein integriertes System von einer einzelnen Person bedienen; laut Werftdokumentation dauert das Setzen nur zehn Minuten. Ein normales, dreieckiges Großsegel reicht für starken Wind. Auf dem Wasser stellten Probefahrer fest, dass das ausbalancierte Ruderblatt – verstellbar und klappbar aufholbar – das Rudergefühl leicht hielt, und diese ausgewogenen Rumpflinien machten das Boot agil, gutmütig und lobenswert steif für ein Boot mit internem Ballast. Bei viel Wind erreichte sie im Mittel bis Hoch 4-Knoten-Werte bei etwa 90 Grad Wendewinkel und lief vor dem Wind problemlos über 6 Knoten. (2)
Unterbringung
Für ein 20-Fuß-Boot wirkt das Innere größer als erwartet. Die Stehhöhe beträgt 1,83 m, die Kabine ist im Bereich des Innenschachts mit polnischem Eichenholz ausgestattet. Eine Dinette an Backbord bietet Platz für zwei Personen und lässt sich zu einer Doppelkoje umbauen, gegenüber befindet sich eine kleine, aber funktionale Pantry; eine großzügige V-Koje liegt im Vorschiff und eine separate Nasszelle befindet sich achtern – eine seltene Ausstattung bei dieser Länge. Ein halbhohes Kleiderschott achtern der Dinette sowie tiefe Backskisten an Backbord und Steuerbord ergänzen den Stauraum. Die Plicht selbst ist etwas klein, bietet Platz für drei Personen, wobei die Sitze es ermöglichen, die Füße über die schmale Breite zu kreuzen.
Bekannte Schwachstellen
Das einzige dokumentierte Manko ist kosmetischer Natur und unbedeutend: Schmutzfänger im Inneren der Kunststoff-Fußleiste entlang der Rumpf-Deck-Verbindung.
Refits und Eignerschaft
Das Trailern ist ein zentraler Bestandteil des Konzepts. Ein spezieller HABER HT 1800 Trailer wiegt 320 kg, und das Boot inklusive Trailer bleibt unter 1.650 kg und kann von vielen Familienautos gezogen werden. Der am Spiegel montierte Außenborder (4–10 PS, 4–6 PS empfohlen) lässt sich für den Straßentransport komplett abklappen, und der Mast ragt bei abgesenktem Zustand nur einen Meter über den Spiegel hinaus. Ein Edelstahl-Kraftstofftank kann in die Backskiste an Steuerbord integriert werden, und Boote für den Einsatz im Vereinigten Königreich erhalten eine Ankerrolle. Eine Alternative mit Doppelruder und einem Außenborderschacht in der Plicht wird ebenfalls angeboten.
Das Fazit
Die Haber 620 ist ein durchdachter Trailer-Segler, der reine Geschwindigkeit gegen Einfachheit, Zugfähigkeit und eine Kabine eintauscht, die weit über ihre 21 Fuß hinausragt. Sie ist eine wirtschaftliche, gutmütige Einsteiger-Fahrtenyacht mit einem cleveren Rigg und einer wirklich geschlossenen Nasszelle.
Vorteile
- Das aufholbare Schwert sorgt für einen Tiefgang von 1'1" aufgeholten und 4'5" abgesenkten Schwert, was das Trailern und Trockenfallen ermöglicht
- Geräumiger, mit Eiche ausgestatteter Innenraum mit separater Nasszelle und vier Kojen
- Einfallriggs-Gaffelsegel mit Einleinen-Rigg, kurzer Mast und integriertem Absetzsystem für den Einhand-Trailertransport
- Leichtes, ausgewogenes Rudergefühl und steifes, gutmütiges Verhalten unter Segeln
Nachteile
- Die relativ kleine Plicht begrenzt den Komfort für die Crew auf drei Personen
- Das Schmierleiste sammelt Schmutz an der Rumpf-Deck-Verbindung
- Mäßige Geschwindigkeit bei Wind von vorn und eher der Charakter eines Motorsailers als einer lebendigen Daysailer



