Design und Konstruktion
Der Rumpf der 292 ist unter der Wasserlinie aus massivem 9½-Unzen-Laminat gefertigt, besitzt im Überwasserschiff jedoch einen Balsakern. Die Formteile sahen gut aus und zeigten kaum Haarrisse. Die Stützbalken unter Deck sind unverzichtbar, fallen aber nicht auf. Die Relingstützen wirken auf dem gelochten Aluminium-Fußreling sehr stabil, an dem auch dicke Klampen für Bug-, Heck- und Springreiter befestigt sind. Im Vergleich zur 291 erhielt die 292 ein höheres Freibord und längeres Überwasserschiff, was mehr Stehhöhe unter Deck ermöglicht. Der Kiel ist nicht als Bulbkiel ausgeführt und hat am Kielansatz eine größere Kettenstrebe als am Kielende; er trägt rund 37 % des Bootsgewichts. Die Püttinge für die nach hinten geneigten Vor- und Achterliek liegen nahe am Kajütaufbau. Eigner berichten, dass das Boot mit ausreichender Stehhöhe ausgeliefert wurde, und Yachting Monthly fand es angesichts des schlanken Rumpfes überraschend geräumig.
Rigg und Handhabung
Auf dem Wasser ist die 292 schnell und trägt ihr Segel gut für einen schmalen Rumpf mit einer großen Takelung. Die Großschot läuft zu einem Traveller direkt vor der Pinne, sodass sie leicht erreichbar bleibt, obwohl es sich bei dem Großsegel mit 4:1 nur um eine moderate Verstärkung handelt. Eine 4:1 Verstärkung am Achterstag mit einer festen Drahtstopper als Backup ist etwas unterdimensioniert, und das Achterstag-Polster könnte deutlich mehr Kraft vertragen. Viele 292er nutzen überlappende Vorsegel anstelle der originalen Selbstwendefock, und einige Crews finden, dass die Lewmar 16 Primärwinschen bei diesem größeren Segel etwas mehr Kraft erfordern. Die Seitendecks sind großzügig breit, aber die Sülls liegen sehr dicht an den Schutzleitungen. Dies verhindert, dass man sich beim Krängen weit nach hinten lehnen kann, um den Oberkörper ausgestellt zu halten. An der Pinne reagiert sie direkt und präzise, und wenn das Ruder abdriftet, wird man nur durch eine sanfte Sonnenschuss-Kenterung bestraft, nicht durch eine heftige. Probefahrten zeigten, dass sie bei Gegenstrom bis zu 7 Knoten erreichen konnte, im Seegang mit Standardsegeln 5 Knoten am Wind segelte und mit aufgerüsteten Segeln bei besserem Wind 5,3 Knoten am Wind lief – damals wie heute konkurrenzfähig.
Unterbringung
Unter Deck ist die 292 deutlich komfortabler und besser ausgestattet als die 291. Der Innenraum ist mit warmem Marinesperrholz ausgestattet, mit stoffbezogenen Polsterungen aus 8 cm Schaumstoff – mit Ausnahme der Achterkoje, die mit 4 cm Schaumstoff ausgestattet ist. Die V-Koje verfügt über Schränke und Regale unter der Koje, und zwei Sofakojen von etwa 6 Fuß 2 Zoll Länge dienen als Schlafplätze. Die achteren Nasszellen und der offene Salon mit der Vorschiffskoje verleihen dem Boot ein modernes Flair. Die Nasszellen wurden nach achtern verlegt, während die Achterkoje der 291 schräg eingebaut wurde, um eine Art Achterkabine zu schaffen. Eine funktionale Pantry neben dem Niedergang bietet eine Edelstahlspüle, einen zweiflammigen Gasherd mit Backofen, eine Gasflasche, eine Kühlbox, Schubladen und einen Schrank. Ein kleiner, klappbarer Kartentisch befindet sich am Heckende der Backbord-Salonkoje. Die Yacht verfügt zudem über einen 100-Liter-Frischwassertank mit Druckwassersystem. Das Cockpit selbst hat angenehm geneigte Sülls und eine gute Beinstützenbreite zwischen den Sitzen.
Bekannte Schwachstellen
Gutachter haben bei einigen 292s sehr feuchte Sandwich-Probleme im Kern festgestellt, insbesondere im Bereich des Mastfußes, und empfehlen eine sorgfältige Überprüfung der Befestigung des Hauptschotts und seiner Laminatverbindungen. Die Verbindung der Kielstruktur, die den Kiel trägt, muss besonders bei der Flügelkiel-Version genau untersucht werden. Der serienmäßige 10-PS-Volvo-Diesel wurde von Hanse verbaut, um die Kosten zu senken, und ist für längere Törns etwas unterdimensioniert.
Refits und Unterhalt
Der originale 10 PS Volvo Penta MD2010 war eine bewusste Sparlösung, und es ist bekannt, dass Eigner gelegentlich einen Motor mit doppelter Leistung nachrüsten. Der Kauf eines neuen Achterstags lohnt sich für alle, die Regatten segeln oder das Boot intensiv nutzen. Die Größe der Winsche sollte ebenfalls berücksichtigt werden, wenn überlappende Vorsegel gefahren werden. Das massive Laminat unter der Wasserlinie und die schönen Formen des Überwasserschiffs deuten auf eine einfache Struktur hin, solange Kern und die Schottenverbindungen intakt sind.
Das Fazit
Die Hanse 292 ist eine schnelle, gut aussehende Performance-Fahrtenyacht von knapp unter 30 Fuß Länge, die sich weiterhin extrem segelfreudig und leicht zu handhaben zeigt. Sie belohnt eine sorgfältige Prüfung des Rumpf- und Kielguts, bietet aber einen geräumigen, modernen Innenraum auf einer bewährten Rumpflinie.
Vorteile
- Der schlanke, ausgewogene Rumpf sorgt für ein leichtes Rudergefühl und ein sanftes Sonnenschussverhalten
- Geräumigerer, komfortablerer Innenraum als bei der 291 mit separaten Nasszellen achtern und offenem Raumkonzept
- Schnell und konkurrenzfähig mit Standard- oder upgegradeten Segeln (1)
Nachteile
- Feuchter Sandwichkern im Bereich des Mastfußes und fragwürdige Schotten-Anbindung erfordern ein Gutachten
- Unterdimensionierter Standardmotor und der Kauf eines neuen Achterstags (1)








