Design und Konstruktion
Andersons Entwurf aus dem Jahr 1966 kombiniert einen massiven GFK-Rumpf und -Deck mit einem Flossenkiel und einem Spatenruder. Das Boot liegt am robusten Ende des Verdrängungsspektrums: Eine Gesamtverdrängung von 4.000 Pfund bei 2.300 Pfund Ballast führt zu einem Ballast-Verdrängungs-Verhältnis (B/D) von rund 57,6 Prozent (Quellen weichen leicht ab, eine nennt 59 %). Dieser hohe Ballastanteil, weit über dem üblichen Wert von 40 Prozent für ein steifes Boot, sorgt für ein kraftvolles aufrichtendes Moment und eine hervorragende Anfangsstabilität. Das Verdrängungs-Längen-Verhältnis (D/L) von 363 ordnet sie fest in die Kategorie der ultraschweren Fahrtenyachten ein, was auf ein sehr robust gebautes Boot für diese Größe hinweist. Der Kenterungsverhältnis-Wert nahe 1,9 spricht ebenfalls dafür, dass sie eine solide Wahl für Hochseepassagen ist. Mit einer Komfort-Ratio von rund 23 bietet sie eher den Komfort einer Fahrtenyacht als den eines reinen Daysailers. (1)
Rigg und Handhabung
Die Hurley 22 ist eine Masttoppslup mit einer Segelfläche von 240 Quadratfuß, aufgeteilt auf ein Großsegel von 118 Quadratfuß und eine Arbeitsfock von 122 Quadratfuß. Ihr Segelfläche-Verdrängungs-Verhältnis (SA/D) von 15,3 ordnet sie in die Kategorie der untertakelten Boote ein, was bedeutet, dass sie eine gute, steife Brise benötigt, um unter Segeln vernünftige Geschwindigkeiten zu erreichen. Die theoretische Rumpfgeschwindigkeit liegt bei 5,52 Knoten. Ein Längen-Breiten-Verhältnis (L/B) von 3,00 macht sie schlanker als die meisten vergleichbaren Konstruktionen, und die Kimmkiel-Variante – ein Zwillingskiel-Layout, das oberhalb der Wasserlinie dieselben Rumpf- und Decksformen wie die Flossenkiel-Version teilt – ermöglicht es dem Boot, aufrecht trocken zu fallen oder anzulanden, was in Gezeitenrevieren ein echter Vorteil ist. (1)
Unterbringung
Unter Deck ist die Aufteilung einfach und funktional: Eine V-Koje im Vorschiff, eine Achterkoje an Steuerbord und eine Pantry an Backbord, mit Teakholz-Ausbauten im gesamten Innenraum und einer Stehhöhe von etwa 4 Fuß 6 Zoll (ca. 1,37 m), die Kritiker der damaligen Zeit als unterdurchschnittlich für die Klasse bezeichneten. Frühe Boote besaßen keine separate Nasszelle, obwohl spätere Versionen wie die Hurley 22R versuchten, eine einzurichten – und diese Version soll dabei erfolgreich gewesen sein. Standardmäßig war kein Wassertank installiert, obwohl Platz für Kanister vorhanden war. Das Boot verließ sich typischerweise auf einen Außenborder in einem Brunnen und nicht auf einen festen Kraftstofftank.
Bekannte Schwachstellen
Die Kimmkiel- und Flossenkiel-Versionen teilen identische Formen oberhalb der Wasserlinie. Unterschiede im Zustand lassen sich daher auf die Innenausbauqualität, die Masthöhe, das Ballastmaterial und das Experiment mit der Nasszelle zurückführen, nicht auf die Rumpfintegrität selbst. Der Mangel an Standardtanks und die geringe Stehhöhe sind die praktischen Einschränkungen, mit denen sich ein Käufer auseinandersetzen muss.
Refits und Eignerschaft
Nachdem Hurley Marine Ltd. 1974 die Produktion einstellte, übernahm South Coast Marine sowie Ravensail das Modell. Letztere vermarktete ihr Boot als Hurley 22R mit der separaten Nasszelle. Hurlwind baute zwischen 1988 und 1990 einige Exemplare, und einige wurden in Holland unter Lizenz als Hurley 700 produziert. Bei allen diesen Bauten waren die wesentlichen Unterschiede nur geringfügige Abweichungen bei den Innenausbauten, Mastlängen und dem Ballastmaterial. Für Eigner hält die Außenborder-Lösung den Antrieb einfach, und der robuste Rumpf fördert eine langfristige Pflege.
Das Fazit
Die Hurley 22 ist eine robust gebaute, sehr stabile Fahrtenyacht für Küstenreviere mit echtem Hochseegedächtnis – wenn sie nur in die richtigen Hände gerät. Sie ist schmal, steif und vertrauenerweckend schwer, wenn auch bei leichtem Wind langsam und unter Deck eng. Für Segler, die Seetüchtigkeit und Einfachheit über Geschwindigkeit und Volumen stellen, bleibt sie eine durchdachte Wahl.
Vorteile
- Außergewöhnlich hoher Ballastanteil für ein 22-Fuß-Boot, was eine starke Anfangsstabilität bietet
- Extrem schwere Verdrängerbauweise mit bewährter Geschichte bei Ozeanüberquerungen
- Kimmkiel-Option ermöglicht aufrechtes Trockenfallen an Gezeiten-Liegeplätzen
- Einfache Außenborderschacht-Antriebslösung erleichtert den Unterhalt
Nachteile
- Der untermotorisierte Segelplan benötigt eine frische Brise für gute Leistung
- Unterdurchschnittliche Stehhöhe und frühe Boote ohne eigene Nasszelle
- Keine Standard-Wassertanks oder Kraftstofftanks







