Design und Konstruktion
Was die 52 von konventionelleren Fahrtenyachten unterscheidet, ist das markante, doppelte Kajütaufbau-Design mit dem sogenannten „Doghouse“. Anstatt sich auf eine Persenning zu verlassen, die über einem tubulären Stahlrahmen gespannt wird, ist das Aluminium-Doghouse mit seinem getönten, umlaufenden Fenster eine feste Struktur. Die Bauqualität und Verarbeitung sind überall makellos. Eine solide Guss-Aluminium-Wetterklappe verschließt den Innenraum, während dezente Lüfter, die in den hintersten Rand des Doghouses eingelassen sind, bei Bedarf frische Luft nach unten zuführen. Das Gewicht außerhalb der Spanten zu halten, ist eine ausgesprochene Priorität: Motor und Batterien liegen über dem Kiel, und der Bleiballast von 4.800 kg sowie die Leerverdrängung von 14.500 kg sind um diese zentrale Masse herum angeordnet. Dank eines Hubkiels und eines langen Skegs kann sie aufrecht trockenfallen. Zudem bietet die Möglichkeit, Steckschwerter mit einer Neigung von 14° und einer Einfallswinkel von 4,5° an beiden Seiten des einlamigen Ruders mit geringer Streckung, ein anpassbares Unterwasserprofil, das bei einem Boot dieser Größe selten ist.
Rigg und Handhabung
Das Kutterrigg trägt eine Segelfläche von 130 m² auf einem reinen Vorsegeldreieck, und die Großschot ist oben am Doghouse angeschlagen, sodass das Cockpit frei bleibt. Die Primär- und Sekundärwinschen befinden sich auf den Sülls im bequemen Griffbereich des Steuermanns und der Crew. Die Testcrew von Yachting World fand das Boot selbst bei leichtem Wind überraschend agil und dank gut durchdachter Leinenführungen sehr einfach zu handhaben. Die Steckschwerter sind keine reine Zierde: Im abgesenkten Zustand verbessern sie das Gleichgewicht am Wind und verringern die physische sowie elektrische Last auf den Autopiloten. Vor dem Wind können beide Schwerter abgesenkt werden, sodass der Kielschwert-Kiel angehoben wird, um den Widerstand zu verringern und gleichzeitig die Kursstabilität zu erhalten. Die Sichtbarkeit bestimmt die Steuerungsanordnung – der Steuermann steht auf dem Achterdeck, um nach vorn sehen zu können, hat aber dennoch leichtes Zugang zur Radsteuerung und erhält eine bessere Übersicht über das Kajütdach. Die Ankerwinde befindet sich in einer flachen Decksbox neben dem Mast, um die 250 kg Kette zentral zu halten, und dient gleichzeitig zum Setzen des Großsegels. (1)
Unterbringung
Im Innenraum ermöglicht das Deckssalon-Layout einen hervorragenden Ausblick von den üblichen Sitzpositionen aus. Der große Navigationsbereich mit Kartenplotter und Radar genießt eine fast 360°-Sicht von innen aus dem Steuerhaus, was auch der Crew in der Plicht hervorragenden Schutz bietet. Das Layout mit drei Kabinen und zwei Nasszellen ist die Variante, die die meisten Eigner wählen, und bietet insgesamt sechs Kojen. Überall kann man sich leicht abstützen – ein Detail, das auf See eine große Rolle spielt. Der Kompromiss liegt im Volumen: Der Innenraum ist kleiner, als man es von einem 52-Fuß-Boot erwarten würde, was Folge des Gewichts des Steuerhauses und der auf Erkundung ausgerichteten Konstruktion ist. Ein durchdachtes Detail für Nachtwachen ist, dass alle Innenbeleuchtungen zunächst rot leuchten, wodurch die Sicht der Crew an Deck erhalten bleibt, bis erneut auf den Schalter gedrückt wird.
Refits und Eignerschaft
Als auf Maß gebaute Aluminiumyacht wird die 52 in einem hohen Standard ausgeliefert, und Eigner, die das Drei-Kabinen-Layout wählen, leben mit einem Boot, dessen Verzierungen von Anfang an makellos sind. Das feste Doghouse und die GFK-Wetterklappe bedeuten weniger Segeltuch für den Unterhalt als bei Konkurrenzmodellen mit Mittelcockpit, und der Ansatz mit einer zentralen Püttinge mindert die Nachteile beim Trimm durch zu viel Buggewicht. Der 75 PS starke Volvo D2 und die Kraftstoffkapazität von 1.257 Litern unterstützen lange Törns ohne sofortigen Druck für ein Refit.
Das Fazit
Die Boreal 52 ist eine echte Yacht für Langstreckenfahrer: aus Aluminium, an der Wasserlinie konfigurierbar und gebaut, um mit der Familie komfortabel und geschützt zu entdecken. Sie tauscht Innenraumvolumen gegen ein festes Doghouse, zentrale Gewichtsverteilung und eine Steuerstandsecke ein, die Sicht und einfache Handhabung über den Wohnkomfort stellt. Für den richtigen Eigner ist sie eine nahezu ideale Blauwasserplattform; für den auf Komfort ausgerichteten Chartersegler mag sie sich jedoch kompakt anfühlen.
Vorteile
- Festes Aluminium-Dachhaus mit Rundumblick und Schutz für die Plicht
- Konfiguration mit Steckschwert und Hubkiel für perfekten Ausgleich und Trockenfallen
- Makellose, maßgeschneiderte Aluminium-Konstruktion mit zentraler Gewichtsverteilung
- Leicht zu handhaben und zeigt bei Leichtwind laut Probefahrt agile Segeleigenschaften
Nachteile
- Kleinere Innenraumhöhe, als man es bei 52 Fuß erwarten würde
- Die Sicht beim Steuern erfordert das Stehen auf dem Achterdeck


