Design und Konstruktion
Boréal baute die 47.2 als echten Aluminium-Schwertkreuzer, und die große Breite von 14 Fuß 5 Zoll ist eine direkte Folge dieser Flachkiel-Konfiguration, die erforderlich ist, um Segelfläche zu erhalten, ohne dass ein tiefes Kielanker dient. Der Rumpf verfügt über einen Eisbrecher-Bugspriet, wasserdichte Schotten und eine Bodenplatte von 8–10 mm auf einem soliden Spantenbau, der das sichere Trockenfallen des Bootes am Strand ermöglicht. Ein markantes Rumpfelement ist das sogenannte „Embryo“ des Kiels: ein flacher, 80 cm breiter rudimentärer Kiel, der wie ein breiter, verlängerter Skeg wirkt, eine extrem starke trockene Basis bietet und gleichzeitig den Schwertkasten, die Tanks sowie den Bleiballast und das Ankergeschirr beherbergt. Schwere Gegenstände wie Ankerkette, Tanks und Batterien sind tief und zentral platziert, und sowohl das Schwert als auch das Ruder tragen effiziente hydrodynamische Profile. Die massiven Aluminium-Stützen verhindern Korrosionsprobleme durch unterschiedliche Metalle im Salzwasser, und ein hohes Fußreling mit geschweißten Metallhandläufen rundet die robuste Decksstruktur ab. (2)
Rigg und Handhabung
Das Kutterrigg platziert den Mast weit vorn im Rumpf – im Gegensatz zu den meisten echten Kuttern – und das neue Stagsegel ist konventionell statt wie beim Anker der 44/47 selbstwendend angeschlagen. Ein größeres, überlappendes Stagsegel wird innen durch den Spalt zwischen den beiden Wantensegmenten geschenkt, was den Schotwinkel verbessert, und ein optionales Bugspriet ermöglicht die Benutzung von Code-Segeln. Alle Leinen laufen zu einer großen zentralen Winsch zusammen, und der Sitzbereich ist vollständig von der Steuerungszone getrennt. Zwei Steuerräder sitzen über einem einzelnen Spatenruder, während die V1-Wanten auf dem Kajütaufbau montiert sind, sodass der Weg auf dem Vordeck frei bleibt. Ein kraftvoller Baumniederholer kontrolliert die Twist des Großsegels trotz des Fehlens eines Travellers, und ein Paar Steckschwerter auf beiden Seiten des Ruders optimieren die Handhabung: Aufgezogen reagiert das Boot agiler wie eine kleinere Yacht; abgesenkt verbessert sich die Kursstabilität deutlich. Yachting World fand sie in engen Gewässern agil und unterhaltsam, und das Ruder verlor erst bei einem deutlich höheren Winkel die Wirkung als tiefe Performance-Ruder mit hoher Streckung, wobei es ausreichend Warnung gab. (2)
Unterbringung
Unter Deck ist der Salon nach Backbord versetzt, wobei die Sofakojüte auf dem Schwertkasten platziert ist, um nicht den Weg zu versperren. Die Pantry erstreckt sich entlang von Steuerbord mit einer großzügigen Arbeitsplatte aus Corian als Standard. Das Doghouse bietet laut Werft eine 360°-Rundumsicht, während der tiefe Sitzplatz im Backbordbereich des Testbootes aufgrund von toten Winkeln eine vollständige Rundumsicht verhinderte. Ein direkter Durchgang führt vom Doghouse zum achteren Cockpit mit einem festen Tisch, und eine wasserdichte Tür in voller Höhe schließt das Doghouse hermetisch ab. Im Vorschiff gewinnt die Eignerkabine gegenüber der vorherigen 47 deutlich an Volumen: ein breiteres Halb-Inselbett, eine größere Nasszelle mit separater Duschkabine und eine Gasdruckfeder-Bettbasis, die riesigen Stauraum freilegt. Die Achterkabinen lassen sich zu Doppel- oder Twin-Kojen umbauen, und die Steuerbordseite kann zur technischen Abteilung und zum Stauraum umfunktioniert werden; ein dorade-Lüfter über die gesamte Breite versorgt die Achterkabinen. An Deck dominieren eine riesige Segelkiste im Vorschiff und eine massive, zweiflügelige, öffnende Backskiste achtern, wobei die Rettungsinsel durch eine Spiegelklappe in der Backskiste an Steuerbord integriert ist. (3)
Ausrüstung und Systeme
Der Standardmotor ist ein 50 PS starker Volvo Penta D2 mit Optionen auf 60 oder 75 PS; das Testboot war mit dem 75 PS starken Motor und einem festen Dreiflügelpropeller ausgestattet. Ein schwerer kombinierter Doppel-Bugrolle und Spritzenkiel sind serienmäßig, wobei die Ankerleine nach achtern durch einen verdeckten Kanal im Vordeck zu einer Ankerwinde unter Deck direkt vor dem Mast-Anker geführt wird. Die große Kühlschrank-Kombination mit zwei Schubladen kann bei Bedarf durch eine Gefriertruhe in der Steuerbord-Achterkabine ergänzt werden. Auf dem Testboot waren zudem zwei Fußpumpen für die Pantry installiert (Salzwasser- und Druckback-up-Pumpe). Zwei 13 kg schwere Gasflaschen in einem von der Plicht aus zugänglichen Stauraum bieten anspruchsvollen Seglern Monate lang Autarkie. Zudem sind 500 W flexible Solarpaneele auf dem Geräteträger und dem Kajütaufbau montiert. (3)
Das Fazit
Die 47.2 ist ein großes Boot, das sich als kleines ausgibt. Sie wächst auf fast die gleiche Größe wie die Boréal 52 heran, behält jedoch eine kürzere Wasserlinie und eine am Wasserlinienanker etwas schmalere Breite bei. Sie hält ihren Trimm besser als die meisten Boote ihrer Klasse, trägt Lasten ohne Durchhängen, fährt mit etwa 100 Grad Winkel beim Wenden im Durchschnitt hochseetaugliche Taktzeiten und kann trockenfallen oder auf ihrem Kielschwein anlanden. Das Ergebnis ist eine durchdachte Weiterentwicklung eines bewährten Konzepts und kein reines Glücksspiel von Grund auf. (2)
Vorteile
- Vollständige Aluminiumkonstruktion mit Eisbrecher-Bugspriet, wasserdichten Schotten und Strandbarkeit
- Schwert und zwei Steckschwerter bieten geringen Tiefgang sowie verstellbare Stabilität
- Doghouse- und Deckssalon-Layout mit geschützter 360°-Sicht und wasserdichter Trennung
- Eignerkabine und vordere Nasszelle sind gegenüber der Vorgängergeneration vergrößert worden
- Zentrale Winsch und Wanten auf dem Kajütaufbau vereinfachen die Bewegung an Deck und das Handling der Segel
Nachteile
- Segelfläche-Verdrängungs-Verhältnis unter 17 bei leichtem Segel; weniger windtauglich als eine Performance-Fahrtenyacht
- Der versetzte Salon und der Eingang zur Achtertoilette verhindern eine Inselküche
- Das herkömmliche (nicht selbstwendende) Stagsegel schmälert den Vorteil des einfachen Wenden beim älteren Modell


