Design und Konstruktion
Der Rumpf der 4700 ist ein infundiertes Epoxid-Schaumkern-Laminat mit klarem Gelcoat, das eine strukturelle Fehlerprüfung ermöglicht. Der Eigner kann die Farbe des Überwasserschiffs aus dem Lackierangebot wählen. Über der Wasserlinie besteht das Deck aus einem Balsaholzkern-Sandwich aus Glasfaser und Epoxidharz, in das an den Montagepunkten der Beschläge solide Aluminiumplatten eingelassen sind. So werden Schrauben und Bolzen in Metall statt in den nackten Kern gebohrt und geschraubt. Ein erhöhter Kajütaufbau mit großzügigen Bullaugen sorgt für viel Licht im Innenraum. Das riesige Brückendeck, das weit nach vorn und achtern reicht, leistet hervorragende Arbeit, um zu verhindern, dass Wasser in die Kabine unter Deck dringt – ein Merkmal, das eher auf Blauwassertauglichkeit als auf kosmetische Gestaltung hinweist.
Rigg und Handhabung
Das Boot ist mit dem von Tartan als „Cruise Control Rig“ bezeichneten Rigg ausgestattet: ein Carbonmast, ein kraftsparender Carbon-Bugbaum und zwei Vorsegel im Solent-Stil, ergänzt durch eine selbstwendende, hydraulisch aufrollbare Fock. Die Stagen sind direkt neben dem Kajütdach angeschlagen, was für sehr geringe Schotwinkel sorgt und eine freie Sicht nach vorn entlang der breiten Seitendecks ermöglicht. Edsons Nennradsteuerung am überdimensionierten Steuerrad erwies sich in den Tests als butterweich, und das Boot ging mit etwas weniger als 90 Grad Winkel über die Welle. In der Zeitschrift Cruising World berichtete ein Tester, dass er das Boot bei leichtem Kabbelwasser in Biscayne Bay bei 7 Knoten Windstärke in 12 bis 17 Knoten wahrem Wind aufkreuzen konnte. Eine separate Seetransportprüfung zeigte Werte von 6,5 bis 7,2 Knoten am Wind und 7,4 Knoten raumschots. Bei stärkerem Wind lief das Boot gut kursstabil und drehte bei über 20 Knoten Wind ohne Zögern durch. Auf einem hohen Halbwindkurs lief es über 8 Knoten, und auch Böen konnten es nicht beeindrucken, selbst wenn das Großsegel nach einer Kämme zu langsam gefiert wurde. Unter Motor lieferte der standardmäßige 75 PS Volvo mit Saildrive (das Testboot war mit einem 110 PS Yanmar mit dreiflügeligem Gori-Faltpropeller ausgestattet) 6,8 Knoten bei 2.700 U/min und 7,8 Knoten bei 3.200 U/min. (1)
Unterbringung
Unter Deck überwiegen Kirschbaumholz und Holzverkleidungen. Der Hauptsalon umschließt einen Klapp-Tisch mit einer L-förmigen Couch an Backbord und einer großzügig dimensionierten Navigationsecke mit Schreibtisch an Steuerbord, unter riesigen Fenstern zum Wetterbeobachten. Die Niedergangsstufen sind so dimensioniert, dass man sich sicher auf den Beinen fühlt, und der schmale Durchgang nach unten sollte bei jedem Seegang sicher bleiben, obwohl ein Tester eine geringe Stehhöhe unter der Luke auf der letzten Stufe bemerkte. Die Pantry liegt eine Stufe tiefer und ist gegen das vordere Schott gequetscht mit tiefen Stauräumen, während eine Kabine an Steuerbord mit Kojen stattdessen als Vorratskammer oder Büro ausgestattet werden kann. Im Vorschiff bietet die Eignerkabine eine Inselbett-Koje auf der Mittellinie mit reichlich Stauraum und einer geräumigen Dusche; eine dritte Kabine ganz achtern verfügt ebenfalls über eine Koje, obwohl ein Tester die Stehhöhe darüber als eng empfand und eine störende Box, die die Steueranlage abdeckt, sich über der Steuerbord-Polsterung befindet.
Cockpit und Deck
Das achtere Cockpit ist primär für das Segeln und sekundär für das Entspannen konzipiert. Es verfügt über lange, gut proportionierte Bänke zum Ausstrecken, hohe Sülls als Rückenstütze und einen klappbaren Teaktisch zum Essen. Ein Teakboden erwies sich als optisch ansprechend und sicher unter den Füßen. Das schließbare Cockpit schützt die Crew vor den Elementen, wie es sich für ein Blauwasserboot gehört, und eine kleine, klappbare Badeplattform im leicht negativen Spiegel – integriert in die Rohre des Heckkorb-Pults – erleichtert das Einsteigen.
Bekannte Schwachstellen
Die vordere Position der Pantry ist zwar geräumig, erschwert es jedoch, Gästen oder Wachen im Cockpit Essen zu servieren. Da sie zudem weit vom Niedergang entfernt ist, fehlt es ihr an natürlicher Belüftung. Das riesige Brückendeck, das zwar hervorragend gegen Spritzwasser schützt, reicht so weit nach vorn, dass Tester den Zugang zum Niedergang mit aufgeholtem Sprayhood als schwierig empfanden. Die Sicht nach vorn ist durch das erhöhte Kajütdach eingeschränkt, und die Steuerbox im Achterkabinenbereich ist ein echter Störfaktor. (1)
Das Fazit
Die Tartan 4700 ist ein Boot, das sowohl schön als auch gutmütig zu seiner Crew ist – eine solide, hochseetaugliche Fahrtenyacht mit einer durchdachten Decksstruktur und einem Rigg, das das Segeln mit kleiner Crew machbar macht. Jackett’s Konstruktion balanciert Volumen und Leistung aus, wenngleich einige Kompromisse im Layout – die Isolierung der Pantry und das Volumen des Brückendecks – das Ideal für das Wohnen an Bord etwas dämpfen.
Vorteile
- Infundierter Epoxid-Schaumrumpf mit durchsichtigem, inspizierbarem Gelcoat und Aluminiumdeckskern
- Solent-getakeltes Carbon-Rigg mit selbstwendender Rollfock für einfaches Handling
- Hervorragende Leistung bei leichtem Wind und Böen mit sehr stabiler Kursstabilität
- Helle, erhöhte Salons mit privaten Vorschiff- und Achterkabinen sowie eigener Nasszelle
Nachteile
- Die weit vom Cockpit entfernte Pantry beeinträchtigt den Service und die Belüftung
- Das Brückendeck erschwert den Zugang zum Niedergang unter der Sprayhood
- Eingeschränkte Stehhöhe im Achterkajütaufbau durch den Einbau der Radsteuerung
- Eingeschränkte Sicht nach vorn, wenn man hinter dem Kajütaufbau sitzt









