Design und Konstruktion
Die 423 liest sich auf den ersten Blick als klassische Fahrtenyacht. Die Freibordlinie ist etwas flacher als bei den sportlicheren Booten der Beneteau First Series, und eine feine Rundung des Rumpfes unterstreicht das entspannte Charakterprofil. Der Bug weist eine kurze, aber ansprechende Krümmung auf, anstelle eines steilen Vorstevens. Ein negativer Spiegel öffnet sich zu leicht zugänglichen Badeplätzen, und der Kajütaufbau schmiegt sich sauber in den Rumpf ein, wobei der tiefe Vorschiffsbereich teilweise vom erhöhten Heckkorb verdeckt wird.
Strukturell ist das Boot extrem gut konstruiert und ohne übermäßigen Wartungsaufwand ausgestattet. Der robuste, handaufgelegte GFK-Rumpf ist nach den CE Offshore-Kategorie A-Standards gebaut und wird durch ein laminiertes Innengitter verstärkt, das den Rumpf versteift und die Lasten des Riggs verteilt. Das Deck ist als Sandwichdeck ausgeführt, um das Gewicht zu senken, wobei für hochbelastete Bereiche massives Laminat verwendet wurde. Die Schotten sind im Rumpf und an Deck überall 360 Grad laminiert. Ein niedriger Kajütaufbau sorgt für zusätzliche Sicherheit beim Arbeiten an Deck und erhöht die strukturelle Steifigkeit an der Rumpf-Deck-Verbindung. (1)
Unter der Wasserlinie ist der Vorfuß relativ schmal und etwas flach, und der gusseiserne Bulbkiel ist außen am Rumpf befestigt. Der Standardtiefgang beträgt 5 Fuß 7 Zoll, wobei eine Flachkielversion mit 4 Fuß 9 Zoll Tiefgang und eine Version mit 6 Fuß 11 Zoll Tiefgang als Optionen verfügbar sind. Der Propeller sitzt auf einem kleinen Skeg anstelle eines anfälligen Stützbalkens, und das ausbalancierte Ruder ist für bessere Kontrolle weit hinten positioniert und als Verbundwerkstoff inklusive Ruderschaft gefertigt. Die flachen Kimmkanten und das hohe Freibord spiegeln ein niedriges Verdrängungs-Längen-Verhältnis (D/L) von 148 wider, was zu einem Rumpf beiträgt, der seine Breite weit nach achtern trägt.
Rigg und Handhabung
Die 423 ist als Masttoppslup mit einem zurückgepfeilten Baum mit doppeltem Salingen-Rigg und Decksschuh-Rumpfgetakelung ausgerüstet. Ein Rollgroßsegel ist serienmäßig, ein herkömmliches Großsegel wird als Option angeboten, und ein Profurl-Vorliekroller ist Standard. Das Testboot war mit einem optionalen Z-Spar-Baumsystem ausgestattet. Alle anderen Segellinien sind nach achtern zu zwei Lewmar 40-Winschen auf dem Kajütdach geführt, die mit Stoppern an Backbord und Steuerbord versehen sind, während die Travellersysteme für die Großschot das Ausrichten des Baums im Handumdrehen ermöglichen.
Auf dem Wasser zeigte sich die schnittige Rumpfform bei der Wende sauber am Wind, und das Ruder erwies sich als sehr leichtgängig und präzise mit hervorragender Sicht. Die 423 segelt relativ hoch am Wind, erreicht aber bereits ab einer scheinbaren Windstärke von 40 Grad ihre Grenze. Bei Abfallen zeigte sie eine beeindruckende Beschleunigung, flirtete auf einem sanften Halbwindkurs mit 7 Knoten und lief unter nur Genua auf raumem Kurs mit über 7 Knoten. Der schmale, flache Vorfuß bedeutet, dass sie in kurzem, steilem Kabbelwasser etwas stampfen kann, aber der geringe benetzte Oberflächenbereich zahlt sich bei guten Bedingungen durch gute Leistung aus. Unter Motor sorgte der serienmäßige Volvo-Diesel mit 55 PS und hohem Drehmoment für 7 Knoten Geschwindigkeit, wobei der Motor im Cockpit kaum zu hören war; der Zugang erfolgt von hinten über die Niedergangsstufe.
Unterbringung
Eigner können zwischen einem Zwei- oder Drei-Kabinen-Interieur wählen. Beide Varianten teilen sich eine Eignerkabine im Vorschiff mit einer Doppelkoje auf der Mittellinie und einer Sofakoje an Backbord, Regalen entlang des Rumpfes, Schubladen unter der Koje sowie einer eigenen Nasszelle mit separater Dusche. Die Stehhöhe in dieser Kabine beträgt nur knapp über 1,80 m. Der Salon ist geräumig, wobei das Interieur bis direkt an die Rumpfwände vorgetrieben wurde. An Steuerbord befindet sich eine U-förmige Sitzecke, an Backbord eine Sofakoje mit Stauraum darüber und dahinter; der Kompromiss ist eine geringere Tiefe der Backskisten. Decksluken und zahlreiche zu öffnende Bullaugen fluten den Raum mit Licht und Luft. Das Innenausbauhandwerk von Douka in der Mahagoni-Familie trägt einen Kirschbaumlack, und der Himmel ist aus weißem Vinyl auf abnehmbaren Latten.
Das Zwei-Kabinen-Modell bietet eine einzelne Quer-Doppelkoje achtern an Backbord mit einer Kleiderschranktruhe und einem Sitzplatz zum Anziehen, eine große Pantry achtern an Steuerbord, die sich besser für das Kochen unterwegs eignet, sowie eine Navigationsecke an Backbord mit Kartentisch. Die Drei-Kabinen-Version teilt die Achterkabine in zwei separate, längsschiff angeordnete Doppelkojen auf und verlegt die Pantry mittschiffs an Backbord mit dem Kartentisch an Steuerbord. Beide Layouts umfassen eine zweite Nasszelle achtern an Backbord. Die Plicht bietet Platz für sechs Personen ohne Enge, und ein klappbarer Steuermannssitz gibt den Blick auf die Heckstufen mit einer Warmwasser-Dusche frei.
Ausrüstung und Systeme
Der Püttingkasten und die nach achtern geführten Wanten sind im Rumpf hinter der Salonsofakuhle untergebracht, wobei eine Verbindungswelle zu einer in die Gitterstruktur einlaminierten Edelstahlstange führt. Das Cockpit ist um eine GFK-Pedestal mit Instrumentenkonsolen und einem großen Klapp-Blatttisch herum aufgebaut; als Primärwinschen dienen Lewmar 48-Winschen auf den Sülls, obwohl sie aufgrund der großen Breite etwas vom Steuerstand entfernt sind. Ein 42 Zoll großes, lederbezogenes Destroyer-Rad ist Standard. Vorne befinden sich ein robuster Vorsteven mit zwei Rollen und eine vertikale Ankerwinde in einem gut konstruierten Kettenkasten, während kräftige Klampen mittschiffs die Springleinen aufnehmen. Zur Standardausstattung der Pantry gehören ein 12-Volt-Kühlschrank mit Front- und Decksladefunktion sowie ein dreiflammiger Force Ten-Herd mit Granicoat-Arbeitsplatten und Holzfronten. Ein Volvo D2-55 mit dreiflügeligem Festpropeller (Federantrieb optional) ist mit einer herkömmlichen Wellenanordnung gekoppelt, die durch einen integrierten GFK-Achterausleger geschützt wird.
Das Fazit
Die Oceanis 423 beweist, dass eine qualitativ hochwertige Fahrtenyacht mit gutem Seeverhalten auch erschwinglich sein kann. Sie ist eine durchdacht konstruierte Decksslup, deren leichtes Ruder, sauberes Wenden und leiser Diesel das Segeln mit kleiner Crew zum Vergnügen machen, während die beiden Innenraumvarianten reichlich Volumen für ausgedehnte Törns bieten. Die nach achtern versetzte Achterkabine des Salons kostet etwas Stauraumtiefe, und die Stehhöhe im Vorschiff ist bescheiden, aber der breite Anspruch des Bootes auf dem gesamten Segelspektrum ist absolut gerechtfertigt.
Vorteile
- Leichtes, präzises Rudergefühl mit hervorragender Sicht und sauberen Wenden durch den Wind
- Leiser, effizienter Volvo-Diesel mit praktischem Zugang über die Niedergangsstufe
- Geräumige Zwei- oder Drei-Kabinen-Layouts mit reichlich Licht und Belüftung
- Solider, handaufgelegter Rumpf mit laminiertem Bodengruppe-Strukturenrahmen und 360-Grad-Schottenverbindung
Nachteile
- Tiefe der Backskisten im Salon und insgesamt reduzierte Stauraumkapazität durch das geringere Innenraumvolumen
- Stehhöhe in der Vorschiffskabine nur knapp über 1,80 m
- Die Primärwinschen sind aufgrund des breiten Achterbalks schwer vom Steuerstand aus zu erreichen
- Kann bei kurzer, steiler Welle von der schmalen, flachen Fußreling her leicht einsetzen





