Design und Konstruktion
Johnson basierte die 465 auf der früheren IP 445 und gab ihr anschließend einen traditionellen Spiegel sowie eine externe Badeplattform, um mehr Bewegungsfreiheit im Achterkabinenbereich zu gewinnen und zusätzlichen Stauraum sowohl an Deck als auch unter Deck zu schaffen. Rumpf und Langkiel sind aus harzinfundiertem, hochfestem Knüppelglasgewebe als Einzelstück gebaut, während Rumpf und Deck von Hand mit speziellen Harzen und knüpfbaren triaxialen Geweben laminiert werden. Polycore-Schaumstoff versteift das Deck und die Bodengruppe. Alle Außenflächen sind mit osmosebeständigem PolyClad 3 Gelcoat versehen, der durch ein Vinylesterlaminat geschützt wird – ein System, das die Werft mit einer 10-jährigen begrenzten Garantie gegen Osmosebläschen absichert. Bleiballast ist im Kiel eingegossen, und die Rumpf-Deck-Verbindung nutzt eine angeformte Flanschverbindung, die mit Edelstahlbolzen, Unterlegscheiben, Dichtung und Urethan-Dichtmasse befestigt ist. Alle Decksbeschläge sind mit Aluminiumplatten verstärkt, und die Werft zählt die robuste Bauweise zu den Stärken des Modells. (1)
Rigg und Handhabung
Die 465 ist mit einem mittelgroßen Kutterrigg mit einer Hoyt Selbstwendefockbombe ausgestattet. Das Rollfock-Rigg mit zwei Salingen im Mast stammt von Charleston Spars und ist eloxiert sowie pulverbeschichtet. Ein kurzer Bugspriet trägt die Last des Vorstags und der beiden Anker, wobei Moorklampen auf den Teak-Gürteln angebracht sind. Die Fockschoten laufen auf Schienen an den Gürteln, sodass die Seitendecks frei bleiben. Unter Segeln ist das Boot keine Regattayacht: Bei 10 Knoten Wind drehten Tester etwa 110 Grad durch und erreichten 5 Knoten Fahrt, gelegentlich kletterte es auf knapp über 6 Knoten. Das Magazin weist darauf hin, dass Boote mit Langkiel nicht so schnell drehen wie solche mit Flossenkiel. Dennoch lief sie kursstabil, setzte sich durch Inertie in Flautephasen in Bewegung und erreichte bei 11 Knoten scheinbarem Wind 6,4 Knoten, bevor sie nach 15 Minuten auf dem GPS 7,7 Knoten anzeigte. Die Bewegungen im Seegang waren sanft und angenehm. Ein 75 PS starker Yanmar mit hervorragender Isolierung läuft unter einem festen Dreiflügelpropeller deutlich über 7 Knoten, und das Mamba-Steuerungssystem reduziert die Spielweite über die lange Strecke vom Rad bis zum Ruderblatt. (1)
Unterbringung
Das Mittelcockpit-Layout öffnet sich zu einem achtern liegenden Deck mit den Maßen 11 mal 7 Fuß, groß genug, um ein 10-Fuß-Inflatable zu verstauen oder zum Sonnenbaden zu nutzen. Es verfügt über eine fest installierte Badeplattform aus Edelstahl, GFK und Teak sowie eine aus dem Wasser aufholbare, verdeckte Leiter. Die Cockpitsitze sind über 6 Fuß lang und haben geneigte Rückenlehnen – lang genug, um an Deck zu schlafen. Unter Deck bietet der Salon eine Stehhöhe von über 7 Fuß, eine breite Sitzecke, deren Backbordseite sich zu einer Doppelkoje ausziehen lässt, und einen klappbaren Tisch, dessen Größe sich verdoppelt. Zudem gibt es mit UltraLeather bezogene Seekojen mit Handläufen entlang des Kajütaufbaus. Die vordere Kabine verfügt über eine umlaufende Doppelkoje mit Taschenfederkern-Matratze und direktem Zugang zur Nasszelle; deren WC und Dusche sind größer als die der Achterkabine, die selbst eine Insel-Doppelkoje und eine separate Nasszelle mit Vacu-Flush bietet. Die hochwertige Pantry ist mit einem dreiflammigen Force 10-Herd, einer doppelten Spüle und zwei Kühlschrank-Kombinationen ausgestattet, wodurch das Volumen unter dem erhöhten Cockpit optimal genutzt wird. Die Navigationsecke an Backbord kombiniert einen großen, drehbaren Stuhl mit einem Kartentisch und einer flachen Backskiste. Hochwertiger Innenausbau und ein massiver Boden aus Teak und Eiche runden das Interieur ab.
Bekannte Schwachstellen
Die 465 zeigt keine besonders spitzen Wendewinkel und ein Rudergefühl, das die Tester ohne nähere Erklärung kritisierten. Bei dem getesteten Boot behinderte ein großer Kartenplotter auf dem Steuersäulenkopf den Blick des Rudergängers nach vorn erheblich – ein Detail der Ausstattung, das sich ein Käufer leicht anpassen lassen kann. Beim Rückwärtssegeln über die Welle führte der Windwiderstand des Rollgroßsegels dazu, dass das Bugspriet ins Leeseeg schlug; eine gezielte Nutzung des Bugstrahlruders korrigierte jedoch sofort wieder den Kurs. (1)
Das Fazit
Die Island Packet 465/495 ist eine robust gebaute Langkiel-Fahrtenyacht, die enge Wendemanöver und präzises Wenden gegen den Wind gegen Kursstabilität, Bewegungskomfort im Wasser und ein enormes Wohnvolumen auf See eintauscht. Ihr eingegossener Ballast, der einteilige Rumpfkiel und der tiefe Bilgenbereich mit leicht zugänglichen Seeventilen zeugen von einem ernsthaften Hochseeprogramm, während die Aufteilung des Mittelcockpits nach allen Maßstäben großzügig bleibt. Sie ist ein Boot, um das Wetter zu überstehen, nicht um Bojen zu jagen.
Vorteile
- Innenraumaufteilung und Verarbeitungsqualität
- Staufläche und Sonnenbänke auf dem Achterdeck
- Robuste Bauweise
- Angenehmes, weiches Seeverhalten unter Segeln
- Einlaminierte Bleiballast ohne externe Kielbolzen
Nachteile
- Nicht besonders günstige Winkel beim Wenden
- Gewichtsverteilung am Ruder
- Der Windangriff im Bug erschwert das Rückwärtsfahren ohne Strahlruder





