Design und Konstruktion
Bruce King verlieh der Independence ein kanuartiges Spitzgatter und einen langen Flossenkiel in Kombination mit einem am Spiegel aufgehängten Ruder. Das Unterwasserschiff wird durch diesen langen Flossenkiel und das am Spiegel aufgehängte Ruder geprägt, was den Bedarf an einer Ruderschaft und einer Stopfbuchse im Inneren des Bootes überflüssig macht. Dadurch sind die Fingerlinge und Ruderbeschläge auf See leicht zu inspizieren und zu warten. Im Gegensatz zu einem internen Ruder sind alle Komponenten – die Fingerlinge, Beschläge und der Pinnenkopf – sichtbar und zugänglich. Das Spitzgatter erhöht die Sicherheit weiter: Bei einer achterlichen See teilen sich die Wellen und gehen an dem Rumpf vorbei, anstatt das Heck anzuziehen und zu einem Sonnenschuss zu führen. Mit einer Verdrängung von 11.700 lbs, 4.500 lbs Bleiballast und einem Ballast-Verdrängungs-Verhältnis von 38 % ist das Boot steif und bietet ein sicheres, aufrechtes Segelerlebnis. Zudem liegt der Kenterungsverhältnis-Wert von 1,87 deutlich unter dem Sicherheitslimit von 2,0 für Hochseetörns. (1)
Rigg und Handhabung
Die meisten Independence-Boote waren als Kutter getakelt, wobei es in der Flotte auch einige Slup-Varianten gab. Die Kuttertakelung wurde gewählt, damit das Boot leicht aus der Plicht bedient werden kann und die Segelfläche in kleinere, handlichere Teile aufgeteilt ist. Die Zahlen bestätigen dies: Ein Großsegel von 215 ft² und eine Gesamtsegelfläche von 513 ft² bei einem Segelfläche-Verdrängungs-Verhältnis (SA/D) von 15,9 verleihen eine moderate Segelleistung, die sich bei 15 Knoten Wind oder mehr hervorragend entfaltet. Mit einem Verdrängungs-Längen-Verhältnis (D/L) von 382 ist der Rumpf schwer, hat hohe Trägheit und viel Stauraum; er wird nicht surfen oder gleiten, aber er läuft mit einer konstanten Stabilität, die leichtere Rümpfe nicht erreichen können. Eine Komfort-Ratio von 35,4 ist sehr hoch und sorgt für ein berechenbares, angenehmes Seeverhalten. Das Design gilt aufgrund seines Gewichts und der hohen Grenze der positiven Stabilität als gut geeignet, um auch schwere See zu meistern.
Unterbringung
Unter Deck wirkt die Independence größer, als es ihre Länge von 31 Fuß vermuten lässt – vor allem dank der Breite von 10'6". Die Aufteilung ist traditionell: Eine V-Koje im Vorschiff, gefolgt von einer Nasszelle und einem Kleiderschrank. Der Hauptsalon bietet eine Sofakoje und eine Wachkoje, und die Pantry ist meist U-förmig und nahe dem Niedergang platziert. Die Wasserkapazität beträgt etwa 50 Gallonen, der Kraftstoffvorrat rund 20 Gallonen – bescheidene Zahlen für längere Törns. Die Plicht ist tief und sicher, geschützt durch ein großes Brückendeck, das darauf ausgelegt ist, Wasser aus der Kabine fernzuhalten.
Bekannte Schwachstellen
Potenzielle Eigner sollten beachten, dass die Montagepunkte der Kugelbeschläge am Spiegel auf dem Achtersteven auf Spannungsrisse untersucht werden sollten. Delamination des Decks ist ein bekanntes Problem, das sich insbesondere im Balsaholzkern um den Bugspriet und den Mastfuß konzentriert. Fäulnis im tragenden Sperrholz an den Püttingen ist ein kritisches Thema. Viele ältere Einheiten sind noch mit ihren originalen Universal-Motoren ausgestattet.
Refits und Eignerschaft
Die äußeren Beschläge des am Spiegel aufgehängten Ruders sind ein praktischer Vorteil für Eigner, die lange Reisen unternehmen, da verschlissene Fingerlinge oder Flossen ohne das Auskranen oder Aufschneiden des Rumpfes begutachtet und gewartet werden können. Der eingegossene Bleiballast vermeidet die Wartungsarbeiten an Bolzenkielen, und die solide GFK-Rumpfkonstruktion ist einfach zu begutachten. Der geteilte Segelplan des Kutterriggs eignet sich zudem für kleine, nützliche Upgrades bei der Schotführung und dem Reffen, ohne den Charakter des Bootes zu beeinträchtigen.
Das Fazit
Die Ericson 31 Independence ist eine bewusst altmodische Blauwasser-Fahrtenyacht: schwer, steif, gutmütig, mit einem Kanuheck und einem externen Ruder, bei denen Sicherheit und Wartungsfreundlichkeit Vorrang vor Geschwindigkeit haben. Es ist ein Boot, das eher stur als brillant Kurs hält, und seine Unterkünfte sind für die Länge geräumig, ohne sich als größeres Schiff auszugeben.
Vorteile
- Hohes Ballast-Verdrängungs-Verhältnis und ein Kenterungsverhältnis von unter 2,0 für den Hochseeeinsatz
- Am Spiegel aufgehängtes Ruder mit vollständig sichtbarem, wartungsfreundlichem Beschlag
- Kanuheck teilt entgegenkommende Wellen für hervorragende Brutschutz-Eigenschaften
- Großzügiger Innenraum für eine 31-Fuß-Yacht dank der Breite von 10'6"
Nachteile
- Bescheidene Tankkapazitäten und mäßige Segelleistung begrenzen Reichweite und Leichtwindleistung
- Das Deck mit Balsakern und das Pappelholz der Püttinge sind bekannte Schwachstellen
- Aufgrund der schweren Verdrängung wird das Boot nicht surfen oder gleiten










