Design und Konstruktion
Der Rumpf der Bordeaux 60 ist aus vakuuminfundiertem GFK gefertigt – eine Materialwahl, die den Schritt von CNB unter der Leitung der Beneteau Group nach 1992 hin zu kompositen Semi-Custom-Bauten widerspiegelt. Der Rumpf verfügt über einen aufrechten Vorsteven und ein flaches Deck im Vorschiff, wobei die Anhänge für ein reduziertes benetztes Oberflächenprofil ausgelegt sind, um den Wasserwiderstand zu minimieren. Ein hohes Rigg thront auf dem Rumpf, und das hintere Cockpit ist gut geschützt, bietet gleichzeitig aber direkten Zugang zum Meer durch einen klappbaren Spiegel, der zugleich als Tür zu einer Beibootgarage dient. Es wurden drei Tiefgangskonfigurationen angeboten: ein Standardkiel mit 2,95 m Tiefgang, eine Version mit geringem Tiefgang (2,45 m) und ein Teleskopkiel mit 2,55 m Tiefgang, sodass Eigner die Stabilität auf See gegen den Zugang zu flachen Gewässern eintauschen konnten. (2)
Rigg und Segelplan
Briand gab der 60 ein hohes, kraftvolles Rigg mit einem Großsegel von 93,8 bis 95 m² und einer Rollgenua von 82 bis 85 m² mit 108 % Überschneidung. Ein Stagsegel von 44 m² bietet zusätzliche Optionen bei starkem Wind, und der asymmetrische Spinnaker lässt sich auf 256 m² für raume Kurse aufblasen. Das hohe Rigg-Ratio und die reduzierte benetzte Fläche der Anhänge deuten auf ein Boot hin, das eher effizient unter Segeln als nur unter Motor gesegelt werden soll. Die Rollgenua sorgt dafür, dass das Handling mit kleiner Crew auch bei voller Segelfläche einfach bleibt.
Unterbringung
CNB bot die 60 in drei, vier oder fünf Kabinen-Versionen an, wobei der Werft vier verschiedene Innenraumaufteilungen zur Verfügung standen. Der zentrale Wohnbereich befindet sich auf der maximalen Breite – knapp fünf Meter breit –, um das Stampfen zu verringern. Er ist erhöht und durch die Panoramafenster des Kajütaufbaus reichlich beleuchtet. Eine dokumentierte Aufteilung bietet eine Eignerkabine im Vorschiff mit der Koje an Backbord und einer separaten Nasszelle über die gesamte Schiffsbreite im Vorschiff sowie zwei Doppelkojen achtern. Die Segelkiste im Vorpiek ist ungewöhnlich flexibel: Sie kann als Crew- oder Kinderkabine mit oberer und unterer Koje und separater Nasszelle ausgestattet, in eine Doppelkoje umgebaut oder als Werkstatt genutzt werden. (2)
Motor und Systeme
Ein 180 PS starker Volvo Penta D4 Diesel liefert den Hilfsantrieb, kombiniert mit 930 Litern Kraftstoff und 1000 Litern Frischwasser – großzügige Reserven für eine 60-Fuß-Fahrtenyacht. Der zu öffnende Spiegel und die Beibootgarage integrieren die Bade- und Staufunktion ohne separaten Badeplattenaufbau, sodass das Heck bei geschlossenem Spiegel sauber bleibt.
Eignerschaft und Refits
Als Semi-Custom-Modell lädt die 60 zum individuellen Layout und zur Auswahl der Ausrüstung ein. Die vier Innenraumkonzepte zeigen, dass die Werft bereit war, denselben Rumpf an unterschiedliche Anforderungen anzupassen. Die Teleskopkiel-Option und die Systeme mit klappbarem Spiegel sind die mekanisch anspruchsvollsten Merkmale, und bei jedem Gebrauchtboot lohnt sich eine genaue Prüfung dieser hydraulischen Komponenten.
Das Fazit
Die CNB 60 ist eine durchdacht konstruierte Semi-Custom-Fahrtenyacht, die weit über ihr „Einstiegsmodell“-Etikett hinauswächst. Briands Rumpf und Rigg sorgen für effizientes Segeln, während der breite Salon und der konfigurierbare Vorschiffsschuh sie für den Eigner- oder leichteren Charterbetrieb äußerst anpassungsfähig machen. Sie ist ein ernstzunehmendes Hochseeboot, das sich in zurückhaltender französischer Ästhetik präsentiert.
Vorteile
- Der zentrale Wohnbereich bei maximaler Breite reduziert das Stampfen im Seegang
- Drei Kiel-Tiefen inklusive einer teleskopierbaren Option
- Konfigurierbarer Vorpiek für Crew, Kinder oder als Werkstatt
- Großzügige Wasserkapazität von 1000 l und Kraftstoffkapazität von 930 l
Nachteile
- Der zu öffnende Spiegel und der Teleskopkiel erhöhen die hydraulische Komplexität
- Die Positionierung als Einstiegsmodell bedeutet weniger individuelle Anpassungen als bei vollwertigen CNB-Yachten





