Design und Konstruktion
Pedricks Unterwasserschiff ist im Bereich des Kimmübertritts moderat rund und voll, verjüngt sich dann nach achtern, um dem Rumpf beim Ankertreiben Surfen zu ermöglichen. Die Struktur selbst kombiniert Lagen aus biaxialem und unidirektionalem E-Glas mit Vinylesterharz auf einem Endgrain-Balsakern, einem handaufgelegten Sandwich, das sowohl mit Vinylester als auch mit Polyester laminiert wurde, um eine hohe Festigkeit im Verhältnis zum Gewicht und Blasenresistenz zu gewährleisten. Die Rumpf-Deck-Verbindung ist eine 3-Zoll-Umkehr-Flanschverbindung, die mit 3M-5200 verklebt und in 6-Zoll-Abständen durchgebolzt ist, wobei Edelstahl-Pfostenbolzen durch die eloxierte Aluminium-Fußreling führen. Schotten sind direkt am Rumpf einlaminiert, die Innenausstattung ist daran befestigt und unter den Bodenbrettern befinden sich massive GFK-Querträger. Eine übertragbare 10-jährige Garantie gegen Osmose im Rumpf untermauert die Bauqualität. (2)
Rigg und Handhabung
Das prägende Merkmal ist der freistehende Carbonmast, der Wanten, Achterstag, Salingen und Püttinge komplett überflüssig macht. Da nichts den Segelplan nach achtern einschränkt, trägt das Boot ein großes Großsegel mit Volllatten und viel Achterlieksrundung (Roach). Das Standard-Vorsegel ist eine selbstwendende Camberspar-Fock, deren innere Wishbone-Form das untere Vorliek am Wind aufrechtert und vor dem Wind ausfächert. Der unverstagte Mast ist leichter als ein herkömmlicher Aluminiummast, was Gewicht aus dem Rigg nimmt und dem Boot hilft, aufrecht zu bleiben. Freedom verlegte später die Mastproduktion an Goetz Marine Technologies, wobei der Werft zufolge ein leichteres, steiferes Profil entstand. Der Hersteller berichtete von keinerlei Riggschäden an den 35ern vor oder nach diesem Wechsel. Ein fester Baumniederholer sorgt für die Trimmung des Großsegels ohne Achterstagspannung. Die Segelkontrollen – Großschot, Fockschot, Fallen, Reffleinen – laufen über Umlenkblöcke und Lewmar-Stoppers zu Harken-Winschen auf dem Kajütdach, und praktisch jede Funktion beim Segeln und Motoren kann aus der Plicht bedient werden. (1)
Unter Segeln zeigt die Ruderpinne eine leichte Luvgierigkeit, doch bei Testsegelgängen mit über 20 Knoten Wind krängte der Rumpf beim Raumschotssegeln bei etwa 8 Knoten Wind weniger als 10 Grad und erreichte auf einer Wende am Anker sogar 8,6 Grad Krängung. Eigner beschreiben ein schnelles, präzises Steuerverhalten durch das Edson-Rad und das Whale-Tail-Ruder, und der ausgewogene Segelplan ermöglicht es dem Boot, sich in einem engen Kreis am Anker bis zu 80 bis 85 Grad am Wind zu drehen. Ein Eigner berichtete von sehr wenig Luvgierigkeit selbst bei Sturmwarnwerten und nannte das Reffen einfach und mit minimalem Geschwindigkeitsverlust – obwohl das Großsegel spätestens bei zunehmendem Wind früher als später gerefft werden sollte. Das Standardrigg weist einen PHRF-Durchschnitt von 114 auf. (1)
Unterbringung
Unter Deck ist der Salon in Kirsche und Teak mit einem Teak-Boden, fünf zu öffnenden Luken, einer Hauptschleuse und einer Stehhöhe von 6 Fuß 2 Zoll ausgestattet. Ein klappbarer Tisch lässt sich an das Backbord-Schott lehnen, und Jalousietüren verdecken zusätzliche Außenstauräume. Die L-förmige Pantry bietet tiefe Edelstahlspülen, einen kardanisch aufgehängten Force 10-Herd mit Backofen und Grill sowie eine große, isolierte Kühlbox mit separatem Vorratsfach. Die Nasszelle befindet sich an Steuerbord des Niedergangs und verfügt über eine eigene Duschkabine und einen Wäscheschrank. Die Vorschiff- und Achterkabine haben jeweils zwei zu öffnende Luken und eine Luke; die Achterkabine besitzt zudem eine großzügige Querkoje. Beide bieten hinter geschlossenen Türen eine Stehhöhe von 6 Fuß 1 Zoll und jeweils eine Koje mit 6 Fuß 7 Zoll Liegefläche. Eine Navigationsecke platziert die Instrumente oberhalb der Steuerbord-Divane nahe dem Schalttafel. (1)
Bekannte Schwachstellen
Die Pantry sorgt bei Eignern für gemischte Gefühle: Zwei Gutachter von Practical Sailor beklagten ausdrücklich den Mangel an Arbeitsfläche, und das Boot wird ohne Standard-Fußpumpen für Frisch- oder Salzwasser in der Pantry oder im Vorsteven ausgeliefert. Der frühe Rumpf Nr. 1, ausgerüstet mit einer 120 % Mylar-Genua, erwies sich als schnell, fehlte jedoch eine eigene Großschotwinsch und hatte einen zu kleinen Traveller. Das unverstagte Carbon-Rigg bringt zudem einen Kostenaufschlag von rund zehntausend Dollar gegenüber einem vergleichbaren Aluminiummast und stehenden Wanten mit sich, wobei dieser Teil durch die Wegfall der Püttinge und damit verbundener Strukturen ausgeglichen wird. (2)
Das Fazit
Die Freedom 35 ist eine gut durchdachte Renn- und Fahrtenyacht, die die Komplexität eines herkömmlichen Riggs gegen ein aufgeräumtes Deck und einen kraftvollen, leicht zu bedienenden Segelplan eintauscht. Ihre Konstruktion ist dort konservativ, wo es zählt, und clever, wo es sichtbar wird. Die auf das Cockpit ausgerichtete Bedienungsebene ist ideal für das Segeln mit kleiner Crew. Die Kompromisse in der Pantry und der höhere Preis für das Rigg sind spürbar, aber das angenehme Seeverhalten unter Segeln und der Komfort unter Deck machen diese Abstriche absolut verständlich.
Vorteile
- Der freistehende Carbonmast eliminiert Wanten, Achterstag und Püttinge
- Stabiles, schnelles Rudergefühl mit hervorragenden Leichtwind- und Raumwindleistungen
- Innenausbau aus Kirschbaum und Teakholz mit vollständigen Vor- und Achterkabinen
- Übertragbare 10-jährige Blasenwerftgarantie für den Rumpf
Nachteile
- Die Pantry wird wegen begrenzter Arbeitsfläche und fehlender Fußpumpen kritisiert
- Das Carbon-Rigg ist etwa zehntausend Dollar teurer als das Aluminium-Äquivalent
- Frühen Rümpfen fehlten eine ordentliche Großschotwinsch und ein entsprechend dimensionierter Traveller







