Design und Konstruktion
Huntingfords entscheidender Entwurfsweg war ein Langkiel mit einem zurückgeschnittenen Vorfuß und einem geschützten, Skeg-aufgehängten Ruder – ein Profil, das die Kursstabilität auf See über die Agilität im engen Hafen stellt. Der Rumpf ist aus handaufgelegtem, robustem GFK mit einem massiven Laminat gefertigt, das oft moderne Berechnungsgrundlagen übertrifft. Anstelle eines angebolzten Eisenkiels trägt die Explorer 10.430 Pfund eingegossenen Bleiballast, sodass es keine Kielbolzen gibt, die rosten oder versagen könnten. Dieses schwere Blei sorgt zusammen mit einem Ballast-Verdrängungs-Verhältnis von 35 Prozent für ein steifes aufrichtendes Moment, während ein Kenterungsverhältnis von 1,71 und eine Komfort-Ratio von 40,8 sie zu den weicher segelnden und kenterbeständigeren Booten dieser Größenklasse machen. (1)
Rigg und Handhabung
Die meisten Explorer 45 verließen die Werft als Stagsegel-Ketschen oder als mit Kuttertakelung ausgestattete Slups. Die Ketsch-Konfiguration teilt die insgesamt 920 Quadratfuß Segelfläche besonders effektiv in kleinere, leichter zu handhabende Einheiten auf. Diese Aufteilung macht das Boot einhand sehr einfach zu segeln, da der physische Kraftaufwand beim Trimmen minimiert wird. Das konservative Verhältnis von Segelfläche zu Verdrängung (SA/D) von 15,3 und ein Verdrängungs-Längen-Verhältnis (D/L) von 340 bestätigen ihren Charakter als Boot mit gutem Schwung: Sie trägt Fahrt durch die Wellen, anstatt sich bei leichtem Wind schnell zu beschleunigen. Der Kompromiss des Langkiels ist ein größerer Wendekreis und die Tendenz, dass das Heck rückwärts unvorhersehbar driftet – ein bekanntes Merkmal dieser klassischen Fahrtenyachten mit ausgeprägtem Radeffekt. (1)
Unterbringung
Das Mittelcockpit-Layout war die beliebteste Konfiguration und bietet eine riesige Achterkabine mit großzügigem Raumgefühl, die durch einen offenen Durchgang mit dem Hauptsalon verbunden ist. Der Innenraum ist typischerweise in edlem Teak oder Mahagoni ausgeführt, was die traditionelle Handwerkskunst dieser Zeit unterstreicht. Eine U-förmige Pantry befindet sich im Hauptverkehrsbereich des Bootes, ist jedoch so positioniert, dass sie bei Krängung Schutz bietet. Die tiefe Plicht ist sicher, obwohl sich die erhöhte Position des Mittelcockpits exponierter anfühlt als bei einer Achtercockpit-Konstruktion. Mit über 650 Litern Kraftstoff und fast 750 Litern Wasser, die tief im Rumpf integriert sind, liegen die Tankkapazitäten des Bootes unter Deck, um die Stabilität zu verbessern und nicht den Wohnraum einzuschränken. (1)
Bekannte Schwachstellen
Die Verbindung zwischen Rumpf und Deck sowie die Sandwichdeckstrukturen mit Sperrholzkern sind die Hauptbereiche, in denen die strukturelle Integrität beeinträchtigt sein kann. Viele Rümpfe wurden mit Teak statt GFK gebaut, und wenn Schrauben ausbrechen oder das Fugenmaterial versagt, kann der darunter liegende Sperrholzkern verrotten. Die Püttinge sind oft hinter dem Teak-Innenausbau verborgen, sodass sie auf Leckagen oder Spaltkorrosion an den Stellen untersucht werden müssen, an denen sie das Deck durchdringen. Die originalen Kraftstofftanks aus Schwarzblech oder Baustahl sind berüchtigt dafür, von oben nach unten zu korrodieren, und können einen Großteil der Innenausbauarbeiten erfordern, da sie häufig unter den Bodenbrettern oder hinter den Schotten des Maschinenraums liegen. Frühe taiwanesische Harze neigten zudem zu Osmoseblasen, sodass Anzeichen einer früheren Epoxidbehandlung beachtet werden sollten. (1)
Refits und Eignerschaft
Da das Boot in engen Marinas nur zögerlich wendet, ist ein Bugstrahlruder ein beliebtes und praktisches Nachrüstprojekt, das viele Eigner installiert haben. Der eingegossene Ballast eliminiert eine typische Sorge bei Kielbooten mit Bolzenkiele, und das dicke, massive Rumpflaminat bietet eine gutmütige Plattform für langfristige Törns. Im Vergleich zur Tayana 37 bietet die Explorer 45 deutlich mehr Länge in der Wasserlinie und mehr Innenraumvolumen bei relativ geringerem Aufwand für die Wartung. (1)
Das Fazit
Die Explorer 45 ist eine robust gebaute, komfortable Langstrecken-Fahrtenyacht mit einer seltenen Stückzahl und einer klaren Designidentität. Sie belohnt den Käufer, der Stabilität, Innenraumvolumen und traditionellen Innenausbau über Manövrierbarkeit im Hafen oder Leichtwindleistung stellt. Ihre bekannten Schwachstellen konzentrieren sich auf vorhersehbare, inspizierbare Bereiche.
Vorteile
- Der einlaminierte Bleiballast eliminiert das Risiko von Korrosion an den Kielbolzen
- Außergewöhnlicher Bewegungskomfort und Kenterwiderstand für Hochseeeinsätze
- Das geteilte Ketsch-Rigg macht das Einhand-Segeln praktisch machbar
- Große Kraftstoff- und Wasserkapazität sitzt tief für hohe Stabilität
Nachteile
- Unberechenbares Rückwärtsverhalten und spürbarer Radeffekt
- Sperrholzkern-Decks und Teaküber-GFK-Details erfordern eine genaue Inspektion
- Die originalen Kraftstofftanks sind fehleranfällig und schwer zugänglich






