Design und Konstruktion
Humphreys formte den Rumpf der 56 mit einem weichen V-förmigen Vorfuß und einer großzügigen Krümmung im vorderen Profil, um das Einsetzen des Bootes in die Wellen zu dämpfen. Das Ruder ist 11 Grad geneigt und verfügt über eine verlängerte Flossenprofilierung vor dem Skeg – eine Geometrie, die die Kursstabilität verbessert. Es wurden zwei Kieloptionen angeboten: ein Flachkiel mit 6 Fuß Tiefgang und einem bulbigen Ende sowie ein tieferer Kiel mit 7 Fuß 10 Zoll Tiefgang, der einen ausgestellten, abgeflachten Ende aufweist und keine Bulbgeometrie besitzt. Der Rumpf besteht aus massivem GFK, während das Deck als Balsaholzkerndeck ausgeführt ist, um das Gewicht im Überwasserschiff zu halten. Besonders bemerkenswert ist, dass die 56 die erste Yacht mit einer ergonomisch gestalteten Plicht war, die gemeinsam mit dem Ergonomie-Department der Loughborough University entwickelt wurde – ein Mittelcockpit-Layout, das zudem Platz für einen begehbaren Maschinenraum schafft. (1)
Rigg und Handhabung
Das Kutterrigg ist mit einer Segelfläche von 1.418 Quadratfuß und einem SA/D-Verhältnis von 15,28 im Vorsegeldreieck eher bescheiden. Es wird auf drei Salingen mit nach achtern versetzten Unterwanten getragen, ergänzt durch ein Babystag, das den Mast in 8 Grad Winkel kreuzt. Unter Motor sorgt ein 110 PS starker Yanmar-Diesel für einen 3-flügeligen Max-Antrieb und sollte die 56 bei etwa 9,3 Knoten beschleunigen. Auf der Regattabahn bewies sie sich als fähige Fahrtenyacht: Klassen Siege in der ARC und ein Sieg in der Cruising Class 1 bei der Antigua Sailing Week, wo sie ernsthaftere Regattakonkurrenten schlug. Das D/L-Verhältnis von 237 und das L/B-Verhältnis von 3,53 ordnen sie fest in die Kategorie der beladenen Fahrtenyachten ein und nicht in die der leichten Regattayachten. (1)
Unterbringung
Die als „Raised-Saloon“ bezeichnete Konfiguration, die die Oyster-Linie prägt, verleiht der 56 einen hellen Hauptwohnbereich mit einer großen, geschwungenen Sitzecke; das Steuerbordsofa ist zu kurz, um als Kojen genutzt werden zu können. Eine riesige Pantry mit reichlich Arbeitsfläche und einem großen Gefrierschrank bildet den Mittelpunkt des Aktionsbereichs, während die Achterkabine eine geschwungene Sofakoje und einen Schminktisch auf der Mittellinie bietet. Vier Kabinen bieten acht Gästen komfortabel und stilvoll Platz für das Leben an Bord – ein Layout, das die Designvorgabe für Crewkomfort erfüllt, ohne die Handhabung durch ein kleines Team zu beeinträchtigen.
Das Fazit
Die Oyster 56 ist eine durchdacht konstruierte Blauwasser-Fahrtenyacht, die auf der Regattabahn weit über ihr komfortorientiertes Image hinausragt. Humphreys’ Rumpf und das ergonomische Cockpit verleihen ihr eine seltene Mischung aus Agilität für kleine Crews und Hochseestabilität, während der erhöhte Salon und der begehbare Maschinenraum die Anforderungen beim Wohnen an Bord und bei Wartungsarbeiten erfüllen. Die Option mit Zwillingskiel erweitert ihre Reichweite, obwohl das moderate Rigg bei leichtem Wind Geduld erfordert.
Vorteile
- Bewährte Hochseeleistung mit Klassensiegen bei der ARC und der Antigua Sailing Week
- Ergonomische Plicht, entwickelt in Zusammenarbeit mit der Loughborough University; begehbarer Maschinenraum
- Wahl zwischen Flach- oder Tiefkiel; solider GFK-Rumpf mit Sandwichdeck aus Balsaholzkern
- Geräumiges Layout mit vier Kabinen und acht Gästekojen sowie einer großen Pantry
Nachteile
- Die bescheidene SA/D-Verhältnis von 15,28 schränkt die Leistung bei leichtem Wind ein
- Die Steuerbord-Sitzbank ist zu kurz für eine Koje
- Der tiefe Kiel hat einen Tiefgang von 7'10" und schränkt einige Ankerplätze ein







