Konstruktion und Bauweise
Mit einer Länge über alles von 31 Fuß und einer Wasserlinienlänge von 26,25 Fuß weist die Guyline 95 eine Verdrängung von 7.275 Pfund bei einem Bleiballast von 2.425 Pfund auf – ein Ballast-Verdrängungs-Verhältnis von 33 Prozent, das die offiziellen Daten als deutlich höher als die nur 14 Prozent der vergleichbaren Konstruktionen ausweisen. Der Bleikiel ist ein klappbarer Hubkiel, der es dem Boot ermöglicht, sich bei einem Tiefgang von je nach Beladung etwa 4,3 bis 4,6 Fuß in flachen Marinas trockenfallen zu lassen und gleichzeitig tief in Binnengewässer vorzudringen. Ein Verhältnis von Länge zu Breite von 3,15 macht sie breiter als die Hälfte aller ähnlichen Segelboote, und der massive GFK-Rumpf sowie das Deck sind mit einem Spatenruder kombiniert. Ihr Verdrängungs-Längen-Verhältnis (D/L) von 180 ordnet sie eher zu den leichten Regattayachten als zu den Fahrtenyachten ein, und das Immergierate von 160 kg/cm (etwa 900 Pfund pro Zoll) zeigt, wie wenig sie für ihre Tragfähigkeit einsinkt. (1)
Rigg und Handhabung
Die 95 wurde mit mehr als einer Rigg-Konfiguration angeboten, unter anderem als 7/8-Slup. Die Segelplan-Daten zeigen ein Boot, das für seine Größe großzügig besegelt ist. Mit dem ISO-Referenzsegel beträgt das Segelfläche-Verdrängungs-Verhältnis (SA/D) 19,4, steigt bei einer 135-prozentigen Genua auf 22,3, und diese Werte setzen sie bei leichtem Wind schneller als 86 Prozent ähnlicher Konstruktionen. Sie trägt auch mehr Rigg als 69 Prozent ihrer Altersgenossen, und der relative Geschwindigkeitsleistungskoeffizient von 79 platziert sie vor 79 Prozent vergleichbarer Boote. Die theoretische Rumpfgeschwindigkeit liegt bei 6,9 Knoten, und unter einem möglichen 18 PS starken Yanmar-Diesel beträgt die berechnete Höchstgeschwindigkeit unter Motor etwa 6,0 Knoten. Die Spezifikationen für Fallen und Schoten sind für beide Fractional-Optionen vollständig aufgeführt: 10-mm-Fallen sind im Standardrigg ca. 33 Meter lang und im alternativen Rigg 30,8 Meter, während die Schoten 12 mm stark und je nach Trimm zwischen 9,4 und 23,6 Metern Länge reichen. (1)
Unterbringung
Unter Deck ist die Guyline 95 mit sechs Kojen ausgestattet und bietet eine Stehhöhe, die als überdurchschnittlich für diese Klasse beschrieben wird. Die im Konstruktionsdatensatz erwähnten breiten Rumpfproportionen sorgen für diesen Innenraum, und die Kombination aus der Anzahl der Kojen und dem Stehplatz macht sie zu einem durchaus geeigneten Boot für Wochenendtörns mit kleiner Crew – trotz der für Regattazwecke optimierten Verdrängungswerte.
Leistungsbereich und Sicherheit
Das Kenterungsverhältnis liegt bei 2,03 – ein Wert, der das Boot nach den Standardtests für Hochseeregatten untauglich machen würde. Es ist also eindeutig ein Boot für Küste und Binnengewässer, kein Hochseekreuzer. Die Komfort-Ratio beträgt 19,2, was komfortabler ist als nur 24 Prozent ähnlicher Konstruktionen. Dies entspricht der Kategorie der leichten Regattayachten und dem moderaten Ballastanteil. Käufer sollten diese Zahlen als Beschreibung eines lebendigen, flachgehenden Küstenbootes und nicht als eines schweren Hochseeyachts verstanden wissen.
Das Fazit
Die Guyline 95 ist ein spezialisiertes finnisches Design, das seine Hochsee-Eignung gegen einen aufholbaren Blei-Schwenkkiel und einen überraschend geräumigen, breiten Rumpf eintauscht. Ihre leichte Regattadeplacement und ihr hohes Segelfläche-Verhältnis machen sie bei leichtem Wind schnell und ideal für das Erkunden von Flachwasserrevieren, während die sechs Kojen und die gute Stehhöhe ihre Eignung als Wochenendboot erweitern. Die gleiche Regatta-Abstammung sorgt jedoch für begrenzten Bewegungskomfort und ein Kenterungsverhältnis, das Hochseeregatten ausschließt.
Vorteile
- Der klappbare Hubkiel öffnet Küsten- und Binnengewässer bei einem Tiefgang von 4,3–4,6 Fuß
- Breiter und geräumiger als die Hälfte ähnlicher Konstruktionen mit sechs Kojen
- Segelfläche-Ratios sorgen für Geschwindigkeit bei leichtem Wind vor 86 % der Konkurrenz
Nachteile
- Das Kenterungsverhältnis von 2,03 schließt den Einsatz bei Hochseeregatten aus
- Bewegungskomfort liegt nur über dem von 24 % vergleichbarer Boote
- Der Ballastanteil liegt über dem von gerade einmal 14 % ähnlicher Konstruktionen




